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IWF-Kritik Sorgenkind europäische Banken

Stand: 22.04.2017 05:30 Uhr

Die Weltwirtschaft erholt sich, die große Krise ist fast vergessen. Nur in einer Branche sind die Folgen noch immer zu spüren: Bei den europäischen Banken. Für den IWF ist es eines der Risiken für die weitere Wirtschaftsentwicklung. Darum fordert er Reformen.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Die Europäischen Banken machen dem Internationalen Währungsfonds (IWF) weiter Sorgen. Der zuständige IWF-Direktor Tobias Adrian räumt zwar ein, dass es ein paar Fortschritte gegeben habe: "Europäische Banken haben mehr Kapital, die Regeln sind verschärft, die Aufsicht verbessert." Grundsätzlich gebe es aber weiter Probleme: Viele Banken verdienen zu wenig Geld, Reformen kommen nicht schnell genug voran.

Ein Problem nennt der IWF "Overbanking". Das heißt: Es gibt zu viele Geldhäuser, die sich nur auf eine Region konzentrieren sowie Banken, die zu viele Filialen haben und zu wenig effizient sind. In den europäischen Ländern fällt "Overbanking" unterschiedlich aus. In Italien oder Spanien gibt es zu viele Filialen, in Deutschland und Österreich viele kleinere Banken.

Problem Nummer Eins - geringer Gewinn

Das müsse nicht immer schlecht sein: "Manche der kleineren Banken kennen sich gut in ihrer örtlichen Wirtschaft aus, können deswegen gute Kredit-Entscheidungen treffen. Das ist zum Beispiel das Geschäftsmodell der deutschen Sparkassen." Dann aber gebe es andere Banken mit örtlichem Fokus, die übermäßige Risiken eingegangen sind und jetzt einen Überhang an faulen Krediten haben. "Wir müssen uns wirklich unterschiedliche Geschäftsmodelle in verschiedenen Ländern anschauen", mahnt Adrian an.

Grundsätzlich findet der IWF, dass die europäischen Banken zu wenig Gewinn machten. Das sei Grund zur Sorge über die Stabilität des Bankensystems, weil die Geldhäuser nicht genügend Rücklagen bilden könnten - das mache sie anfällig für Schocks. Faule Kredite in vielen Büchern verschärfen zudem das Problem. Das gilt auch für große, weltweit agierende Institute wie die Deutsche Bank. Laut IWF verdient sie zu wenig, hat ihre Strukturen kaum gestrafft.

IWF fordert mehr gemeinsame Kontrolle

Die Probleme angehen müssten nicht nur die Banken, sondern auch die Politik. Der Währungsfonds verlangt intensivere Kontrollen und Lösungen für faule Kredite. Der Blick geht dabei auch zur Europäischen Union. "Wir sehen bereits die Vorteile der vereinigten Bankenaufsicht: Es gibt Stresstests und konkrete Ratschläge, wie das Problem fauler Kredite gelöst werden sollte", sagt IWF-Chef Adrian.

Die EZB beaufsichtigt seit 2014 die großen Banken in der Eurozone. Der IWF fordert, diese Bankenaufsicht noch weiter auszubauen - bis hin zu einer gemeinsamen Einlagensicherung. Der Chef der Bundesbank, Jens Weidmann, sieht das kritisch: "Aus dem Grund, dass der Schritt zu früh kommt, wenn andere wichtige Politikbereiche mit Einfluss auf die Qualität der Bank-Bilanzen - das nationale Insolvenzrecht etwa - weiterhin in nationaler Verantwortung bleiben." In einem solchen Kontext würde die Balance zwischen Haftung und Kontrolle durch eine gemeinsame Einlagensicherung aus dem Gleichgewicht geraten.

Auch eine andere Idee des Internationalen Währungsfonds stößt beim Bundesbank-Chef auf wenig Gegenliebe: Der IWF schlug vor, dass die EU-Länder verstärkt zusammen in Infrastruktur investieren. Neben den Banken-Reformen ein weiteres Thema, bei dem der IWF in Europa Nachholbedarf sieht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. April 2017 um 06:40 Uhr.

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