Apple - ein Jahr nach dem Tod von Steve Jobs

Steve Jobs

Zum ersten Todestag des Firmengründers

Wo steht Apple im Jahr eins nach Steve Jobs?

Vor einem Jahr starb Apple-Gründer Steve Jobs. Viele fragten sich, wie sehr der Erfolg des Unternehmens an seiner Person hing. Die Zahlen sprechen zunächst für sich: Apple ist heute der wertvollste börsennotierte Konzern der Welt. Aber - wo bleiben die neuen, bahnbrechenden Ideen?

Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Hörfunkstudio Los Angeles

Der neue Apple-Chef und Steve Jobs Nachfolger Tim Cook. (Bildquelle: REUTERS)
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Der neue Apple-Chef Tim Cook kann auf hervorragende Zahlen verweisen.

"Großartig, überwältigend, echt cool." So beschrieb Apple-Gründer Steve Jobs gern die Produkte, die er der staunenden Öffentlichkeit präsentierte. Die Beschreibungen könnten aber auch dem charismatischen Apple-Chef selbst gelten: Im immer gleichen Outfit - schwarzer Rolli, Jeans, Turnschuhe - zelebrierte er die Präsentationen wie Gottesdienste und wurde so selbst zur Ikone der neuen, digitalen Medienwelt. Da war nach seinem Tod die Frage berechtigt, wie Apple ohne ihn überleben kann.

Tim Cook, der Nachfolger von Steve Jobs als Apple-Chef, war vorher für den reibungslosen Produktionsprozess zuständig. Ein Charismatiker ist er nicht. "Steve war ein Genie, ein Visionär", sagte Cook vor kurzem in einem Interview: "Und ich habe es nie als meine Aufgabe gesehen, ihn zu ersetzen. Das ist nicht mein Lebensziel.

Das iPhone 5 verkauft sich zwar besser denn je, aber...

Dabei kann Cook auf hervorragende Zahlen verweisen: Apple wurde unter seiner Führung zum wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt. Der Aktienkurs hat allein in diesem Jahr um mehr als 60 Prozent zugelegt. Das neue iPhone 5 verkauft sich besser denn je, verdoppelte in den ersten 24 Stunden sogar die Rekordverkaufszahlen des Vorgängermodells.

Und doch vermissen Experten die großen Innovationen. Max Wolf von Greencrest Capital meint: "Es ist das erste Mal, dass Apple ein neues iPhone herausbringt, und sie werben im Grunde damit, dass sie jetzt auch das bieten, was die Konkurrenz schon längst hat." Apple sei mal der Anführer in der Smartphone-Branche gewesen, "aber mit dem iPhone 5 holen sie nur die Konkurrenz ein."

Die Nutzer waren erbost

Scott Forstall erklärt das Navigationssystem in iOS6 (Bildquelle: REUTERS)
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Vor allem das Navi sorgte für Ärger: ganze Städte fehlten, Straßen endeten im Nichts, und sollte der Weg quer über das Rollfeld eines Flugplatzes führen.

Und da, wo das iPhone wirklich neu ist, gibt es Probleme: Apple hat die Kartensoftware neu entwickelt und sich dafür von den bewährten Google Maps verabschiedet: Nun fehlen ganze Städte, Straßen enden im Nichts, und die Navifunktion führt auch mal quer über einen Flugplatz.

Die Nutzer waren erbost, die Szene sprach schon von "Map-Gate". Und Apple reagierte: In einem offenen Brief auf der Homepage entschuldigte sich Chef Tim Cook für die Fehler und riet den Kunden, im Zweifel die Software der Konkurrenz zu nutzen.

Wäre Jobs der Kartensoftware-Fehler nicht passiert?

Für Apple ein beispielloser Vorgang und Anlass für eine Frage, die sich wohl viele stellen - wie auch der Technik-Journalist Ryan Block: "Steve Jobs war bekannt dafür, dass er die Entwicklung neuer Produkte bis ins kleinste Detail kontrollierte. Hätte er früher erkannt, dass die Karten nicht gut genug sind - während Tim Cook sie einfach freigegeben hat?" Beantworten kann das natürlich niemand - die Frage zeigt aber, dass die Lichtgestalt Jobs bis heute ihren Schatten auf das eigene Unternehmen wirft.

Apple wird an den eigenen großen Erfolgen gemessen. Und seit Steve Jobs weg ist, fehlt vor allem eines: Das "Next big thing" - das "nächste große Ding", das die Welt verändert, wie der iPod den Niedergang der CD brachte, oder das iPhone die Handybranche umkrempelte - bis hin zum iPad, mit dem Apple einen tot geglaubten Markt wieder zum Leben erweckte.

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Bilder aus seinem Leben und seiner Karriere (06.10.2011)

Bilder aus seinem Leben und seiner Karriere

Steve Jobs

Mit seinem Freund Steve Wozniak und dem nach kurzer Zeit ausgestiegenen dritten Partner Ronald Wayne gründet Jobs die Firma Apple. Den ersten Prototypen des "Apple I" bauen sie in der Garage von Jobs' Adoptiveltern - ein einfacher Computer aus einer Platine und einem Gehäuse, den sie mehr als 200 Mal über eine Computerkette verkaufen. (Bildquelle: dpa)

"One more thing"

Steve Jobs stellte solche Produkte oft bewusst beiläufig als "one more thing" vor, als "noch eine Sache", die er zeigen wolle. Sogar die Formulierung wurde Kult. Bis kurz vor seinem Tod hatte Steve Jobs an einem Apple-Fernseher gearbeitet - doch der ist bis heute nicht auf dem Markt. Apple sitzt auf umgerechnet 90 Milliarden Euro Barreserven - am Geld kann es also nicht liegen. Fehlt dann doch die Vision des Firmengründers? Ist Tim Cook zu brav?

Apple-Mitbegründer Steve Jobs gestorben (Bildquelle: dpa)
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Jobs starb nach langer Krankheit.

Immerhin hat Apple in einer Werbekampagne seine Produkte einmal als die für die Verrückten dieser Welt angepriesen: "Die Außenseiter, die Rebellen, die, die Ärger machen", die sich nicht an die Regeln halten und damit die Welt verändern. Von diesem Image des Außenseiters ist der Konzern heute weit entfernt - auch Dank seiner großen Erfolge.

Vielleicht läuft Apples Maschine zu rund

Apples Maschine läuft rund, vielleicht ein bisschen zu rund. Die Firma ist im Moment wie ein Musterschüler, der fast alles richtig macht, und sich sogar für seine Fehler höflich entschuldigt. Das freut den Lehrer - aber richtig cool ist es nicht.

Stand: 05.10.2012 00:25 Uhr

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