Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
In Griechenland streiken die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes gegen die geplante Entlassungswelle. Der Flugverkehr wurde lahmgelegt, Behörden und Schulen sind geschlossen. Doch die Mehrheit der Griechen beteiligt sich nicht am Streik. Sie unterstützt den Stellenabbau.
Von Steffen Wurzel, ARD-Hörfunkstudio Istanbul, zzt. Athen
Eine Gruppe von Demonstranten zieht über eine große Kreuzung in der Athener Innenstadt. An den Protesttransparenten ist zu erkennen: Es sind Mitglieder der Gewerkschaft des staatlichen Stromanbieters. Viele von ihnen haben Angst, im Zuge der geplanten Entlassungswelle im Öffentlichen Dienst ihren Job zu verlieren. Kurz nachdem die 200 bis 300 Demonstranten die Kreuzung hinter sich gelassen haben, gibt ein Verkehrspolizist die Kreuzung wieder frei.
[Bildunterschrift: Demonstranten vor dem Parlament in Athen ]
In der Athener Innenstadt bietet sich heute ein kurioses Bild. Einerseits wird auf vielen Plätzen demonstriert. Insgesamt sind mehrere Tausend Menschen auf die Straße gegangen. Andererseits herrscht vielerorts business as usual. Viele Menschen erzählen heute den Klassiker unter den Beamten-Witzen: Wenn, wie heute, die Beamten streiken, merkt man das kaum, denn die Beamten arbeiten ja sowieso nie.
"In unserem Team streiken wir abwechselnd", sagt diese Sozialarbeiterin. Sie betreut in einer staatlichen Einrichtung Drogensüchtige. "Wir können gar nicht alle auf einmal streiken, die Junkies brauchen uns immer, deswegen können wir unsere Einrichtung nicht ganz dicht machen. Das wäre unmoralisch."
[Bildunterschrift: Auf dem Athener Flughafen geht nichts mehr, weil auch die Fluglotsen die Arbeit niedergelegt haben. ]
Die Arbeit niedergelegt haben heute vor allem Griechen, die in Ämtern, Ministerien und Behörden arbeiten. Auch die Schulen sind geschlossen. Ärzte in staatlichen Krankenhäusern behandeln nur Notfälle. Bis Mitternacht Ortszeit werden landesweit keine Flugzeuge starten und landen, denn auch die Lotsen haben die Arbeit niedergelegt. Von einem Generalstreik kann allerdings nicht die Rede sein, denn die meisten Geschäfte in den größeren Städten des Landes haben geöffnet. In Athen fahren außerdem Taxis und die U-Bahn ganz normal. Aus Angst vor Ausschreitungen nach den Demos hat die Polizei starke Einheiten im Zentrum Athens zusammengezogen.
Aufgerufen zum heutigen Streiktag haben die beiden großen Gewerkschaftsverbände des Landes. Sie protestieren dagegen, dass die Regierung zehntausende Staatsangestellte entlassen will. Einer repräsentativen Umfrage zufolge begrüßt eine Mehrheit der Griechen diesen Schritt ausdrücklich. Trotzdem: Viele Menschen haben Verständnis für die Sorgen derjenigen, die schon bald entlassen werden sollen.
"Bei denen, die über 60 sind, okay. Aber die unter 50-Jährigen, was sollen die machen? Wo sollen die eine neue Arbeit finden?", hört man, wenn man nachfragt. "Warum hat man die ganzen letzten Jahre nichts getan? Mussten unseren Politikern erst die Troika-Kontrolleure sagen, was zu tun ist? Eine Schande ist das."
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW