Hintergrund

Opel-Käufer PSA Vom Abgrund an die Spitze?

Stand: 06.03.2017 12:07 Uhr

Der französische PSA-Konzern möchte mit dem Kauf von Opel zum "europäischen Champion" im Automobilsektor aufsteigen. Dabei stand der Autohersteller noch vor wenigen Jahren kurz vor der Pleite. Wie ist das möglich?

Durch die Übernahme von Opel ist der französische Konzern PSA Peugeot Citroën gemessen an den Absatzzahlen im Jahr 2016 zum zweitgrößten Autobauer Europas geworden. PSA kommt mit Opel/Vauxhall in den 28 EU-Staaten auf mehr als 2.425.000 verkaufte Autos. Laut dem Center of Automotive Management (CAM) entspricht das einem Marktanteil von 16,6 Prozent. Zum Vergleich: Marktführer Volkswagen kam laut CAM auf einen Anteil von 23,9 Prozent.

Global betrachtet ist PSA nicht ganz so bedeutend. Im vergangenen Jahr wäre der Konzern zusammen mit Opel auf einen Gesamtabsatz von knapp 4.126.000 Pkw und leichten Nutzfahrzeugen gekommen. Das entsprach einem Marktanteil 5,3 Prozent und Platz neun in der Liste der absatzstärksten Autobauer.

Französischer Staat und chinesischer Investor als Retter

Der Kauf von Opel kam für viele Experten überraschend, denn noch vor wenigen Jahren stand der PSA-Konzern kurz vor der Pleite: Wegen der europäischen Schuldenkrise waren die Absätze in Südeuropa eingebrochen, PSA rutschte in die roten Zahlen. Daraufhin wurden 800 Stellen gestrichen, eine Fabrik im Norden von Paris musste geschlossen werden. Im April 2014 folgte die Rettung: Der französische Staat und die chinesische Investmentgesellschaft Dongfeng stiegen bei PSA ein und verschafften dem Autohersteller damit frisches Kapital in Höhe von 1,6 Milliarden Euro. Die Gefahr eines Bankrotts war damit gebannt.

Bereits kurz vor der Kapitalspritze bekam der PSA-Konzern einen neuen Chef: Der Portugiese Carlos Tavares übernahm am 1. April 2014 die Konzernführung. Tavares verordnete PSA ein hartes Restrukturierungsprogramm und modernisierte die Produktion. Einen Großteil zum Sparprogramm beigetragen haben die PSA-Mitarbeiter. Zwar verzichtete der Autobauer auf betriebsbedingte Kündigungen. Die Gewerkschaften billigten aber mehrere Vereinbarungen, die die Frühverrentung Tausender Arbeitnehmer und die Auslagerung von Arbeitsplätzen vorsehen. Alleine im Zeitraum von 2017 bis 2019 sollen mehr als 2100 Stellen bei PSA abgebaut werden. Die Gewerkschaften beklagen zudem, dass sich durch den Weggang vieler Mitarbeiter die Arbeitsbedingungen verschlechtert haben.

Der Sanierungsplan ging offenbar auf: 2016 hat PSA seinen Gewinn um 80 Prozent auf 2,15 Milliarden Euro gesteigert. Der Absatz stieg um 5,8 Prozent. Das liegt auch am Iran: Dank der schrittweisen Aufhebung der Sanktionen gegen das Land konnte PSA dort im vergangenen Jahr 233.000 Autos bauen lassen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. März 2017 um 12:30 Uhr in der Wirtschaft.

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