Ein Mann hängt am Strand auf den Malediven Windlichter an einen Stamm | Bildquelle: picture alliance/ANN /

Internationale Tourismusbörse 2016 Malediven - das vermeintliche Paradies

Stand: 09.03.2016 03:48 Uhr

Kritiker landen im Gefängnis. Die Scharia ist Gesetz. Die Malediven gelten als eines der korruptesten Länder der Welt. Das vermeintliche Inselparadies ist in diesem Jahr Partnerland der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin.

Von Marion von Haaren, WDR, ARD-Hauptstadtstudio

"Zuerst dachte ich, wie kann man nur ein solches Land zum Partner der ITB erklären", sagt Omnid Nouripour von den Grünen. "Dann sagte ich mir, vielleicht ist es eine gute Gelegenheit darüber aufzuklären, welche Verhältnisse dort herrschen."

Eine Million Besucher reisen nach Angaben der ITB pro Jahr auf die Inselkette süd-westlich von Indien. Mit seinen Korallenriffen, den weißen Stränden und der üppigen Vegetation gehören die Atolle der Malediven zu den attraktivsten Urlaubszielen weltweit.

Doch seit 2012 herrscht dort ein Gewalt-Regime. "Präsident Yameen hetzt Schlägergruppen auf Oppositionelle und lässt sie Jahre lang im Gefängnis verschwinden. Bei uns gibt keine freie Presse, keine Religionsfreiheit, keine unabhängigen Richter", berichtet Omar Abdul Razzak, ein Abgeordneter der oppositionellen Demokratischen Partei der Malediven, bei seinem Besuch in Berlin. "Die Menschenrechte werden mit Füßen getreten."

Malediven: Polizei bei der Maikundgebung 2015 | Bildquelle: picture alliance / AP Photo
galerie

"Die Menschenrechte werden mit Füßen getreten", sagt der maledivische Oppositionspolitiker Razzak. Hier gehen Polizisten gegen Demonstranten einer Maikundgebung vor. (2015)

Dabei hatten die Bürger der Malediven bessere Zeiten erlebt. "Von 2008 bis 2012 hatten wir demokratische Verhältnisse und eine Gewaltenteilung, doch unser Präsident wurde aus dem Amt gedrängt", erklärt Razzak. 

Eines der korruptesten Länder

Gewalt-Regime und Luxus-Tourismus - sie haben auf den Malediven viel miteinander zu tun. Die lukrativen Einnahmen aus dem Tourismus gehen an einige Familien, mit entsprechend starkem Einfluss auf die Politik. Die Malediven gelten als eines der korruptesten Länder der Welt. Und als Geldwäsche-Paradies gerät das Land neuerdings ins Fadenkreuz internationaler Terrorfahnder.

"Die Touristen bekommen von all diesen Dingen wenig mit", sagt der SPD-Abgeordnete Niels Annen. Auch er sprach mit den Oppositionellen, die schon vor der ITB angereist waren, um über die politische Situation auf den Malediven zu sprechen. Sie erklärten: "Wir machen uns große Sorgen. Früher gab es einen gemäßigten Islam. Jetzt herrscht Angst. Saudi-Arabien schickt Prediger ins Land, Pakistanis und Chinesen investieren, das hat das Klima verändert."

Einzigartige Atolle vom Klimawandel bedroht

Der CDU-Abgeordnete Christian von Stetten kennt die Inselgruppe vom eigenen Urlaub. Er sieht die Lage weniger dramatisch. Bis 2015 war er Honorarkonsul der Malediven in Deutschland. Vom damaligen demokratisch gewählten Präsidenten Mohammed Nasheed berufen, setzt er sich für die Malediven als erste CO2-freie Inselgruppe ein.

Denn mit teilweise nur einem Meter Höhenunterschied sind die Atolle weltweit am stärksten vom Klimawandel bedroht. Der CDU-Abgeordnete knüpfte wirtschaftliche Kontakte zwischen baden-württembergischen Unternehmen und der Regierung in der Hauptstadt Male.

Malediven: Tourismus | Bildquelle: picture alliance / robertharding
galerie

Mit teilweise nur einem Meter Höhenunterschied sind die Atolle weltweit am stärksten vom Klimawandel bedroht.

Die politische Lage will von Stetten nicht bewerten. "Als Diplomat halte ich mich da zurück." Durch den internationalen Druck könnten sich die Verhältnisse rasch wieder ändern. Wann er das letzte Mal auf den Malediven Urlaub gemacht habe? Von Stetten denkt nach: "Das ist schon ein paar Monate her."

"Die Touristen sollen bitte kommen", sagt Ahmed Naseem, Ex-Außenminister und heutiger Oppositionspolitiker von der Demokratischen Partei. "Sie sollen ihren Urlaub genießen. Aber bitte sprechen Sie auch mit Einheimischen", appelliert er, "machen Sie sich ein eigenes Bild und lassen Sie sich nicht im Luxus-Hotel isolieren."

Darstellung: