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Der Sparkurs ihres Landes treibt viele Griechen auf die Straße - und in die Arbeitslosigkeit. Fast 17 Prozent haben keinen Job, Tendenz steigend. Die Initiative "Sonderpreise für Arbeitslose" soll den Betroffenen aus der größten Not helfen. Viele Geschäfte machen mit.
Von Steffen Wurzel, ARD-Hörfunkstudio Istanbul, zurzeit in Athen
Die Metzgerei von Giorgios Mandalaras ist ein bescheidenes Geschäft. Ein kleiner Verkaufsraum mit einer Theke und einem Regal mit Wurstspezialitäten - sonst nichts. Der 42-jährige Giorgios macht mit seinem Laden zwar keine riesigen Gewinne, trotzdem ist er bei der Initiative "Sonderpreise für Arbeitslose" dabei. In seinem Schaufenster hängt ein großes Plakat mit dem Logo der Aktion. "Meine arbeitslosen Kunden zeigen mir ihren entsprechenden Ausweis und dann bekommen sie zehn Prozent Rabatt auf den kompletten Einkauf. Jedes Unternehmen kann ja selbst entscheiden, wie viel es gibt. Und bei mir sind es eben zehn Prozent."
Dank der Kampagne können inzwischen in ganz Griechenland Arbeitslose bei den unterschiedlichsten Firmen und Betrieben günstiger einkaufen oder Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Zehn Prozent Rabatt beim Metzger um die Ecke, 15 Prozent beim Buchhändler, 20 Prozent beim Frisör - das läppert sich. Sogar große Telefonkonzerne, Supermarktketten und Sprachschulen machen inzwischen mit. "Eine super Sache", freut sich Filippos. Er ist Kunde bei Metzger Mandalaras - und arbeitslos. "Jede Hilfe ist willkommen. Gerade jetzt, in Zeiten der Krise!"
Was vor einigen Wochen klein anfing, ist inzwischen zu einer großen Kampagne geworden. Ausgedacht hat sich das Ganze die griechische Arbeitsagentur OAED. "Mehr als 1000 Unternehmen und Läden im ganzen Land machen inzwischen mit", berichtet OAED-Präsident Ilias Kikilias. "Sie bieten eine große Spanne von Produkten und Dienstleistungen billiger an." Und jedes Unternehmen könne selbst entscheiden, was für Rabatte es genau anbieten will.
"Das ist eine gute Art und Weise, wie ich Arbeitslosen konkret helfen kann", sagt Metzger Mandalaras. "Denn sie brauchen ja nicht nur Arbeit, sondern auch günstige Preise, um über die Runden zu kommen. Deswegen mache ich bei der Sache gerne mit."
[Bildunterschrift: Aufgebrachte Menschen demonstrieren in Athen gegen die Sparmaßnahmen ihrer Regierung. ]
Was die Arbeitslosen durch die Aktion sparen, ist die eine Sache. Viel wichtiger dürfte jedoch die Symbolik sein, die dahinter steckt. Denn die Initiative sorgt bei vielen Betroffenen für das Gefühl, dass ihre Lage ernst genommen wird. Von der Regierung können Arbeitslose in Griechenland ohnehin nicht viel erwarten. Geld vom Staat gibt es nur für maximal ein Jahr, danach ist Schluss. Kein Wunder also, dass vielen Arbeitslosen in Griechenland das Geld hinten und vorne nicht reicht. So wie bei diesem Athener: "Selbst wenn man mir 50 Prozent Rabatt gibt - ich brauche trotzdem Geld, um einzukaufen. Aber die Idee dieser Initiative, die ist natürlich sehr gut."
Der Präsident der Arbeitsagentur freut sich ebenfalls über den Erfolg. Stolz berichtet er, dass er inzwischen fast täglich Post von Menschen bekommt, die sich für die Rabattaktion bedanken. "Ich möchte Ihnen danken für Ihre Initiative", zitiert Kikilias aus einer Mail einer Betroffenen. Und weiter schreibt sie: "Ich hätte nicht erwartet, dass mir der Besuch der Sprachschule so helfen würde. Sie denken tatsächlich an uns und deshalb danke ich Ihnen."
Metzger Mandalaras schätzt, dass inzwischen jeder Fünfte seiner Kunden den Arbeitslosenrabatt bekommt. Er habe durch die Aktion sogar neue Stammkunden gewonnen, sagt er. Und nicht nur die wissen die Initiative zu schätzen, sondern offensichtlich auch fremde Leute. "Es kam schon vor, dass Leute hier mit dem Motorrad vor mein Geschäft gefahren sind und hereingerufen haben: 'Hey! Tolle Sache, gute Idee!' Immer wieder passieren solche lustigen Sachen."
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