Ikea-Gründer Ingvar Kamprad | Bildquelle: picture alliance / dpa

Ikea-Gründer Kamprad wird 90 Möbel-Mogul und Steuervermeider

Stand: 30.03.2016 05:05 Uhr

Es beginnt mit Bilderrahmen und Buntstiften, später verkauft Ikea auch Möbel und macht seinen Gründer Kamprad zum Multimilliardär - mit speziellem Verständnis von Steuern. Kai Schlüter gratuliert dem erfolgreichsten schwedischen Unternehmer zum 90. Geburtstag.

Von Kai Schlüter, ARD-Studio Stockholm

Vor drei Jahren, nach dem Tod seiner Frau, kehrte Ingvar Kamprad in seine südschwedische Heimat nach Älmhult zurück. 1973 hatte er Schweden verlassen - aus Steuergründen. Wie er das viele Geld, das er verdiente, versteuern sollte, darüber macht er sich schon früh Gedanken: "Als ich meine erste Million gemacht habe, dachte ich mir: Mein Gott, jetzt bin ich wirklich unabhängig. Aber als ich dann die ersten hundert Millionen hatte, dachte ich: Was zum Teufel soll ich denn damit? Das hat mich ja wieder abhängig gemacht, weil ich da ja daran denken musste, wo ich wohnen soll, wie ich das alles versteuern soll und so weiter."

Die einen schätzen sein Vermögen auf 50 Milliarden Euro, die anderen auf 60 Milliarden. Sagen wir: Kamprad ist sehr, sehr reich. Aber auch er fing klein an. Die Legende will es, dass er schon als Fünfjähriger Streichhölzer verkaufte und mit zehn Jahren durch das Dorf radelte und Weihnachtslametta, Fisch und Kurzwaren verhökerte.

Anfang mit Bilderrahmen und Buntstiften

1943 - mit 17 Jahren - gründet er Ikea. Das Unternehmen ist zunächst als Versandhandel ohne eigene Geschäfte geplant. Im Sortiment unter anderem Bilderrahmen und Buntstifte. Ab 1947 verkauft Ikea auch Möbel. Und 1958 richtet Kamprad in Älmhult das erste Möbelhaus ein. Zügig expandiert Ikea, in Schweden und im Ausland.

Im Jahr 1974 wird der erste Ikea-Markt in Eching bei München eröffnet. Kamprad lobt den Pioniergeist seiner deutschen Mitarbeiter: "Die waren ziemlich eigensinnig, die wollten nicht auf Ingvar Kamprad oder jemanden anderen hören. Sie wollten selber beweisen, dass sie Ikea in die Bundesrepublik einführen können. Und das ist ihnen gelungen."

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Ikea-Gründer Ingvar Kamprad

Steuern = Kosten

Steuern sieht Kamprad als Kosten, genau wie andere geschäftliche Kosten auch. Also versucht er, sie zu minimieren. Mit Erfolg. 1982 verkauft er Ikea an eine Stiftung in den Niederlanden, die mit einer weiteren in Liechtenstein verknüpft ist. Im Ergebnis soll die Inter Ikea Holding nach Angaben des schwedischen Fernsehens, einen Steuersatz von nur zwei Tausendstel Prozent erreicht haben. Ikea bestreitet das. 2015 habe die Steuerquote 19 Prozent betragen.

1994 deckt die schwedische Boulevardzeitung "Expressen" auf, dass Kamprad 1942 der schwedischen Naziorganisation "Nysvenska Rörelsen" beigetreten war. Auch der faschistischen Partei Svensk Socialistisk Samling gehörte er an. Kamprad beschönigt nichts: "Dann war ich eine Zeit Mitglied in einer Organisation in Schweden. Ich war nicht alleine, es waren Hunderttausende von Schweden, die dasselbe Schicksal erlebt haben. Das war die größte Dummheit meines Lebens. Ich habe mich entschuldigt und ich habe zu spät entdeckt, dass das alles falsch war."

Ikea-Museum für 250.000 Besucher

Die Schweden haben ihm offenbar verziehen. Die Leser der konservativen Tageszeitung "Svenska Dagbladet" wählten ihn vor zwei Jahren zum "besten schwedischen Unternehmer aller Zeiten". Und in Älmhult, wo alles begann mit dem Möbelimperium, baut Ikea gerade ein Firmenmuseum, das jährlich 250.000 Besucher anlocken soll.

IKEA-Gründer Ingvar Kamprad wird 90
K. Schlüter, ARD Stockholm
29.03.2016 21:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. März 2016 um 10:26 Uhr

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