Das Logo des Internationalen Währungsfonds (IWF) an dessen Hauptsitz in Washington. | Bildquelle: dpa

Vor Jahrestagung IWF warnt vor Übermut

Stand: 11.10.2017 20:35 Uhr

Wachsende Wirtschaft, stabilere Finanzmärkte: Auf den ersten Blick entwickelt sich die Konjunktur weltweit gut. Doch der IWF warnt vor Übermut - vor allem bei den Banken.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Gute Nachrichten und ernste Mahnungen - für den Internationalen Währungsfonds geht das Hand in Hand. Die Wirtschaft wächst, die Finanzmärkte sind stabiler geworden, die wichtigen Banken gesünder. Trotzdem warnte der zuständige Direktor Tobias Adrian vor Selbstzufriedenheit: "Die globale Finanzstabilität hat sich weiter verbessert, die wirtschaftliche Erholung verbreitert, die Märkte sind lebhaft. Die Wasser mögen ruhig aussehen, doch unter der Oberfläche wachsen die Anfälligkeiten. Wenn nichts getan wird, könnte das die weltweite Erholung entgleisen lassen und das Wachstum gefährden."

Im Blickfeld des IWF sind mal wieder die Banken: Generell habe sich ihre Lage verbessert, strengere Regeln hätten dazu geführt, dass die Banken mehr Rücklagen gebildet hätten. Doch rund ein Drittel der systemrelevanten Banken stecke noch in Schwierigkeiten. In China bedrohe die Größe des Finanzsektors die Stabilität.

IWF zur Weltmarkstabilität
Jan Bösche, ARD Washington
11.10.2017 19:46 Uhr

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Geldpolitik sanft normalisieren

Mahnende Worte gab es auch für die Zentralbanken: Sie sollten aufpassen, wenn sie ihre expansive Geldpolitik aus Krisenzeiten wieder zurückfahren. Die amerikanische Notenbank habe ja schon damit begonnen. Der IWF mahnte, dass das langsam und bedächtig geschehen müsse - unter anderem deshalb, weil die Inflation in vielen Ländern noch unter den gesetzten Zielen liegt. Direktor Tobias Adrian: "Wichtige Zentralbanken sollten ihre Geldpolitik sanft normalisieren. Die Abwicklung der unkonventionellen Maßnahmen muss gut kommuniziert werden, um Marktturbulenzen abzuwehren."

Zahlreiche Euro-Banknoten | Bildquelle: dpa
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Warnung vor Folgen der Geldschwemme

Gleichzeitig warnte der IWF vor den Folgen der Geldschwemme: Auf den Finanzmärkten sei zu viel Geld auf der Suche nach Rendite. Darum würden Anleger mehr Risiken eingehen - das wiederum bedrohe die Stabilität der Märkte.

Eine andere Folge: Weil Geld so billig zu leihen ist, ist in vielen G20-Ländern die Schuldenlast erheblich gewachsen. Deutschland ist dabei eines der wenigen Ausnahmen. Ausdrücklich mahnte der IWF, China müsse seine Risiken besser in den Griff bekommen. Wörtlich warnte er: "Der Verschuldungsgrad im Privatsektor ist jetzt höher als vor der Finanzkrise. Und trotz geringer Zinserträge hat sich die Schuldenlast in mehreren großen Volkswirtschaften erhöht. Das ist ein Risiko, wenn die Zinsen stark ansteigen."

Keine Einschätzung gab es von den IWF-Experten zur Krise um Katalonien. Der spanische Bankensektor an sich sei widerstandsfähig und die spanische Wirtschaft stark. Man hoffe, dass die Situation geklärt werde, reibungslos und schnell.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 12. Oktober 2017 um 02:47 und 04:23 Uhr.

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