Großbritannien nach dem Gipfel Das Wohl der Londoner Finanzwelt fest im Blick

Stand: 09.12.2011 17:29 Uhr

War das Nein der Briten beim EU-Gipfel ein erster Schritt zum Austritt aus der EU? Die Regierung in London versucht zu beruhigen, betont aber zugleich, dass sie bei allen Entscheidungen vor allem das Wohlergeben des britischen Finanzsektors im Blick hat. Doch in den Medien gibt es durchaus kritische Töne.

Von Barbara Wesel, RBB-Hörfunkkorrespondentin London

Auch wenn sie nun als die katastrophalen Störenfriede in der EU dastehen, keiner schlägt die Briten beim Humor. BBC-Moderator Simon McCoy etwa wundert sich über die Haltung seines Landes in Nacht von Donnerstag auf Freitag: "Ist Premier Cameron nicht wie ein Mann, der zu einer Swinger-Party geht, wo die Frauen getauscht werden, aber ohne seine Frau überhaupt mitzunehmen?" Andere sprechen über Rettungsboote, wo einer mit der Pistole beim Kapitän die Sitzordnung ändern will.

Großbritannien und Europa: Ist das der Anfang vom Ende?
B. Wesel, RBB London
09.12.2011 16:21 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Harte Sprüche gelten als normal

Der Morgen danach bringt auch in Großbritannien selbst konsternierte Gesichter hervor. Dass Premier David Cameron sich vor dem Gipfeltreffen mit harten Sprüche über die Wahrung des nationalen britischen Interesses profilieren würde, gilt als normal - das gehört hier seit jeher zur Begleitmusik.

Cameron beim EU-Gipfel | Bildquelle: dapd
galerie

Betont beim Gipfel das nationale Interesse der Briten, fürchtet aber ein Referendum: Premier Cameron.

Und schließlich weiß jeder, dass er über 80 Europa-Gegner in den Reihen seiner konservativen Parlamentsfraktion im Nacken hat; Leute wie den Abgeordneten Douglas Carswell, der unbedingt ein Referendum über Großbritannien in der EU abhalten will. "Die Mehrheit im Land ist für ein Referendum, um einen neuen Vertrag mit Europa zu verhandeln, eine Neuordnung, eine grundlegende Veränderung in der Dynamik zwischen Großbritannien und dem Rest der EU", so Carswell.

Cameron fürchtet Referendum

Dieses Referendum fürchtet Premier Cameron wie der Teufel das Weihwasser, weil er glaubt, dass dabei eine Mehrheit für den britischen Austritt zustande kommen könnte. Den will er aber auch nicht. Der Premier kennt durchaus die Vorteile, die sein Land von der EU-Mitgliedschaft hat. Was er aber will, ist selbst quasi die Regeln umschreiben, nach denen er mitspielt - und da geht es vor allem um den Finanzdistrikt in London.

"Wenn man eine Liste der ganz wichtigen Entscheidungsgründe für Großbritannien macht, dann steht die Gesundheit unseres Finanzsektors ganz weit oben", erklärt Außenminister William Hague am Tag danach. Seine Aufgabe heute scheint, Schockreaktionen in lauwarmem Wasser aufzulösen, nach der Devise: Es hat nicht soviel zu bedeuten, wenn die Briten bei den neuen Vereinbarungen nicht dabei sind. Es gebe verschiedene Gruppen in der EU die in Bereichen zusammen arbeiten, wie etwa Schengen, sagt er. "Das ist nichts Neues, dass einige etwas vereinbaren und andere beiseite stehen."

Reaktionen auf die Beschlüsse des EU-Gipfels
EinsExtra 12:00 Uhr, 10.12.2011, Florian Eckardt, DW

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

"Ich glaube, es würde viel schwerer für uns"

Schriftzug der Londoner Börse | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
galerie

Die Regierung will den Finanzsektor schützen, doch Experten warnen vor negativen Konsequenzen.

Nur dass es diesmal nicht um ein Grenzkontrollabkommen oder Arbeitszeitregeln geht, sondern um die Zukunft der Europäischen Union an sich. Und die Frage ist schlicht: Ist das der Anfang vom Ende, kommt als Nächstes der Austritt von Großbritannien aus der EU? Wenn auch einige hier diese Idee schon bejubeln, warnen andere vor den Konsequenzen - so etwa Simon Tillford vom Centre for European Reform: "Ich glaube, es würde viel schwerer für uns. Wir sind eine Handelsnation und ein großer Teil der Investitionen hier hängt von der Mitgliedschaft in der EU ab. Ich denke nicht, dass die Lichter ausgehen würden, aber es gäbe weit reichende wirtschaftliche Folgen - und wir reden noch nicht über die politischen. Wir hätten faktisch keinen Einfluss mehr auf die Spielregeln in unserem Teil der Welt", warnt Tillford.

BBC-Politik-Kommentator Nick Robinson geht noch einen Schritt weiter. "Wo werden wir im nächsten Jahr stehen?", fragt er und liefert die Antwort direkt hinerher: "In einem ziemlich gespannten Verhältnis mit dem neuen Club!" Und das Problem dabei sei, dass Europa nie durch Regeln und Institutionen allein funktioniert habe. "Es geht um eine geteilte Vision, Kultur und das Geschichtsverständnis - und da sind wir jetzt raus".

Darstellung: