Malediven | Bildquelle: dpa

Partnerland der ITB 2016 "Die Demokratie auf den Malediven ist tot"

Stand: 09.03.2016 13:47 Uhr

Für Touristen sind die Malediven ein "großes Aquarium" - mehr als eine Million besuchen das Insel-Paradies jedes Jahr. Doch außerhalb der Urlaubsressorts wachsen die Sorgen: Islamisten sind auf dem Vormarsch, Korruption grassiert und Regierungsgegner werden weggesperrt.

Von Sandra Petersmann, ARD-Studio Neu-Delhi

Mutter und Tochter aus Deutschland sind verzückt. Ein Urlaub  auf den Malediven stand schon lange oben auf der Wunschliste. "Ich habe meiner Freundin geschrieben: Ich bin im Paradies. Und das Paradies heißt Malediven. Du hast das Gefühl, du bist in einem riesigen Aquarium. So viele Fische, so bunt, so viele Farben", schwärmen sie.

Einheimische haben die beiden in ihrem abgeschotteten Urlaubsressort nicht getroffen. Das Hotelpersonal kam überwiegend aus Sri Lanka und Indien. Dass auf den Malediven ein politischer Machtkampf tobt, können Mutter und Tochter kaum glauben: "Wir haben gar nichts mitgekriegt. Nur Fische, Muränen, Haie und Babyrochen. Du stehst nur und staunst."

Reportage Sandra Petersmann: Malediven | Bildquelle: Sandra Petersmann/ARD
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Malediven: Urlaubstraumziel mit Schattenseiten

Frei gewählt - und verurteilt

Mohammed Nasheed, der Kopf der Demokratiebewegung von 2008 und erste frei gewählte Präsident der Malediven, ist ein verurteilter Mann. Er schied im Februar 2012 unter zweifelhaften Umständen aus dem Amt. Teile der Sicherheitskräfte hatten gemeutert. Ein Jahr später verlor er eine umstrittene Wahl. Er lag damals vorne, doch der Oberste Gerichtshof ließ zwei Wahlrunden annullieren. Vor einem Jahr dann wurde Nasheed zu 13 Jahren Haft verurteilt. Er soll die Verfassung gebrochen haben.  

Reportage Sandra Petersmann: Malediven | Bildquelle: Sandra Petersmann/ARD
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Solidaritäts-Plakat für den ehemaligen Präsidenten Mohammed Nasheed.

"Im Gefängnis versuchst du zuerst, eine Stunde durchzuhalten. Dann 24 Stunden. Dann sieben Tage. Dann einen Monat. Und dann ein Jahr. Du bist in einem Netz gefangen. Und je mehr du dich wehrst, desto mehr verstrickst du dich", sagt Nasheed. Während der 30-jährigen Alleinherrschaft von Maumoon Gayoom saß er mehrfach im Gefängnis - weitgehend unbemerkt.

Amal Clooney | Bildquelle: AP
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Die Anwältin Amal Clooney setzt sich für Oppositionelle auf den Malediven ein.

Heute hat er mit der britischen Menschenrechtlerin Amal Clooney eine Anwältin mit Promi-Faktor. "Die Demokratie auf den Malediven ist tot. Es können keine Wahlen stattfinden. Alle Oppositionsführer sitzen in Haft oder auf der Anklagebank", sagt sie.

Die Nation im Mittelpunkt

Seit November 2013 werden die Malediven von Präsident Abdulla Yameen regiert. Er ist der Halbbruder des langjährigen Machthabers Gayoom. Ein junger Mitarbeiter der Präsidentenpartei lässt keinen Zweifel daran, wer das Sagen hat. Über seinem Schreibtisch hängt ein Gayoom-Porträt. "Wir stehen für die Werte von Präsident Gayoom. Bei uns steht bis heute die Nation im Mittelpunkt - und nicht das Wohlergehen eines Mannes. Die Nation zuerst", sagt er.

Reportage Sandra Petersmann: Malediven | Bildquelle: Sandra Petersmann/ARD
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Werbeplakat mit Präsident Abdulla Yameen

Das sehen Regierungsgegner wie Shidhatha Shareef anders. Sie gehört zu einer Oppositionspartei, deren Vorsitzender gerade erst zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden ist. "Das ist schlimmer als die alte Diktatur. Wir haben seit 2008 eine neue Verfassung mit Gewaltenteilung. Dagegen zu verstoßen und die Macht zu konzentrieren, wie es der Präsident mit der Justiz und dem Parlament macht, schadet unserer Zukunft. Wir sind in einer bitteren Lage", sagt Shidhatha Shareef.

Die Bevölkerung zieht sich immer mehr ins Private zurück. Die religiöse Radikalisierung nimmt zu. Auch aus den muslimischen Malediven reisen Kämpfer zum "Islamischen Staat" nach Syrien und in den Irak. Es gibt Korruptionsvorwürfe gegen die politische Elite der Malediven. Schwarzgeld soll organisiert gewaschen worden sein.

Um den wachsenden internationalen Druck zu mildern, ließ die maledivische Regierung Nasheed im Januar nach London ausreisen. Aus dem Exil fordert er seitdem gezielte Sanktionen gegen die Malediven. Die Mächtigen sollten mit einem Reiseverbot und eingefrorenen Konten bestraft werden, bis alle politischen Häftlinge befreit seien.

Tourismus wichtigste Einnahmequelle

Außenministerin Dunya Maumoon, die Tochter des Ex-Diktators, wirbt um Vertrauen. Ihre Regierung sorgt sich um ihre wichtigste Einnahmequelle. "Sanktionen schaden unserem Image und unserem Tourismus. Sie schaden allen Maledivern. Ich bitte um Unterstützung für unsere demokratisch gewählte Regierung. Nasheed versucht, seine Geschichte zu verkaufen, um seiner Strafe zu entkommen. Bei uns steht niemand über dem Gesetz, auch Ex-Präsidenten nicht. Wir bitten den Rest der Welt, unsere Souveränität zu respektieren", sagt sie.

Pro Jahr besuchen mehr als eine Million Menschen die Malediven, davon rund 100.000 aus Deutschland. Damit belegen die Deutschen Platz zwei hinter den Chinesen, gefolgt von Russen und Briten.

Dieser Beitrag lief am 09. März 2016 um 07:48 Uhr im Deutschlandfunk.

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