Seitenueberschrift

E.ON und RWE verkaufen britische Atomtochter

"Wir investieren nicht mehr in neue Kernkraftwerke"

Logos der Energiekonzerne E.ON und RWE
galerie

E.ON und RWE verkaufen ihre britische Atomtochter an Hitachi.

Die beiden größten deutschen Energiekonzerne E.ON und RWE verabschieden sich von ihren Plänen zum Bau neuer Atomkraftwerke in Großbritannien. Sie verkaufen ihre eigens zu diesem Zweck gegründete Tochterfirma Horizon Nuclear Power an den japanischen Konzern Hitachi. Der Kaufpreis liegt bei rund 860 Millionen Euro. E.ON und RWE streichen jeweils die Hälfte der Summe ein.

Die beiden Energiekonzerne hatten Horizon Nuclear Power im Jahr 2009 gegründet. Sie wollten von einem milliardenschweren Investitionsprogramm der britischen Regierung für den Bereich der Energieversorgung profitieren und mit Hilfe der Tochterfirma mindestens zwei neue Atomkraftwerke errichten. Dafür waren Ausgaben von etwa 18 Milliarden Euro vorgesehen.

"Keine Investitionen mehr in neue Kernkraftwerke"

Angesichts der Folgekosten des Atomausstiegs in Deutschland rückten E.ON und RWE allerdings im Frühjahr von ihren Plänen ab und entschieden sich für einen Verkauf von Horizon Nuclear Power. Der Bau neuer Atomkraftwerke verschlinge Milliardensummen, dauere viele Jahre und lohne sich bei den gegenwärtigen Strompreisen nicht, sagt etwa RWE-Chef Peter Terium. "Wir werden nicht mehr in neue Kernkraftwerke investieren. Das finanzielle Risiko und die Rahmenbedingungen für Kernkraftwerke können wir uns nicht mehr leisten", fügte er hinzu.

Der Kaufpreis übertraf die Erwartungen von Beobachtern. Analysten schätzen, dass beide Konzerne abzüglich der ursprünglichen Kosten für den Kauf der Flächen, auf denen sie die Meiler errichten wollten, für Gutachten, Rechtsanwälte und den Aufbau der Firma noch jeweils einen Gewinn von rund 100 Millionen Euro einstreichen.

Hitachi startet "Engagement für die nächsten 100 Jahre"

Hitachi stach im Bieterverfahren für das Unternehmen den Technologiekonzern Westinghouse Electric und dessen japanische Mutter Toshiba aus. Der französische Atomkonzern Areva und sein Partner China Guangdong Nuclear Power Holding waren hingegen Anfang Oktober aus dem Rennen ausgestiegen.

Nach Bekanntgabe des Geschäfts kündigte Hitachi an, in Großbritannien zwei bis drei Atomkraftwerke bauen zu wollen. Der erste Meiler mit einer Leistung von 1300 Megawatt könne bis 2025 in Betrieb gehen. "Heute beginnt unser Engagement für die nächsten hundert Jahre in Großbritannien", erklärte Hitachi-Chef Hiroaki Nakanishi. Die Atomkraft sei eine "langfristige, sichere, emissionsarme und günstige Energiequelle".

Stand: 30.10.2012 14:58 Uhr

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

19 Kommentare zur Meldung. Kommentierung der Meldung beendet.

Darstellung: