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Die griechische Regierung will dem Streik der Lkw-Fahrer nicht länger tatenlos zusehen: Sie schickt ab sofort das Militär los, um die Tankstellen mit Treibstoff zu versorgen. Denn die sitzen auf dem Trockenen - und mit ihnen viele Urlauber. Besonders angespannt ist die Situation offenbar auf den Inseln.
Von Ulrich Pick, ARD-Hörfunkstudio Istanbul
[Bildunterschrift: Seit Tagen stehen die Tanklaster in Griechenland still. Den Tankstellen geht mittlerweile der Sprit aus. ]
Nach tagelangen Streiks der Tank- und Lastwagenfahrer hat die griechische Regierung angekündigt, dass sie jetzt hart durchgreifen will. Wie Transportminister Dimitris Reppas gestern Abend nach einer Kabinettssitzung erklärte, soll das Militär mit eigenen Tankwagen in die Raffinerien fahren und dann die Tankstellen des Landes mit Treibstoff versorgen. Zudem soll alles unternommen werden, um die Dienstverpflichtung, die die Regierung am Mittwoch gegenüber den Streikenden erlassen hat, auch durchzusetzen.
Unterdessen ist es zu ersten Ausschreitungen zwischen der Polizei und streikenden Tankwagenbesitzern gekommen. Letztere hatten in der Nähe von Thessaloniki mit ihren Wagen die Zufahrt zu einer Raffinerie blockiert und weigerten sich, diese freizugeben. Bei der Auseinandersetzung gab es auch Verletzte.
Zuvor hatte sich die Situation an den griechischen Tankstellen weiter zuspitzt. Durch den Streik, der seit Montag anhält, gibt es an der Ägäis kaum noch Benzin - besonders in den ländlichen Gebieten sowie auf den Inseln. "Bei uns ist es im Moment so, dass jeden Tag eine Tankstelle für eine Stunde oder anderhalb ein bisschen Benzin hat. Da sind dann Schlangen mit 150 Autos. Und wer vorne in der Schlange steht, bekommt etwas. Und der Rest geht leer aus", erzählt eine Deutsche, die auf der Halbinsel Peleponnes lebt.
[Bildunterschrift: Streikende Lkw-Fahrer marschieren zum griechischen Parlament. ]
Gestern Nachmittag hatten sich nach einer mehrstündigen Sitzung und einer anschließenden Abstimmung die griechischen Tank- und Lastwagenfahrer dafür ausgesprochen, ihren Streik fortzusetzen. Sie protestieren gegen die von der Europäischen Union verordnete sogenannte "Öffnung geschlossener Berufe". Konkret wollen sie verhindern, dass es künftig in ihrem Gewerbe keine feste Zahl an Lizenzen mehr gibt, und - wie es die griechische Regierung plant - jeder Besitzer eines Lkw-Führerscheins als Lastwagenfahrer arbeiten darf. Dadurch, so befürchten sie, würde nämlich die Konkurrenz größer und ihr Einkommen kleiner.
Wann der Streik zu Ende geht, weiß momentan allerdings niemand. Möglicherweise könnte sich die Lage an diesem Wochenende sogar noch weiter zuspitzen. Betroffen sind vor allem Betreiber von Mietwagenstationen: "Kunden rufen hier an und sagen: Wir können nirgends tanken! Wir sind mit dem Auto steckengeblieben. Wir lassen den Wagen jetzt hier vor der Tankstelle stehen, Schlüssel steckt - wir kommen jetzt mit dem Taxi zurück", berichtet ein Betreiber einer Mietwagenstation.
[Bildunterschrift: Nichts geht mehr: Den meisten Tankstellen in Griechenland geht das Benzin aus. ]
Glaubt man griechischen Medien, haben mittlerweile hunderte Urlauber ihre Mietautos stehen gelassen, weil ihnen der Treibstoff ausgegangen ist. Zudem, so heißt es, in den Supermärkten seien die Obst- und Gemüseregale weitgehend leergekauft. Nach Angaben von Tourismusverbänden müssen darüber hinaus zehntausende Urlauber in Hotels und auf Campingplätzen ausharren, weil sie mangels Sprit nicht mehr wegkommen.
Ob diese Angaben allerdings stimmen oder vielleicht doch übertrieben sind, lässt sich zur Stunde nur schwer kontrollieren. Otto Saalmann von der ADAC-Zentrale in München sagte jedenfalls gestern Abend gegenüber der ARD: "Derzeit sieht es eigentlich noch ganz gut aus. Von unseren Mitgliedern kommen kaum Anfragen rein bezüglich der Spritsituation. Auch bei der Notrufstation in Athen ist kaum etwas aufgelaufen. Es sieht so aus, als seien in den Städten noch genügend Tankstellen offen." Angespannter sei die Situation auf dem Land und auf den Inseln. "Kreta scheint schon kritisch zu sein. Aber vielleicht löst sich das alles sehr wieder in Wohlgefallen auf", so Saalmann.
Sollte die Regierung wirklich damit beginnen, wie angekündigt, das Militär einzusetzen, um die Versorgungsengpässe zu beheben, könnte der heutige Samstag einen Wendepunkt darstellen.
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