Was bedeutet der Mini-Gewinn der HRE-"Bad Bank"?

Erstmals schwarze Zahlen

Was bedeutet der Mini-Gewinn der HRE-"Bad Bank"?

Die HRE-"Bad Bank" hat zweifelhafte Papiere im Wert von 137 Milliarden Euro in den Büchern. Doch es gibt einen Lichtblick: 2012 machte die FMS - so der Name der "Bad Bank" - erstmals einen kleinen Gewinn. Ist das Konzept aufgegangen? Können die Steuerzahler aufatmen? ARD-Bankenexperte Feldforth gibt Antworten.

tagesschau.de: Die FMS schreibt erstmals schwarze Zahlen. Der Gewinn ist aber nur ein Bruchteil der zuvor angehäuften Milliardenverluste. Wie muss man das einschätzen? Hat die Grundidee eines staatlichen Abwicklungsinstituts funktioniert?

Oliver Feldforth: Da ist Vorsicht geboten. Dass eine "Bad Bank" wenig Gewinn macht, wird niemanden enttäuschen. Dazu sind die Papiere, die in ihren Büchern stehen, einfach zu zweifelhaft. Die FMS hat 137 Milliarden Euro in den Büchern stehen.

Die Bank hatte in den vergangenen Jahren große Probleme mit Papieren, die aus Griechenland stammen und massiv an Wert verloren haben. Jetzt schaut die Bank sehr sorgenvoll nach Italien und Spanien. Man macht sich große Sorgen, dass es da zu Wertverlusten kommt, die man dann auch realisieren muss. Da ist dieser Gewinn dann doch sehr gering.

Oliver Feldforth (HR, Frankfurt) zur Jahresbilanz der HRE-"Bad Bank"
tagesschau24 14:30 Uhr, 23.04.2013

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tagesschau.de: Was genau sind denn die Aufgaben einer "Bad Bank"?

Feldforth: Damit hat man versucht, im ersten Teil der Finanzkrise strauchelnden Geschäftsbanken wieder auf die Beine zu helfen. Die eigentliche Bank sollte dann mit einem neuen Geschäftsmodell wieder kreditwürdig sein und zu neuen Ufern aufbrechen können. Die "Bad Bank" bekam all die zweifelhaften, "vergifteten" Papiere von der Mutterbank und muss schauen, dass sie diese möglichst kostengünstig und ohne weitere große Verluste Stück für Stück verkaufen kann. Ihr hilft dabei, dass sie andere Bilanzierungsmöglichkeiten hat.

tagesschau.de: Wer trägt das Risiko eines solchen Konstrukts?

Feldforth: Da darf man sich keine Illusionen machen: Letztendlich zahlt der deutsche Steuerzahler. Bei den meisten "Bad Banks" gibt es eine Art Puffer. Das heißt, bis zu einem bestimmten Verlust zahlen die Alteigentümer der Ursprungsbank. Ist diese Schwelle überschritten, bleibt es letztendlich komplett beim Bankenrettungsfonds SoFFin hängen - und hinter dem steht der Steuerzahler.

tagesschau.de: Es hat fünf Jahre gedauert, bis schwarze Zahlen geschrieben wurden. Wie wird es ihrer Einschätzung nach weiter gehen? Ist die Bank auf dem richtigen Weg?

Feldforth: Das ist momentan schwer zu sagen. Am Anfang sagte man, der große Erfolg der "Bad Banks" ist, dass sie keine anderen Banken mit in den Strudel gezogen haben. Inzwischen ist man etwas skeptischer und sagt: Diese Banken kosten viel mehr als erwartet - von Rechtsanwaltskosten über Unternehmensberatungen bis hin zu teuren IT-Lösungen, die nötig sind, um die zweifelhaften Papiere zu separieren. Man ist inzwischen sehr zurückhaltend. Manche Papiere laufen noch bis zu 50 Jahre, wenn man sie nicht vorher veräußert bekommt. Es ist zwar Schlimmes verhindert worden, das kann man sagen. Aber es sind auch hohe Kosten geschaffen worden.

Das Interview führte Kirsten Gerhard, tagesschau24

Stand: 23.04.2013 16:02 Uhr

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