Industrieproduktion gesunken Indiens Volkswirtschaft - "ein wirklich düsteres Bild"

Stand: 12.11.2012 17:06 Uhr

Indiens Volkswirtschaft lahmt gefährlich. Der Finanzminister prognostiziert für dieses Jahr bereits die niedrigste Wachstumsrate seit zehn Jahren. Und nun schrumpfte sogar die industrielle Produktion. Der Ruf nach einer Zinssenkung wird lauter - doch das lehnt die Zentralbank ab. Denn auch die Inflationsrate ist sehr hoch.

Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

Arbeiter in einer Fabrik (Bildquelle: REUTERS)
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Die Industrieproduktion Indiens ist im September gesunken.

"Überraschend", "schockierend", eine "deutliche Warnung": Die schrumpfende Wirtschaft ist das Top-Thema auf den indischen Fernsehkanälen. Asiens drittgrößte Volkswirtschaft lahmt gefährlich. Sogar der indische Finanzminister prognostiziert für dieses Jahr bereits die niedrigste Wachstumsrate seit zehn Jahren: 5,5 Prozent. Viel zu wenig, um die Milliardenbevölkerung zu versorgen. Und wie zum Beweis ist die industrielle Produktion im September im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 Prozent geschrumpft.

Sinkende Produktion

Besonders deutlich ist der Einbruch ausgerechnet bei der verarbeitenden Industrie. Die Fertigung ist für rund zwei Drittel der gesamten industriellen Produktion verantwortlich - und ist im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent gesunken. Diese Delle kommt auch für Wirtschaftsexperten überraschend. "Das ist wirklich ein düsteres Bild, eine echte Überraschung", sagte ein Analyst. "Das konnte keiner vorhersehen. Außerdem sind wir hier in Indien mitten in der Saison mit den wichtigsten Feiertagen, da sollten Produktion und damit der Verkauf nicht derart einbrechen. Das ist überraschend."

Indiens Wirtschaft lahmt gefährlich - Rückgang der Industrieproduktion
S. Petersmann, ARD Neu-Dehli
12.11.2012 16:17 Uhr

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Eine Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters hatte noch ein Wachstum der industriellen Produktion von 2,8 Prozent vorhergesagt. Weit gefehlt. Jetzt richten sich alle Augen auf Regierung und Zentralbank. Dort sollen die Hebel in Bewegung gesetzt werden, die die Wirtschaft wieder in Schwung bringen.

Steigende Preise, hohes Staatsdefizit

Hand hält indische Rupien (Bildquelle: picture alliance / dpa)
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Die Preissteigerung macht bereits heute vor allem den Armen zu schaffen.

Doch die Notenbank hat sich bis jetzt standhaft geweigert, den Zinssatz zu senken. Sie verweist auf die galoppierende Preissteigerung und das hohe Staatsdefizit. Für die Reserve Bank of India hat die Kontrolle der Inflation oberste Priorität. Tatsächlich ist der Verbraucherpreis-Index im Oktober im Vergleich zum Vorjahr um 9,75 Prozent gestiegen. Zucker, Linsen, Reis, Gemüse und Öl sind deutlich teurer geworden - und das bekommen vor allem die Armen zu spüren. Noch immer leben rund 400 Millionen Inder von weniger als einem Euro am Tag.

Die indische Wirtschaft leidet unter den Folgen der Eurokrise, aber viele Probleme sind auch hausgemacht. Die Bürokratie zum Beispiel ist überbordend und korrupt. Zum Reformpaket, das die Regierung gerade angestoßen hat, um die Wirtschaft wieder flott zu kriegen, gehören erleichterte Auslandsinvestitionen und das Streichen von Subventionen für Diesel und Gas.

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Streik in Indien

Im September kam es zu landesweiten Streiks gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung (20.09.2012)

Demonstrationen und Streik in Indien

Landesweiter Streik in Indien. Oppositionsparteien haben gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung zum Widerstand aufgerufen. Das Foto zeigt Demonstranten in Neu-Delhi. (Bildquelle: AFP)

Dieser Beitrag lief am 12. November 2012 um 17:05 Uhr im Deutschlandfunk

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