Justin Trudeau | Bildquelle: AP

Protest in Kanada Trudeaus umstrittene Pipeline-Entscheidung

Stand: 30.11.2016 20:23 Uhr

In Kanada wird demnächst eine gewaltige Pipeline erweitert. Premier Trudeau setzte sich über Bedenken hinweg: Es bestehe keine Gefahr. Umweltschützer und Indigene sind entsetzt und demonstrieren.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Sie nannten es den Notfallprotest: ein Demonstrationszug am vergangenen Samstag durch Vancouver. Ihr Ziel: Stoppt die Erweiterung der sogenannten Kinder Morgan Pipeline.

Nun ist der Notfall eingetreten. Kanadas Premier Justin Trudeau hat gestern eine Verdreifachung der Kapazität für diese Pipeline genehmigt. Plus Hafenausbau. Sie führt aus Albertas Teersandgebieten an Kanadas Westküste, in die Nähe von Vancouver. "Kein Land der Welt würde Millionen Barrels im Boden lassen, so lange es noch einen Markt dafür gibt", sagte er.

Gleich am Abend nach dieser Entscheidung gab es neue Proteste in Vancouver. Für Umweltschützer und indigene Gruppen ist die Entscheidung ein Schlag ins Gesicht. Elisabeth May, Chefin von Kanadas Grüner Partei, sagt, es sei nur eine Frage der Zeit, bis es zu einem Ölleck komme.

Protest gegen kanadischen Pipeline-Projekt | Bildquelle: REUTERS
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Wegen Trudeaus Entscheidung gab es Demonstrationen.

Gefährlich oder nicht?

Ein Pipelineleck oder ein Tankerunglück - das sind die Sorgen der Umweltschützer. Die Kinder Morgan Trans Mountain quert die Rocky Mountains - ein Ölaustritt würde dort die Böden verseuchen. Eine Havarie im Hafen dagegen würde das ökologische Gleichgewicht der Straße von Georgia bedrohen, die das kanadische Festland von Vancouver Island trennt. Bis zu 400 Tanker werden erwartet. "Wenn ich der Meinung wäre, das Projekt sei gefährlich für die Küste, würde ich es ablehnen", sagte Trudeau.

Umweltschützer Dale Marshall von der Gruppe Environmental Defence hält die Genehmigung auch deshalb für falsch, weil sie weiter auf Energieformen setze, die Treibhausgase verursache.

Dabei hatte Kanada erst vor anderthalb Wochen angekündigt, genau aus diesem Grund den Ausstieg aus der Kohleförderung zu forcieren. Demnach will das Land bis zum Jahr 2030 90 Prozent seines Stroms aus nachhaltigen Quellen gewinnen.

Trudeaus Entscheidung ist eine salomonische: Zusammen mit Kinder Mountain genehmigte er den Ausbau einer weiteren Pipeline ebenfalls aus den Teersandgebieten Albertas in die USA, stoppte aber die Pläne für den sogenannten Northern Gateway, eine Pipeline aus Alberta an die Westküste.

"Endlich etwas Licht" vs. "verdammte Pipeline"

Eine Aufbauspritze für Alberta, ein ökonomischer Gewinn für eine Provinz, die zuletzt viel einstecken musste, so sehen es Befürworter. Darunter Rachel Notley, die Premierministerin der Provinz: "Endlich sehen wir etwas Licht. Wir bekommen einen Zugriff auf die Küste, eine Chance, nach China und anderen neuen Märkten zu verkaufen. Und das zu besseren Preisen."

Die Grünen-Politikerin May kündigte schon an "die verdammte Pipeline“ zu bekämpfen, so lange sie atmen könne. Notfalls werde sie für ihren Protest auch Gefängnis riskieren.

Kanadas Ministerin für Umwelt und Klimawandel probiert dagegen versöhnliche Töne. Catherine McKenna sagt zu den zwei Ausbauvorhaben, man müsse auch an die Arbeitsplätze für die Ölindustrie denken. Kanadas Energiepolitik sei in einer Übergangsphase, die man zusammen angehen müsse.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Dezember 2016 um 11:48 Uhr

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