Der St. Lawrence-Markt in Toronto | Bildquelle: picture alliance /  zb

Kanada und der Ölpreis Öl billig, Blumenkohl teuer

Stand: 22.01.2016 08:53 Uhr

Dass der Ölpreis sinkt und sinkt, erfreut die Autofahrer. Für Kanada aber ist diese Entwicklung ein Drama, denn die Währung des rohstoffreichen Landes hängt stark vom Ölpreis ab. Und so steigen für Alltagsprodukte die Preise rapide.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Wer in diesen Tagen verstehen möchte,  wie sich der ständig fallende Ölpreis und der historisch niedrige kanadische Dollarkurs im zweitgrößten Land der Erde auswirken, geht am besten Gemüse einkaufen. "Acht Dollar für einen Blumenkohl. Nicht für eine Kiste - für einen Blumenkohlkopf." Nick steht ziemlich fassungslos in Toronto vor dem Gemüseladen und sagt, in Großbritannien, seiner früheren Heimat, habe der Blumenkohl nicht mal die Hälfte gekostet.

Scott hat gestern Trauben gekauft. Ein Pfund für zehneinhalb Dollar. "Lächerlich", sagt er, "genau wie die anderen Preise". Obst und Gemüse - mittlerweile echter Luxus für Durchschnittskanadier. Geschuldet ist das der ständig fallenden Landeswährung. Der "Loonie", der kanadische Dollar, ist gerade noch 68 Cents im Vergleich zu einem US-Dollar beim großen amerikanischen Bruder wert. Tendenz fallend.

Importware wird deutlich teurer

Da Kanada aber gerade jetzt im dunklen Winter das meiste Gemüse aus Kalifornien importieren muss, wo die Preise aufgrund der Dürre ohnehin hoch sind, gibt der Wechselkurs den meisten Leuten beim Einkauf den Rest. Nathalie jedenfalls findet das alles "schon beängstigend, denn unsere Mindestlöhne steigen ja nicht, mein Gehalt steigt nicht. Ich weiß nicht, was ich mir bald noch leisten kann", fragt sie sich frustiert, und so geht es vielen anderen kanadischen Verbraucher auch.

Die kanadische Währung, traditionell eng an den Ölpreis und andere Ressourcen des rohstoffreichen G-7-Landes Kanada gebunden, fällt mit jedem Dollar, den der Rohölpreis dieser Tage sinkt.

Der St. Lawrence-Markt in Toronto | Bildquelle: picture alliance /  zb
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Auf den Märkten in Toronto werden saftige Preise für Gemüse verlangt.

Kanadisches Rohöl in einem Becher | Bildquelle: Reuters
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Kanada hat große Ölreserven, deren Förderung aber teuer ist.

Lieber ausländische Abnehmer beliefern

Aber nicht nur Gemüsepreise explodieren - die Gurke für drei Dollar, Broccoli für vier statt wie bisher für 1,50 Dollar. Mittlerweile exportieren kanadische Fischer ihre Ware lieber in die USA. Kanadische Restaurants kaufen dann kanadische Austern von der Prinz-Edward-Insel in den USA für teures Geld ein - als Re-Import. Gleiches gilt für kanadisches Rindfleisch.

Ihr Haushaltsbudget reiche nicht mehr, klagt Krista aus Toronto, sie ist Mutter dreier Kinder und kocht jetzt schon anders, "denn einen Dollar können wir nur einmal ausgeben".

Es tröstet sie da wenig, dass der fallende Rohölpreis das Benzin an der Zapfsäule ebenfalls billiger macht und dass Exportgüter "Made in Canada" derzeit boomen aufgrund der schwachen Währung. Sie sieht eher, dass mittlerweile manches Frühstücksmüsli zehn Dollar pro Packung kostet.

Historisch niedriger Wechselkurs belastet kanadische Verbraucher
G. Schwarte, ARD New York
22.01.2016 08:40 Uhr

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Keine Besserung in Sicht

Kanadas Wirtschaft stehe ein "raues Jahr" bevor, sagt Der Ökonom David Macani lakonisch, während Nathalie, Mitte 20, Berufsanfängerin, sich jetzt eher sorgt, ob sie sich ihren Lebensstil noch lang wird leisten können. "Aber", sagt sie, "ob mich das jetzt nervt oder nicht: Ich weiß im Augenblick nicht, wen ich dafür verantwortlich machen kann." Die OPEC oder die Chinesen, die weniger Nickel aus Kanada brauchen? Oder die neue Regierung?

Kanadas liberaler Premierminister Justin Trudeau jedenfalls steht vor seiner ersten großen Bewährungsprobe. Allerspätestens wenn der volksnahe Jungstar unter den G-7-Regierungschefs beim Gemüsekauf auf seine Wähler trifft.

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