Das Logo des Energieunternehmens Innogy vor dem Firmensitz. | Bildquelle: REUTERS

Energiebranche Wie geht es weiter mit Innogy?

Stand: 12.03.2018 13:04 Uhr

Erst vor knapp zwei Jahren gegründet, steht der Netzbetreiber und Stromproduzent Innogy vor der Zerschlagung. Die geplante Aufteilung zwischen der Konzern-Mutter RWE und E.ON zeigt die Verunsicherung in der Energiebranche.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries hat die geplante Neuordnung bei den Energieriesen E.ON und RWE grundsätzlich begrüßt: "Es ist gut, wenn es in Deutschland wettbewerbsfähige und international orientierte Energieversorger gibt." Die von den Energierkonzernen vorgeschlagenen Pläne, könnten dazu ein Beitrag sein, betonte Zypries in Berlin. "Eine Konzentration auf bestimmte Geschäftsfelder kann notwendige Investitionen bei Erzeugung und Verteilnetzen befördern."

E.ON will zunächst die RWE-Ökostrom- und -Netztochter Innogy komplett übernehmen und im Gegenzug den Konkurrenten RWE am eigenen Unternehmen beteiligen. E.ON würde dabei das lukrative Netzgeschäft von Innogy erhalten. Die erneuerbaren Energien sollen unter dem Dach von RWE vereint werden, die bisherige Konzerntochter Innogy würde zerschlagen.

Innogy hält sich bedeckt

Innogy hielt sich zu den Plänen zunächst bedeckt. Man werde dazu "zu gegebener Zeit Stellung nehmen", teilte Vorstandschef Uwe Tigges bei der Vorlage der Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr mit. Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr bekräftigte Innogy und geht weiter von einem bereinigten Nettogewinn von mehr als 1,1 Milliarden Euro und einem bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund 2,7 Milliarden Euro aus. Bereich erneuerbare Energien rechnet Innogy mit einem stagnierenden Ergebnis.

"Auswirkung für Stromkunden überschaubar"

Die geplante Zerschlagung von Innogy dürfte laut ARD-Energieexperte Jürgen Döschner aber keine allzu großen Auswirkungen für die Stromkunden in Deutschland haben. Es sei natürlich ein Milliarden-Deal, aber der Einfluss von RWE und E.ON auf den Strommarkt sei deutlich geringer, als noch vor zehn Jahren. Bei den Endkunden liege der Anteil nur noch bei etwa 30 Prozent, betonte Döschner.

Konzern schon länger in der Krise

Innogy war zuletzt schwer gebeutelt. Nach der Gewinnwarnung und einem Kursverlust an der Börse räumte Vorstandschef Terium im vergangenen Dezember seinen Posten. Seitdem führt Personalvorstand Tigges kommissarisch den Vorstand. Finanzvorstand Günther war vor einigen Tagen Opfer einer Säureattacke geworden. Er erlitt schwere Verletzungen und schwebte zeitweise in Lebensgefahr.

Annalena Baerbock | Bildquelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/REX/Shutte
galerie

Grünen-Chefin Baerbock macht den energiepolitischen Kurs der Großen Koalition für die geplante Zerschlagung von Innogy verantwortlich.

Grüne machen Große Koalition verantwortlich

Die angekündigte Aufteilung von Innogy ist aus Sicht der Grünen auch die Folge einer falschen Politik von Union und SPD. Die großen Konzerne seien "vollkommen verwirrt", sagte Parteichefin Annalena Baerbock. "E.ON und RWE haben eigentlich mit ihrer Entscheidung deutlich gemacht: Sie wissen nicht, wohin." Ein Grund dafür sei, dass die Große Koalition die Themen Klimaschutz und Kohleausstieg in eine Kommission geschoben habe.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. März 2018 um 12:00 Uhr.

Darstellung: