Bahn und Siemens besiegeln Auftrag für neue ICx-Flotte

Verträge für neue ICx-Flotte unterschrieben

Sechs Milliarden Euro gegen die Pannenserie

Logo der Deutschen Bahn an der Konzernzentrale (Bildquelle: dpa)
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Die Deutsche Bahn will künftig die Zuverlässigkeit in den Mittelpunkt rücken.

Die Deutsche Bahn und der Technologiekonzern Siemens haben die Verträge über den größten Einzelauftrag in der Geschichte der beiden Unternehmen unterschrieben. Sie besiegelten damit die Vereinbarung über den Bau von bis zu 300 Fernverkehrszügen. Die ersten sollen ab 2016 zum Einsatz kommen und zunächst die bisherigen IC-Züge ablösen. Die beiden Unternehmen teilten mit, dass die Bestellung zunächst 130 Züge umfasse. Der Abruf weiterer 90 Züge sei geplant. Zusammen gehe es dabei um ein Auftragsvolumen von sechs Milliarden Euro. Auf der Basis des bis 2030 laufenden Vertrages kann die Deutsche Bahn den Angaben zufolge jederzeit weitere 80 Züge bestellen.

Deutsche Bahn sichert sich ab

Die neuen ICx-Züge sollen nach und nach die bisherige Fernverkehrsflotte der Deutschen Bahn ersetzen. Sie sollen gegen extreme Witterung wie Eis, Hitze und Platzregen gewappnet sein und die Pannenserie des Konzerns beenden. Die Klimaanlagen, die im Sommer 2010 wiederholt versagten, sollen bis 40 Grad einwandfrei arbeiten. Auch bei den Toiletten wurden detaillierte Vorgaben gemacht, um häufige Störungen in Zukunft auszuschließen. In den langwierigen Vertragsverhandlungen bestand die Bahn auf umfangreichen Garantien. Vor Beginn der Serienfertigung sollen zwei Züge einen 14-monatigen Probebetrieb durchlaufen, davon zwei Monate ohne Reisende.

Aufgrund der Erfahrungen mit störanfälligen Zügen sichert sich die Bahn nun umfassend bei den Herstellern ab. Eine Anzahlung für die Züge gibt es nicht, Siemens muss die Entwicklung also vorfinanzieren. Erst bei Bereitstellung eines Zuges sind Medienberichten zufolge 60 Prozent des Kaufpreises fällig. Für die Achsen garantiert Siemens demnach eine Laufleistung von vier Millionen Kilometern. Bei Riss oder Bruch muss Siemens beweisen, dass die Bahn verantwortlich ist. Ultraschall-Untersuchungen sollen alle 240.000 Kilometer ausreichen. Derzeit werden sie zehnmal so häufig geprüft.

Höchstgeschwindigkeit nur noch 249 Kilometer pro Stunde

Zugleich begnügt sich der Konzern bei der Bestellung mit deutlich niedrigeren Spitzengeschwindigkeiten. Der ICx soll zunächst in zwei Varianten gebaut werden. Die eine erreicht in der Spitze eine Geschwindigkeit von 249 Kilometern pro Stunde, die andere 230 Kilometer pro Stunde. Beim ICE-3 sind es derzeit mehr als 300 Kilometer pro Stunde. Der ICx soll allerdings auch bis zu 30 Prozent weniger Energie pro Fahrgast verbrauchen als ein ICE. Um diese Ziel zu erreichen, wurden die Aerodynamik verbessert und das Gewicht eines 200 Meter langen Zuges um 20 Tonnen reduziert.

Äußerlich werden die ICx den bisherigen ICE-3 stark ähneln und auch weiter weiß mit rotem Band lackiert sein. Im Inneren verspricht die Deutsche Bahn den Reisenden mehr Beinfreiheit, eine Steckdose an jedem Doppelsitz sowie bessere Informationsbildschirme. Passagiere können im Gegensatz zu den bisherigen ICE im ICx auch Fahrräder mitnehmen.

Die neuen Züge sollen nahezu komplett in Deutschland gefertigt werden: "Der Auftrag sichert Tausende Arbeitsplätze, auch in der mittelständischen Zulieferindustrie", sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. "Es scheint auch einer der größten Verträge zu sein, der überhaupt je in der deutschen Industriegeschichte vergeben wurden", sagte Bahnchef Rüdiger Grube. Er fügte hinzu: "Mit dem ICx legen wir den Grundstein für den Fernverkehr der Zukunft." Siemens-Chef Peter Löscher sprach von einem "historischen Tag".

Stand: 09.05.2011 17:07 Uhr

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