Troika drängt Griechen zu Massenentlassungen

Griechenland

Troika in Athen

Kredite nur gegen Kündigungen

Bei ihrem aktuellen Besuch in Griechenland drängt die Troika auf die nächste Kündigungswelle im öffentlichen Dienst. Viele Menschen befürchten ein Horroszenario und protestieren. Finanzminister Stournaras bezog in dieser Frage eine Position, die den Euro-Partnern nicht gefallen wird.

Von Reinhard Baumgarten, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Der griechische Staatsapparat muss reorganisiert und effizienter werden. Mit dieser Kernbotschaft ist die sogenannte Troika nach Athen gekommen. Vertreter der EU, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds haben zudem eine zentrale Forderung: weiterer Stellenabbau im öffentlichen Sektor. In griechischen Medien ist die Rede von insgesamt 25.000 Jobs, die noch in diesem Jahr eingespart werden sollen.

Troika dringt auf Stellenabbau
R. Baumgarten, ARD Athen
04.03.2013 14:18 Uhr

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Die Vertreter der Troika sprachen am Abend zwei Stunden mit Finanzminister Giannis Stournaras. Das Treffen habe in einem guten Klima stattgefunden. Neben dem Stellenabbau sei es um die Bekämpfung der Steuerflucht und den Fortgang der Privatisierungen gegangen, hieß es aus Kreisen des Ministeriums.

Regierung stemmt sich gegen weiteren Jobabbau

Lehrer und Studenten demonstrieren gegen die Einschnitte im griechischen Bildungssystem (Bildquelle: AP/dpa)
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Gegen den geplanten Stellenabbau gingen am Wochenende Tausende Lehrer und Studenten auf die Straße.

Die Troika wird in den kommenden Tagen prüfen, inwieweit Athen den Auflagen internationaler Geldgeber nachgekommen ist. Gegenüber der Sonntagszeitung "To Vima" schloss Finanzminister Stournaras weitere Entlassungen aus. Er begründete das damit, dass der öffentliche Dienst Griechenlands in den vergangenen eineinhalb Jahren schon um 75.000 Beschäftigte verkleinert worden sei. Bis zum Jahr 2015 sollen laut Troika aber rund 150.000 Stellen im öffentlichen Sektor abgebaut werden.

Dagegen regt sich Widerstand. Am Wochenende gingen Tausende Lehrer und Studenten in Athen auf die Straße. Es drohe die totale Zerstörung, das Ende der freien Erziehung in öffentlichen Schulen, sagt die Grundschullehrerin Dina Reppa. "Wir lassen das nicht zu. Sie machen das schon im Gesundheits- und Sozialsystem sowie beim öffentlichen Transport."

"Das Schlimmste steht uns noch bevor"

Der 25-jährige Student Stratos Katselis klagt: "Wir haben Angst, von der Uni zu fliegen." Es sei sehr schwer gewesen, überhaupt rein zukommen. "Und jetzt wissen wir nicht, ob wir einen Abschluss und anschließend einen Job kriegen, oder ob wir immer auf die Unterstützung unsre Eltern angewiesen sein werden. Kein junger Mensch kann für die Zukunft planen. Wir sehen nur Sackgassen und Dunkelheit. Und das Schlimmste steht uns noch bevor."

Vom Urteil der Troika hängt ab, ob Athen die nächste Rate von 2,8 Milliarden Euro ausgezahlt bekommt. EU, IWF und EZB schnürten für Griechenland zwei große Hilfspakete über insgesamt 240 Milliarden Euro, die mit strengen Spar- und Reformauflagen verknüpft sind. In Griechenland kletterte die Arbeitslosigkeit mittlerweile auf 27 Prozent. Mehr als 60 Prozent der jungen Leute sind ohne Job.

Dieser Beitrag lief am 04. März 2013 um 13:52 Uhr im Deutschlandfunk.

Stand: 04.03.2013 11:42 Uhr

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