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Rial-Wechselkurs im freien Fall
Wertlose Währung erzürnt Iraner
Nach dem rasanten Wertverlust der iranischen Landeswährung Rial ist es in der Hauptstadt Teheran zu schweren Ausschreitungen gekommen. Laut Augenzeugen begannen die Zusammenstöße, als Hunderte Polizisten im Finanzbezirk Ferdowsi gegen illegale Geldwechsler vorgingen. Die Sicherheitskräfte ordneten demnach die Schließung von Wechselstuben und Geschäften an.
Einwohner berichteten, dass es Festnahmen gegeben habe und Polizisten mit Steinen beworfen worden seien. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas gegen die Devisenhändler und weitere Demonstranten ein, die Parolen gegen Präsident Machmud Ahmadinedschad riefen. Wütend warfen sie ihm vor, dass seine Politik die Wirtschaftskrise ausgelöst habe.
Iranische Währung weiter im Abwärtsstrudel
R. Baumgarten, ARD Istanbul
04.10.2012 06:09 Uhr
Massiver Wertverlust binnen weniger Tage
Der Rial verlor seit Ende 2011 gegenüber dem US-Dollar rund 80 Prozent an Wert. Allein binnen einer Woche sackte der Wechselkurs um ein Drittel ab und erreichte neue historische Tiefststände. Viele Iraner tauschten ihre Rial-Bestände zuletzt in harte Währungen. Der Verfall der Landeswährung führt schon jetzt zu einem sinkenden Lebensstandard im Iran. Dem freien Handel mit dem Rial will der Iran nun einen Riegel vorschieben.
Die Entwicklung ist eine Folge des Devisenmangels und der starken Inflation. Beides hängt mit den Sanktionen der USA und der EU zusammen, die im Zusammenhang mit dem iranischen Atomprogramm verhängt wurden und besonders den Ölexport und die Banken treffen. Das US-Außenministerium hatte die Krise des Rial als Zeichen des Erfolgs der Sanktionen gegen den Iran bezeichnet.
Ahmadinedschad hatte gestern den Westen für den massiven Wertverlust des Rial verantwortlich gemacht. "Der Westen hat dem Iran Sanktionen auferlegt und faktisch einen geheimen Krieg gegen unser Volk begonnen", sagte er. "Wir erleben hier teilweise einen psychologischen Krieg ohne irgendeine wirtschaftliche Rechtfertigung." Das Land werde aber niemals dem Druck nachgeben und "niemals sein Atomprogramm einstellen." Die iranische Zentralbank habe genug harte Devisen bereitgestellt, um die notwendigen Importe zu finanzieren.
Großer Basar geschlossen
Angesichts der aktuellen Entwicklung blieb der Große Basar in Teheran am morgen geschlossen. Hintergrund war insbesondere auch die Unsicherheit der Händler, die nicht wussten, wie sie mit den schwankenden Wechselkursen umgehen sollten. "Wir haben geschlossen, weil wir nicht wissen, was mit dem Dollar passiert", sagte ein Händler. Auf dem Großen Basar werden die Tagespreise für die kleineren Basare und Handelszentren fixiert.
Der iranische Polizeichef Esmail Ahmadi Moghadam will laut der Nachrichtenagentur Fars eine Expertengruppe einrichten. Diese soll gegen "diejenigen ankämpfen, die den Devisenmarkt stören". Seinen Angaben zufolge halten viele Menschen Unmengen an Devisen und Gold privat zu Hause zurück, und das habe "negative Auswirkungen auf die Wirtschaft". Die Untersuchungsgruppe soll aus Wirtschaftsexperten der Regierung und aus Polizisten bestehen.
Stand: 03.10.2012 15:26 Uhr
