Huawei-Zentrale in Shenzhen | Bildquelle: AP

Handyhersteller Huawei So erfolgreich wie umstritten

Stand: 07.06.2018 08:59 Uhr

Von der Datenweitergabe von Facebook profitierte auch der chinesische Handyhersteller Huawei. Doch die Firma ist umstritten wegen ihrer Verbindungen zur Staatsführung in Peking.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Für chinesische Verhältnisse ist Huawei eine ziemlich alte Firma. Gegründet wurde sie vor gut 30 Jahren von einem ehemaligen Ingenieur des Militärs. Inzwischen gehört Huawei zu den größten Technologiekonzernen des Landes.

International erfolgreich

Noch eine Besonderheit: Der Konzern mit Sitz im südchinesischen Shenzhen ist nicht nur in China, sondern weltweit äußerst erfolgreich. Nach Samsung aus Südkorea und Apple aus den USA ist Huawei der drittgrößte Smartphone-Hersteller der Welt, gemessen an den ausgelieferten Geräten. Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes veröffentlicht jedes Jahr eine Liste mit den weltweit mächtigsten Marken. Auf dieser Liste taucht nur eine chinesische Firma auf: Huawei.

Der Konzern setzt - anders als vergleichbare chinesische Firmen - seit vielen Jahren aufs internationale Geschäft. Er verkauft nicht nur Telefone und Tablets, sondern auch Geräte zum Betrieb von Mobilfunk- und Internet-Netzwerken. Geräte also, die der normale Kunde nicht wirklich zu Gesicht bekommt, die aber sehr wichtig sind sowohl für den Betrieb als auch für die Sicherheit von Datennetzen.

Huawei-Chef Richard Yu | Bildquelle: AFP
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Huawei-Chef Richard Yu machte sein Unternehmen zum drittgrößten Handyhersteller weltweit.

Enge Verbindungen zur Staatsführung

In den USA blickt die Politik seit Jahren deswegen sehr misstrauisch auf Huawei. Vor allem US-Parlamentarier und Geheimdienstexperten werfen Huawei mangelnde Transparenz vor und die Tatsache, dass die Firma enge Verbindungen zur chinesischen Staats- und Parteiführung pflegt. Dies ist allerdings nichts Unübliches in China, im Gegenteil: Alle großen Firmen, egal aus welcher Branche, sind auf enge Verbindungen zum Staat angewiesen. Häufig sind staatliche Stellen sogar direkt oder indirekt an den Firmen beteiligt.

Allerdings hatte der US-Geheimdienst 2012 erstmals vor Huawei gewarnt. Mittlerweile wurde der Konzern als nationale Bedrohung eingestuft. Die USA befürchten, dass über dessen Technologie Spionage betrieben oder Cyberangriffe ausgeübt werden könnten.

Facebook-Vorwürfe zurückgewiesen

Am Mittwoch wurde bekannt, dass Facebook über Jahre Daten seiner Nutzer an weltweit rund 60 Firmen weitergegeben hat. Dazu sollen auch chinesische Technologiekonzerne zählen, etwa der Handyhersteller OPPO, die Computerfirma Lenovo - und Huawei. Die konkreten Vorwürfe, Huawei habe Facebook-Nutzerdaten missbraucht, hat das Unternehmen zurückgewiesen. Gesammelt oder in China gespeichert habe man keine dieser Daten. Sie seien ausschließlich auf den Geräten selbst verwendet worden.

Huawei: Weltweit erfolgreich, aber umstritten
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
07.06.2018 08:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Juni 2018 um 09:41 Uhr.

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