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Apple stellt kleines iPad vor
Höflicher Applaus statt Jubel
Apple hat das seit Langem erwartete kleinere Modell seines Tabletcomputers iPad vorgestellt, das iPad mini. Damit greift der US-Konzern auf dem Markt der kleinen Tablets an. Besonders Google und Amazon hatten hier zuletzt gepunktet. Und so ist Apple diesmal der Nachzügler, anstatt den Trend zu setzen.
Von Wolfgang Stuflesser, SWR-Hörfunkstudio Los Angeles
Es ist eher höflicher Applaus als frenetischer Jubel, mit dem die Journalisten und Technikexperten den neuen kleinen Tabletcomputer begrüßen. Kein Wunder: Sogar den Namen iPad Mini hatten die Gerüchte diesmal also korrekt vorausgesagt. Es ist nicht mehr so leicht für Apple, die andächtige Technikgemeinde wirklich zu überraschen. Nein, das sei nicht einfach ein geschrumpftes iPad, versichert Apples Marketingchef Phil Schiller, sondern ein ganz neues Design.
Das iPad mini ist etwa so groß wie ein Taschenbuch, lässt sich also bequem mit einer Hand umfassen. Es ist ein gutes Stück flacher als der große Bruder, etwa so dick wie ein Bleistift. Und es wiegt auch nur knapp die Hälfte - so viel wie drei Tafeln Schokolade.
Keine Überraschung - iPad Mini vorgestellt
W. Stuflesser, ARD Los Angeles
24.10.2012 10:08 Uhr
Von außen also ist vieles neu - im Inneren aber werkelt im Grunde die Technik des vor-vorigen iPads. Der Prozessor stammt aus dem iPad 2, auch die Auflösung des Bildschirms ist längst nicht so hoch auflösend wie beim aktuellen großen iPad.
Erste neue Produktreihe seit dem Tod vom Jobs
Mit dem iPad Mini startet Apple erstmals seit dem Tod des Firmengründers Steve Jobs eine neue Produktreihe. Und diesmal ist Apple nicht Vorreiter, sondern Nachzügler, denn Konkurrenten wie Amazon oder Google sind mit ihren kleinen Tablets sehr erfolgreich - mit Preisen ab etwa 200 Euro. Die kleinste Version des iPad mini kostet 330 Euro.
Apple lässt sich also nicht auf einen Preiskampf ein, sondern zielt eher auf die eigenen Stammkunden, vermutet Finanzfachmann Darren Chervitz: "Leute, die viel Zeit investiert haben, ihre Musik und ihre Filme in das Apple-Format umzuwandeln, werden jetzt dazu tendieren, dass iPad mini zu kaufen. Es ist das günstigste iPad, aber es kostet halt 70 Prozent mehr als die Konkurrenzprodukte, die auch sehr gut funktionieren."
Apple ist sich der Konkurrenz durchaus bewusst: Marketingchef Schiller verwendet bei der Präsentation mehrere Minuten darauf, das iPad Mini Seite an Seite mit Googles Tablet zu vergleichen. "Deren Gerät ist aus Plastik", betont er, es sei "dicker und schwerer als das iPad Mini, obwohl es einen kleineren Bildschirm hat".
Markt für Schul- und Lehrbücher im Blick
Vor allem einen Markt hat Apple mit dem iPad mini: den der Schul- und Lehrbücher. Schulen und Unis stellen nach und nach von Papier auf elektronische Bücher um. Die Software zum Erstellen dieser Bücher bietet Apple kostenlos an, um dann später beim Verkauf der Bücher mitzuverdienen. Ein Milliardenmarkt, sagt John Biggs vom Onlineportal Techcrunch: "Die Zielgruppe für das iPad mini sind die Leser: Es ist Apples E-Reader. Das haben sie schon beim iPad gesagt, aber das war zu schwer und zu unhandlich. Das iPad Mini ist etwas größer als das iPhone und etwas kleiner als das iPad - es passt genau in die Mitte."
Und doch hat Apple ausgerechnet beim Bildschirm Abstriche gemacht – es hat nicht die hohe Auflösung, mit dem das iPhone und das große iPad punkten. Technik-Journalistin Sarah Lane sagt: "Sie haben die ganze Zeit betont, dass man so gut E-Mails damit lesen kann, im Internet Surfen, elektronische Bücher lesen, aber das sind alles Dinge, bei denen man längere Zeit auf kleine Buchstaben schaut. Und da will man beim Bildschirm die bestmögliche Qualität."
"Es ist Liebe"
Tim Cook, CEO bei Apple, setzt derweil auf andere Argumente: "Sie könnten jetzt fragen: Warum ist das iPad so phänomenal erfolgreich? Nun, es zeigt sich, dass es dafür einen einfachen Grund gibt: Die Leute lieben ihre iPads." Auf diese Liebe setzt Apple auch beim iPad mini - und hofft, dass die Kunden bereit sind, dafür einen deutlichen Aufpreis zu zahlen.
Stand: 24.10.2012 06:40 Uhr
