Skandal-Telefonmitschnitte bei irischer Pleitebank

Skandal-Telefonmitschnitte bei Anglo Irish Bank

Wie irische Pleitebanker alle verhöhnten

Es klingt wie ein Kneipengespräch, doch geführt haben es zwei Manager der Anglo Irish Bank kurz vor der Pleite 2008. Voller Hohn für ihr Umfeld überlegten sie, wie sie von der irischen Notenbank noch Finanzhilfen locker machen könnten. Die Telefonmitschnitte wurden jetzt veröffentlicht.

Von Barbara Wesel, ARD-Hörfunkstudio London

Wenn irgendetwas den Hass der Iren auf ihre Banker noch steigern könnte, dann sind diese Telefonmitschnitte von der Anglo Irish Bank, dem größten der Pleite-Institute, die das Land an den Rand des finanziellen Ruins trieben, dazu geeignet. Sie zeigen, mit welcher Unverschämtheit, welcher Frechheit und welcher völligen Missachtung der von ihnen ruinierten Volkswirtschaft hier zwei der Pleitebanker versuchen, den sich abzeichnenden Untergang noch ein wenig hinauszuschieben. Dabei hatte Anglo Irish Ende 2008 offiziell noch einen Gewinn verbucht, aber die Bilanz war eine Lüge.

Filiale der Anglo Irish Bank (Bildquelle: picture alliance / dpa)
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Die Pleite gegangene Anglo Irish Bank: Telefonmitschnitte zweier Manager sorgen für Empörung.

Zustand verschleiert

Schon wenige Tage nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers, nämlich im September 2008, wussten Anglo-Irish-Manager John Bowe und sein Kollege Peter Fitzgerald, dass ihre Bücher ebenfalls dermaßen viele faule Immobilienkredite enthielten, dass sie mit in den Untergang gerissen würden. Aber sie taten zunächst alles, um den Zustand ihrer Bank den Offiziellen gegenüber zu verschleiern: "Die Strategie ist, sie - also die Notenbanker - hineinzuziehen, dann bekommen wir sie dazu, einen dicken Scheck auszustellen." Heißt also einen kleineren Verlust einzuräumen, um mit der staatlichen Hilfe zunächst die gröbsten Löcher zu stopfen. Später dann wäre die irische Regierung gezwungen, weiter Geld nachzuschießen.

"Eine Überbrückung, die wir nie zurückzahlen können"

2010 musste Irland tatsächlich um Hilfe von EU und IWF bitten. Es war der erste Bailout, die erste Rettungsaktion nach dem internationalen Finanzmarkt-Crash. Da hatte sich das schwarze Loch bei Anglo Irish auf rund 18 Milliarden vergrößert - es steht für ein Drittel des gesamten Haushaltsdefizits des kleinen Landes. Über die ersten Milliardenhilfen 2008 vom irischen Staat aber scherzten die beiden Pleitebanker am Telefon: "Ich erwarte erst einmal sieben Milliarden, sieben Milliarden, das ist eine Überbrückung bis wir sie zurückzahlen können: Das heißt niemals…haha."

Very bloody funny - wirklich sehr komisch. Und schon 2008 wussten die Manager bei Anglo Irish, dass die Verluste viel größer waren: "Die Zahl ist sieben, aber in Wirklichkeit brauchen wir mehr als das."

Neuer Skandal um irische Pleitebank
B. Wesel, ARD London
26.06.2013 15:43 Uhr

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Scherzen trotz verzweifelter Lage

Heute wird erwartet, dass der irische Steuerzahler rund 30 Milliarden Euro für die Machenschaften dieser Banker wird zahlen müssen. Die verzweifelte Lage aber verschlug den Herren nicht ihren Sinn für Humor. Nachdem die Regierung in Dublin, damals noch unter Premier Brian Cowen, öffentlich eine Blankozusage für die Rettung aller irischen Pleitebanken abgegeben hatte, mussten nicht nur Anglo Irish, sondern am Ende sämtliche sechs von der Pleite bedrohten Zockerbanken in Irland gerettet werden. 

Auch Deutschland verspottet

Die frühe Rettungszusage aber ließ damals wieder britisches und vor allem deutsches Geld nach Irland fließen. Das fanden die Anglo-Irish-Banker auch wieder außerordentlich komisch, vor allem deutsche Anleger wurden massiv umworben."Deutschland, Deutschland über alles", sangen sie am Telefon.

Ein Untersuchungsausschuss soll aufklären

Da wusste die Bande längst, dass alles Geld verloren war und der irische Staat die Schulden würde zurückzahlen müssen. Die Regierung in Dublin will jetzt einen Untersuchungsausschuss einsetzen, um die Sache aufzuklären. Aber schon jetzt sieht es so aus, als ob in der jahrzehntelang mafiös verbandelten irischen Wirtschaft die Kräfte der Verdeckung stärker sein könnten, als die der Aufklärung: Es wird davor gewarnt, den Stein Anglo Irish umzudrehen, weil zu viele Würmer ans Licht kommen könnten.

Stand: 26.06.2013 17:09 Uhr

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