Griechenland: Schuldenrückkauf offenbar erfolgreich

Ultimatum statt Hilfsmilliarden

Schuldenrückkauf offenbar erfolgreich

Griechenland atmet vorsichtig auf

Es war eine weitere Schicksalsfrage für Griechenland: Wird das Schulden-Rückkauf-Programm ein Erfolg? Denn nur dann darf die Regierung in Athen mit weiteren internationalen Finanzhilfen rechnen. Nun melden griechische Medien übereinstimmend: Es ist gelungen. Freuen dürften sich auch viele Hedgefonds-Anleger.

Von Thomas Bormann, ARD-Hörfunkstudio Istanbul, zzt. Athen

Die griechische Regierung macht es mal wieder spannend. Sie hat bislang noch nicht mitgeteilt, ob das Schulden-Rückkauf-Programm erfolgreich war oder nicht. Fernseh- und Radiosender und auch Zeitungen in Griechenland melden jedoch übereinstimmend, dass das Programm offenbar gelungen ist. Demnach haben sich genügend Besitzer von alten griechischen Staatsanleihen bereit erklärt, diese zu etwa einem Drittel ihres Nennwerts an den griechischen Staat zurück zu verkaufen. Gestern Abend war die Frist abgelaufen, bis zu der die Anleger wie Banken oder Hedgefonds ihre Verkaufsabsicht erklären mussten.

Griechischer Schuldenrückkauf

Die Regierung in Athen will eigene Staatsanleihen zurückkaufen, um damit die überhöhte Schuldenquote zu drücken. Wie die zuständige Behörde PDMA mitteilte, wurden den Haltern verschiedener Staatspapiere mit langen Laufzeiten Angebote von 30,2 bis 40,1 Prozent des ursprünglichen Werts gemacht. Sie läuft als "modifizierte holländische Auktion": Wer am wenigsten für seine Anleihen verlangt, erhält am ehesten den Zuschlag. Die Offerte endete am 11. Dezember.

Schuldenberg soll um 20 Milliarden Euro schrumpfen

Mit dem Programm will Griechenland seinen Schuldenberg auf einen Schlag um 20 Milliarden Euro verringern. Dazu bekommt Griechenland einen Kredit aus dem Rettungsschirm in Höhe von zehn Milliarden Euro und kann damit alte, eigene Staatsanleihen mit einem Nennwert von 30 Milliarden Euro zurückkaufen, weil diese im Wert drastisch gesunken sind.

Allein griechische Banken halten solche Papiere mit einem Gesamt-Nennwert von etwas mehr als 15 Milliarden Euro. Die großen griechischen Banken hatten gestern am späten Nachmittag bekannt gegeben, dass sie sich am Rückkauf-Programm beteiligen werden. Allerdings ließen sie zunächst noch offen, ob sie alle Papiere verkaufen wollen oder nur einen Teil. Nach Informationen griechischer Zeitungen wollen Anleger aus dem Ausland alte Staatsanleihen mit einem Nennwert von 15 bis 16 Milliarden Euro verkaufen. Insgesamt wären dann also die 30 Milliarden erreicht, wenn die griechischen Banken ihre Papiere vollständig verkaufen.

Schuldenrückkaufprogramm in Griechenland offenbar erfolgreich
T. Bormann, ARD Istanbul
08.12.2012 12:54 Uhr

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Viele Hedgefonds profitieren

Für die meisten ausländischen Anleger ist das Rückkauf-Programm ein lohnendes Geschäft. Unter diesen Anlegern sind Hedgefonds, die erst nach Ausbruch der Krise griechische Staatsanleihen gekauft hatten. Manche von ihnen hatten nur 17 Euro oder weniger für Anleihen mit einem Nennwert von 100 Euro bezahlt; diese können sie nun etwa zum doppelten Preis zurückverkaufen.

Insgesamt hat Griechenland derzeit Schulden in Höhe von 300 Milliarden Euro. Wenn dieses Rückkauf-Programm erfolgreich ist, sinkt der Schuldenberg um 20 Milliarden auf 280 Milliarden, immer noch erdrückend viel. Ein Erfolg des Rückkauf-Programms ist die Voraussetzung dafür, dass Griechenland weitere Hilfen von den anderen Euro-Ländern und dem Internationalen Währungsfonds bekommt. Am kommenden Donnerstag wollen die Euro-Finanzminister erneut zusammenkommen und entscheiden, ob sie neue Hilfskredite für Griechenland freigeben.

Dieser Beitrag lief am 8. Dezember 2012 um 12:39 Uhr im Deutschlandfunk.

Stand: 08.12.2012 12:38 Uhr

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