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Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft
Hausbesitzer können aufatmen - Mieter nicht
Wenn sie dem Institut der Deutschen Wirtschaft Glauben schenken, können viele Hausbesitzer beruhigt sein: Wohnungen sind weiter eine sichere Geldanlage. Immobilienblasen wie in den USA drohen laut Studie nicht. Nur - viele können sich die steigenden Preise in Hamburg oder München nicht mehr leisten.
Von Anja Günther, NDR, ARD-Hauptstadtstudio
Wer sich gerade eine Wohnung gekauft hat und sich fragt, ob das mitten in der Euro-Krise wohl richtig war, der kann einigermaßen aufatmen. Zumindest in deutschen Großstädten gälten Wohnimmobilien als attraktive, relativ sichere Anlage, sagt Michael Hüther vom Institut der Deutschen Wirtschaft Köln. Der Wirschaftsforscher führt aus: "Die Analyse zeigt, dass sich derzeit keine spekulative Blase am deutschen Immobilienmarkt aufbaut. Die Immobilienpreise sind nun erklärbar, durch die fundamentalen Faktoren wie Mieten und Einkommen, angestiegen.“
In ihrer aktuellen Studie haben die IW-Experten die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt in Berlin, Frankfurt am Main, München, Köln und Hamburg genau untersucht. Das Ergebnis: In diesen Ballungsgebieten sind die Werte von Wohnungen und Häusern stetig angestiegen, besonders stark im vergangenen Jahr. Laut Hüther wurden allein 2011 Wohnimmobilien in Berlin, Hamburg und München acht bis neun Prozent teurer und in Köln knapp fünf Prozent. "Sowohl Hamburg als auch München haben sehr gute Perspektiven als attraktive Wohnorte auch in die Zukunft hinein sich zu entwickeln", erklärt er. Allein in Hamburg erhöhten sich die Preise für Eigentumswohnungen in den vergangenen acht Jahren um 31 Prozent.
"Keine spekulative Blase am deutschen Immobilienmarkt"
A. Günther, ARD Berlin
02.08.2012 14:57 Uhr
Panik-Verkäufe und purzelnde Preise sind nicht in Sicht
Das wirft die Frage auf, ob sich eine spekulative Preisblase bilden könnte, die dann irgendwann platzt, wie etwa in den USA oder in Spanien. Es käme es zu Panik-Verkäufen und die Preise würden purzeln. Mit einem solchen Szenario rechnet der Leiter der IW-Studie, Michael Voigtländer, in Deutschland nicht. "Wir haben derzeit einen ganz anderen Hintergrund. Wir haben eher Käufer, die langfristig orientiert sind", sagt er. Diese Leute überlegten: "Wie kann ich gegebenenfalls mein Kapital langfristig vor Inflation schützen?" Eine spekulative Blase mache dagegen aus, dass man die Überlegung in den Vordergrund stelle, eine Immobilie in zwei, drei Jahren mit Gewinn zu verkaufen. Das stehe in Deutschland aber nicht im Vordergrund, betont Voigtländer.
Es spricht noch einiges andere dafür, dass Immobilien in Großstädten wie Hamburg, Köln und München langfristig attraktiv bleiben und eine gute Anlage sind: Die Entwicklung der Mieten hält mit der Entwicklung der Immobilienpreise Schritt. Die Bruttoeinkommen sind gestiegen. Auch eine sehr hohe und sehr schnelle Kauf- oder Wiederverkaufsrate ist nicht zu beobachten.
Immobilien-Preise in Großstädten ziehen laut Studie kräftig an
tagesthemen 23:02, 02.08.2012, Svea Eckert, NDR
Beschäftigte werden buchstäblich an den Rand gedrängt
Außerdem ist trotz niedriger Zinsen laut Hüther keine expansive Kreditvergabe festzustellen. "Dass die Eigenkapitalanteile ansteigen und die Kredite schnell zurückgezahlt werden, ist ein sehr gutes Signal", meint er. "Man mag sagen: eine typisch deutsche Form der Immobilienfinanzierung. Vor zehn Jahren hätten das alle noch unmodern gefunden."
Das klingt zwar gut, allerdings hat die Sache durchaus Nachteile. Viele Menschen können sich eine Wohnimmobilie in Köln oder Hamburg schlicht nicht leisten. Und wenn die Mieten in den Großstädten weiter steigen, werden Beschäftigte, die weniger verdienen, buchstäblich an den Rand gedrängt. Wegen der fortschreitenden Re-Urbanisierung wiederum sinken in ländlichen Regionen die Immobilienpreise. Eine sichere Anlage sind Wohnungen und Häuser hier meist eher nicht.
Stand: 02.08.2012 18:02 Uhr
