Logo der italienischen Bank Monte dei Paschi | Bildquelle: REUTERS

Bankenkrise in Italien Parlament billigt Milliarden-Rettungspaket

Stand: 21.12.2016 09:57 Uhr

Der italienische Staat darf bis zu 20 Milliarden Euro neue Schulden machen, um im Notfall angeschlagene Banken zu retten. Das Parlament billigte einen Antrag der Regierung. Im Zentrum der Krise steht das Geldinstitut Monte dei Paschi.

Von Tassilo Forchheimer, ARD-Studio Rom

In den Problemen der italienischen Banken spiegeln sich viele Probleme Italiens. Von der Wirtschaftsflaute bis zur weit verbreiteten Vetternwirtschaft lässt sich hier einiges studieren. Ein besonders interessantes Studienobjekt ist das älteste Bankhaus der Welt, Monte dei Paschi di Siena. Bei ihr mussten in der Vergangenheit längst nicht alle Kreditnehmer die nötigen Sicherheiten vorweisen, sagt Tatjana Eifrig, Finanzanalystin der Finnat-Bank. "Die Kredite sind sehr leichtfertig vergeben worden - an Freunde, Bekannte und Politiker", sagt sie.

Die Folge sind faule Kredite in einem Volumen von etwa 45 Milliarden Euro - allein bei Monte dei Paschi. Bis Ende des Jahres braucht die Bank dringend fünf Milliarden Euro frisches Kapital. Andernfalls droht das älteste Bankhaus der Welt für immer Geschichte zu werden. Für Eifrig ist das allerdings nur eine theoretische Option. Der Untergang sei trotz miserabler Zahlen sehr unwahrscheinlich, so die Analystin. "Man wird versuchen, sie zu retten, weil zu viele Arbeitsplätze davon abhängen."

Tage der Entscheidung für Italiens Banken
Tassilo Forchheimer, ARD Rom
21.12.2016 09:11 Uhr

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Zehntausende Anleger betroffen

Neben der Größe der Bank wird dabei sicher auch die Besitz-Struktur eine wichtige Rolle spielen. Von einer Pleite wären bei Monte dei Paschi Zehntausende von Kleinanlegern betroffen. Deren Ruin will Italiens Regierung gerne verhindern. Anfang der Woche hat Ministerpräsident Paolo Gentiloni deshalb einen staatlichen Rettungsschild ins Gespräch gebracht. "Wir haben ein Hilfspaket auf den Weg gebracht, das ich 'Rettet die Ersparnisse' nennen möchte. Es handelt sich um eine Vorsichtsmaßnahme, eine Vorab-Bewilligung von bis zu 20 Milliarden Euro."

Paolo Gentiloni | Bildquelle: dpa
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Paolo Gentiloni: "Wir haben ein Hilfspaket auf den Weg gebracht."

"Mich erstaunt diese Fassungslosigkeit"

Schulden machen für Italiens Banken. Laut Finanzminister Pier Carlo Padoan könnte mit der Summe die Liquidität im Finanzsystem gesichert und zugleich die Kapitaldecke der Banken aufgebessert werden. Allerdings stehen solche staatlichen Eingriffe in einem gewissen Widerspruch zu den neuen europäischen Regeln zur Bankenrettung, nach denen auch Privatanleger Verluste tragen müssen, wenn Banken staatliche Unterstützung erhalten. Entsprechende Kritik aus dem Ausland will Padoan aber nicht gelten lassen. "Mich erstaunt ehrlich gestanden diese Fassungslosigkeit. Auch weil sie aus dem Bauch kommt, ohne dass irgendjemand schon etwas geprüft hätte", sagt er.

Alle Probleme des italienischen Bankensektors lassen sich damit ganz sicher nicht lösen. Mit rund 700 Finanzinstituten ist der Markt in Italien extrem zersplittert. Insgesamt leiden die Banken hierzulande unter faulen Krediten in einem Volumen von rund 360 Milliarden Euro. Die aktuellen Niedrigzinsen vermindern die Gewinnspannen. Und während das Online-Banking boomt, stehen vielerorts die Schließung von Filialen und der Abbau von Arbeitsplätzen auf der Tagesordnung.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Dezember 2016 um 05:41 Uhr

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