Börse in Teheran | Bildquelle: REUTERS

Deutsche Wirtschaft und der Iran Der Basar ist eröffnet

Stand: 17.01.2016 14:43 Uhr

Die Sanktionen gegen den Iran sind aufgehoben, nun beginnt der Kampf um Marktzugänge. Deutsche Firmen hoffen auf eine Verdreifachung der Umsätze - viele Industrieanlagen sind veraltet. Doch es gibt Konkurrenz. Besonders Frankreich hat ein gutes Verhältnis zum Iran.

Das Ende der Sanktionen gegen den Iran könnte für deutsche Firmen den Beginn von neuen Geschäften bedeuten. Denn in der Islamischen Republik gibt es großen wirtschaftlichen Nachholbedarf. Auch deshalb reiste Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel im Juli 2015 als einer der ersten westlichen Spitzenpolitiker nach Teheran. Im Schlepptau hatte er zahlreiche Wirtschaftsvertreter - unter anderem Manager von VW und Daimler.

Das Ende des Embargos kommentierte der SPD-Chef entsprechend erfreut: "Damit eröffnet sich die Möglichkeit, ein neues Kapitel in den deutsch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen aufzuschlagen." Für die deutsche Wirtschaft bietet das 80-Millionen-Einwohner Land neue Absatzmöglichkeiten.

"Die großen Dax-Unternehmen scharren schon mit den Hufen", sagt Michael Tockuss, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der deutsch-iranischen Handelskammer. Zahlreiche Industrieanlagen im Iran sind veraltet und müssen modernisiert werden. Auch die Infrastruktur des Landes muss in Teilen verbessert werden.

Gabriel in Isfahan | Bildquelle: dpa
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Im Rahmen seines Iran-Besuches besuchte Wirtschaftsminister Gabriel (SPD) auch Isfahan.

Verdreifachte Umsätze?

Gabriel wies jedoch darauf hin, dass die Wiederbelebung der deutsch-iranischen Wirtschafts- und speziell auch der Finanzbeziehungen ein langfristiger Prozess sei. Denn nach dem Ausschluss der iranischen Geldinstitute vom internationalen Zahlungsverkehrssystem Swift wird es einige Zeit dauern, ehe die Banken wieder in das System integriert sind. Bis dahin sind grenzüberschreitende Überweisungen nicht möglich.

Nach Schätzungen der deutsch-iranischen Handelskammer könnten sich die deutschen Ausfuhren in den Iran durch den Wegfall der Sanktionen auf bis zu sieben Milliarden Euro erhöhen. Das entspräche fast einer Verdreifachung der Exporte von 2014, die bei 2,38 Milliarden Euro lagen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rechnet sogar mittelfristig mit einem Exportvolumen von mehr als zehn Milliarden Euro.

Konkurrenz vom Nachbarn

Besonders Maschinenbauer, die chemische Industrie und die Gesundheitswirtschaft hätten gute Chancen im Iran, mutmaßt der BDI. Doch die deutsche Wirtschaft konkurriert mit Unternehmen aus vielen Ländern. Besonders französischen Firmen werden wegen der traditionell guten Beziehungen der Staaten gute Chancen eingeräumt.

Schwierigkeiten bereitet dem Iran derzeit allerdings der niedrige Ölpreis. Das rohstoffreiche Land kann einige Investitionen dadurch zunächst wohl nicht tätigen.

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