Logo des Internationalen Währungsfonds

Analyse zur Finanzstabilität IWF warnt vor Protektionismus

Stand: 19.04.2017 20:04 Uhr

Die Analyse des IWF klingt zunächst gut - die Finanzmärkte seien stabil. Doch Sorgen bleiben: Vor allem wegen der protektionistischen Handelspolitik der neuen US-Regierung. Stehen künftig eigene Interessen über dem globalen Gleichgewicht?

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Die Finanzmärkte sind stabiler geworden - das ist die jüngste Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Wirtschaft wächst, manche Zinsen steigen langsam, die Börsen in den USA haben Rekorde gebrochen.

Allerdings: Ungetrübt ist die Freude des IWF nicht. Der Grund ist beim Finanzmarkt derselbe wie bei der Wirtschaft insgesamt - die IWF-Analysten befürchten, dass politische Entscheidungen die Fortschritte wieder zunichte machen. Im Blick dabei: US-Präsident Donald Trump und andere Politiker, die den globalen Handel kritisch sehen und lieber national wirtschaften wollen.

Protektionismus als Hemmschuh für Handel?

Der zuständige IWF-Direktor Tobias Adrian sagte: "In den USA können politische Entscheidungen zum Ungleichgewicht im Haushalt führen, Zinsen nach oben treiben. Eine globale Entwicklung hin zu mehr Protektionismus könnte Handel und Wachstum nach unten ziehen und Kapital aus aufstrebenden Märkten abziehen. Wenn globale Kooperation bei der Regulierung verloren geht, könnte das Fortschritte gefährden, die das Finanzsystem sicherer gemacht haben."

Im Blick hat der IWF besonders die Reformen, die Trump versprochen hat: weniger Steuern und weniger Regeln für Finanzmärkte. Der IWF fürchtet, das frei werdende Geld könnte in risikoreiche Geschäfte fließen. Außerdem könnten weniger Steuern und mehr staatliche Schulden die Inflation antreiben. Das würde Zinsen steigen lassen - gut für Banken, schlecht für Unternehmen, die Kredite bedienen müssen. "Ein starker Zinsanstieg, wegen gestiegener Ungleichgewichte, könnte die Fähigkeiten der Unternehmen schwächen, Schulden zu bedienen. In einem solchen Szenario könnten es Unternehmen mit Vermögenswerten in Höhe von vier Billionen Dollar herausfordernd sein, Schulden zu bedienen", sagte Adrian weiter.

Regionale Banken schwächeln

Auch beim Blick auf Europa mahnte der IWF an, dass falsche politische Entscheidungen Schaden anrichten könnten. Der Fokus liegt hier weiterhin auf der Bankenbranche, die der IWF nach wie vor kritisch sieht. In den vergangenen Jahren habe es zwar schon erhebliche Fortschritte gegeben. Aber besonders regionale Banken, die sich auf ihre nationalen Märkte konzentrieren, hätten noch immer Probleme. Fast drei Viertel von ihnen würden nur schwache Gewinne machen.

In manchen Ländern gäbe es noch immer zu viele Banken oder Bankfilialen. Allerdings: Adrian sprach aber von einem differenzierten Bild: "Manche der kleineren Banken kennen sich gut in ihrer örtlichen Wirtschaft aus und können deswegen gute Kreditentscheidungen treffen." Als Beispiel nannte der IWF-Direktor das Geschäftsmodell der deutschen Sparkassen. "Aber es gibt andere Banken mit örtlichem Fokus, die übermäßige Risiken eingegangen sind und die jetzt einen Überhang an faulen Krediten haben. Wir müssen uns wirklich unterschiedliche Geschäftsmodelle in verschiedenen Ländern anschauen."

Zahlt der Kunde für niedrige Zinsen mit?

Grundsätzlich analysierte der IWF die Folgen der niedrigen Zinsen, die es seit der Finanzkrise gibt - und die werden sich nach Ansicht des IWF auch nicht so schnell ändern. Für Banken und Lebensversicherer gebe es negative Auswirkungen: Gewinne würden sinken, was besonders für kleine Banken ein Problem sein könne. Und für Kunden könnten die niedrigen Zinsen bedeuten, dass Bankgebühren steigen.

IWF legt Bericht zur Finanzmarkt-Stabilität vor
J. Bösche, ARD Washington
19.04.2017 19:14 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. April 2017 um 05:25 Uhr

Darstellung: