Interview

Hedgefonds Heuschrecke

Interview mit US-Hedgefonds-Manager "Sie suchen das schwächste Schaf"

Stand: 23.07.2011 13:03 Uhr

Hedgefonds stehen seit langem in der Kritik. Spätestens seit den Angriffen auf schwächelnde Euro-Länder wird über ihre Rolle diskutiert. US-Hedgefondsmanager Brown verteidigt sie im Interview mit ARD-Korrespondent Scherer - und spricht über schwache Schafe, die Funktion von Spekulanten und die menschliche Natur.

tagesschau.de: Hedgefonds-Manager meiden normalerweise die Öffentlichkeit. Warum eigentlich?

Douglas Brown: Öffentlichkeit bringt uns keine Vorteile. Wir stehen der Allgemeinheit ja ohnehin nicht zur Verfügung. Wir dürfen nicht einmal werben.  

tagesschau.de: Manche würden sagen, Sie arbeiten ohnehin lieber im Dunkeln. Ist das so?

Brown: Das halte ich für stark übertrieben. Wir werden reguliert von den Börsen, von zuständigen Finanzkommissionen und von den Bundesstaaten - in unserem Fall Kalifornien.

alt Douglas Brown

Zur Person

Douglas Brown ist einer der erfahrensten Hedgefonds-Betreiber in den USA. Seine Firma "KWK Management" operiert mit 15 Mitarbeitern von Los Angeles aus. Anleger müssen vorab eine Million Dollar flüssiges Kapital nachweisen. Er spendet regelmäßig Geld an die Republikaner - und sagt, nie würde er einen Demokraten wählen.

Millionärsbeitrag zur US-Haushaltssanierung?

tagesschau.de: Der Kongress in Washington streitet gerade darüber, ob auch Amerikas Millionäre einen Beitrag zur Haushaltssanierung leisten sollen. Präsident Obama nennt da Hedgefonds-Manager gerne als Beispiel. Wie kommt das bei Ihnen an?

Brown: Ich glaube nicht, dass es gerechtfertigt ist, uns als Synonym für Privatvermögen zu benutzen. Ich beispielsweise betreibe einen Hedgefonds, aber ich habe keinerlei Kapitalerträge.

tagesschau.de: Trotzdem sind Sie Millionär und kein armer Mann. Wenn der Präsident vorschlägt, dass auch Sie einen Beitrag zur Rettung des Landes leisten können, wenn zugleich die Alten- und Armenversorgung gekürzt wird, warum nicht?

Brown: Ich denke, ich leiste meinen Beitrag auch bisher schon. Alle Steuern zusammengenommen - also auch Mehrwertsteuer und die auf Benzin - machen das über 50 Prozent meines Einkommens aus. Wenn ich Leute frage, ob einer noch mehr an die Regierung abführen sollte, sagen sie normalerweise nein. Aber vielleicht stimmt es, dass ich mehr zahlen sollte. Ich weiß es nicht.  

Bekenntnisse einer Heuschrecke
Weltspiegel 19:20 Uhr, 26.07.2011, Klaus Scherer, ARD Washington

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"Job creator" oder Job-Vernichter?

tagesschau.de: Die Republikaner werfen Obama vor, man könne nicht diejenigen stärker belasten, die im Lande Jobs schaffen sollen. Und nennen Millionäre lieber "job creators". Sind Sie ein "job creator"?

Brown: Wir beschäftigen Mitarbeiter, also schaffen wir Jobs. Aber ich denke, das Job-Argument wird von den Republikanern überzogen, weil es gut klingt. Ich denke nicht, dass ich Arbeitsplätze schaffe, je nachdem wie meine Steuerlast ist. Ich schaffe Jobs, wenn ich damit meine Erträge zu steigern kann.

tagesschau.de: Kritiker sagen ohnehin, dass Ihre Branche mehr Jobs vernichtet als schafft. Die Finanzkrise, die maßgeblich von der Wall Street ausgelöst wurde, kostete Amerika mehrere Millionen Arbeitsplätze.

Brown: Ich glaube nicht, dass die Wall Street die auf dem Gewissen hat. Die Finanzwelt ist der Sprit, mit dem Sie Ihr Auto fahren. Um die Wirtschaft am Laufen zu halten, brauchen Sie die Finanzwelt.

tagesschau.de: Aber sie hielt nicht die Wirtschaft am Laufen. Die stürzte mit in die Krise, mitsamt den Arbeitsplätzen. Glauben Sie ernsthaft, dass da an der Wall Street alles in Ordnung war?

Brown: Nein, sicher nicht. Aber es gab viele Faktoren, die in die Krise führten - und das schon seit den 80er Jahren. Der Technologieboom, die Energiepreise, der Wandel am Arbeitsmarkt, die Immobilienblase, die faulen Kredite. All das arbeiten wir nun ab.

"Was es gab, sind schlechte Geschäftsentscheidungen"

tagesschau.de: Gab es denn nie eine Diskussion in der Branche, ab wann die Hypotheken-Geschäfte windig oder gar kriminell waren?

Brown: Ich kenne nicht die gesamte Branche. Aber dass darin Kriminalität weit verbreitet wäre, halte ich für überzogen. Es gab bisher sehr wenige strafrechtliche Ermittlungen. Und ich glaube nicht, dass es daran lag, dass sie halbherzig geführt wurden. Was es gab, sind schlechte Geschäftsentscheidungen.  

tagesschau.de: Geschäftsentscheidungen, die dazu führten, dass Manager daran Millionen verdienten, bis die Steuerzahler die Wall Street mit Milliarden retten mussten.

Brown: Glauben Sie mal nicht, ich sei in allem ein Freund der Wall Street. Ich sehe nur keine bessere Alternative dazu. Die Regierung? Die machte ihre Arbeit noch viel schlechter. Sie war es doch, die die Banken gedrängt hat, leichtfertig Kredite auszugeben.

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