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Arbeitgeber wollen Tarifverträge kündigen
Konfrontationskurs im Einzelhandel
Im Einzelhandel mit seinen 2,7 Millionen Beschäftigten kündigt sich ein überraschender Tarifkonflikt an. Der Handelsverband Deutschland (HDE) teilte mit, bis Mitte des Jahres sämtliche Tarifverträge mit der Gewerkschaft ver.di kündigen. Sie stammten im Kern aus den 50er- und 60er-Jahren, eine Modernisierung sei überfällig, sagte HDE-Tarifgeschäftsführer Heribert Jöris der Nachrichtenagentur dpa. Die Branche wolle "alte Tarifzöpfe" abschneiden.
Jöris sagte weiter, notwendig sei eine neue Definition der Berufe und die entsprechende Eingruppierung. Der Verband wolle sich von der bisherigen Einteilung in Angestellte und gewerbliche Arbeitnehmer verabschieden. Es gehe nicht darum, am Volumen der Löhne und Gehälter etwas zu ändern.
Ziel der Neuverhandlung sei es, Tarifverträge für die Unternehmen attraktiver zu machen, so dass künftig wieder mehr Beschäftigte nach Tarif bezahlt werden. Nach Untersuchungen habe das zuletzt auf die Hälfte der Beschäftigten zugetroffen. Ein weiteres Viertel arbeite in Unternehmen, die die Regeln des Tarifvertrags oder große Teile davon im Arbeitsvertrag vereinbaren. Nach HDE-Angaben bemühten sich beide Seiten seit den 90er-Jahren um eine einvernehmliche Lösung. Ver.di sei im vergangenen Sommer nach zehn Jahren aus einer gemeinsamen Arbeitsgruppe ausgestiegen.
Ver.di: "Generalangriff auf die Tarifverträge"
Ver.di-Sprecherin Christiane Scheller sagte, die Gewerkschaft sehen das "als einen Generalangriff auf die Tarifverträge". Damit werde der Verdrängungswettbewerb im Einzelhandel weiter angeheizt.
Mit diesem Vorhaben gefährde die Unternehmerseite die Existenzsicherung und wesentlichen Schutzregelungen für die Beschäftigten im Einzelhandel, erklärte ver.di. Die Entscheidung habe dramatische Auswirkungen auf die Beschäftigten.
Stand: 24.01.2013 21:30 Uhr
