Ein Smartphone mit der App des neuen Bezahldienstes Google Pay liegt auf dem Tresen eines Cafes. | Bildquelle: dpa

Bezahldienst Google Pay "Kleiner Anfang" vom Ende des Bargelds?

Stand: 26.06.2018 19:08 Uhr

Mit Google Pay ist nun auch in Deutschland das Bezahlen mit dem Handy möglich. Experten beobachten den neuen Dienst mit Interesse, sind aber in Sachen Datenschutz skeptisch.

Von Sandra Tzschaschel, HR

Den Deutschen wird ein Hang zum Bargeld nachgesagt. Während Kunden in Schweden, Dänemark und in den Niederlanden im Geschäft oder Restaurant kontaktlos mit Kreditkarte oder Handy bezahlen können, werden hierzulande Scheine gezückt und das Münzgeld sortiert.

103 Euro hat jeder Deutsche im Schnitt in der Hosen- oder Handtasche dabei. Keine Ausnahme in Europa und der Welt, erinnert Professor Jürgen Moormann von der Frankfurt School of Finance & Management. Österreich, Schweiz und Japan, überall ist der Bargeldanteil ähnlich hoch. Dieser gehe zwar zurück, aber langsam, etwa zwei Prozent im Jahr. 80 Prozent der Zahlungen werden mit Bargeld ausgeführt.

Deutschland hat mit der Girokarte seit Jahrzehnten ein hocheffizientes System an Kartenzahlung. Ein einfaches, preiswertes Verfahren, das inzwischen überall akzeptiert wird.

Ein Android-Handy wird an ein Lesegerät gehalten, um mit Google Pay zu bezahlen. | Bildquelle: obs
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Zum Zahlen mit Google Pay hält man das Smartphone an ein Lesegerät an der Kasse.

Durchbruch für das Zahlen mit dem Handy?

Google baut nun darauf, dass sich das Bezahlen per Smartphone hierzulande durchsetzen könnte. Der Internet-Konzern hat deshalb seinen Bezahldienst Google Pay auch in Deutschland gestartet. Moormann sagt: "Google Pay ist ein kleiner Anfang. Die Mühlen mahlen langsamer als manche glauben. Der Kreis der teilnehmenden Banken ist zu gering, um eine große Breitenwirkung zu entfalten."

Ein Smartphone mit dem Google-Betriebssystem Android ersetzt bei Google Pay die Kreditkarte. Zum Zahlen hält man das Smartphone an ein Terminal an der Ladenkasse. Ein Großteil der Kassen in Deutschland wurde bereits mit der dafür erforderlichen Technik ausgestattet. Auch bei Online-Käufen oder in Apps ist Google Pay künftig möglich.

Professor Andreas Hackethal von der Frankfurter Goethe Universität glaubt, der Faktor Bequemlichkeit sei für den Durchbruch am Ende entscheidend. Karte, Bargeld oder Handy: Die NFC-Technologie gebe es schon seit mehreren Jahren. Interessant werde es für den Kunden, wenn er mehrere Angebote in seinem Google-Account bündeln könne, so der Bankenexperte: Rabattkarten, Punkte sammeln, Clubmitgliedschaften - alles vereint an der Kasse via Smartphone.

Wie funktioniert Google Pay?

Bezahlt wird mit dem Handy und der Google-Pay-App an der Ladenkasse. Das Smartphone muss das Google-Betriebssystem Android der Version 5.0 oder höher verwenden. Denn dieses nutzt die Nahfeldkommunikation (NFC) und kann sich mit einer entsprechenden Kasse verbinden. Kunden müssen weder ihre Karten-Pin verwenden noch einen Beleg unterschreiben. Erst bei Beträgen über 25 Euro muss die Gerätesperre deaktiviert werden. Nutzer müssen in der App eine Kreditkarte hinterlegen. Partner sind derzeit Mastercard und Visa, die Commerzbank, Comdirekt sowie die Online-Banken N26 und Boon.

Noch mehr Daten beim Technologieriesen?

"Eigentlich braucht das kein Mensch", sagt Moormann und meint damit die Weitergabe von noch mehr Daten, die freiwillig und zentral gespeichert auf Plattformen von US-Technologiekonzernen landen. Google wolle vordergründig in Deutschland Marktanteile vor dem Rivalen Apple sichern. Aber im Kern bleibe die spannende Frage, was Google mit den Daten über das Kaufverhalten macht.

Dies sieht auch Hackethal so. "Was Google mit den Daten über mein Kaufverhalten und mein Zahlungsverhalten macht, bleibt die spannende Frage. Je mehr Google über mich weiß, desto zielgenauer kann ich angesprochen werden."

Größter deutscher Bankpartner für Google Pay ist die Commerzbank. Sie will Daten nur zur Identitätsprüfung und zur Transaktionsabwicklung weitergeben. Darüber hinaus, etwa für Werbezwecke oder zum Weiterverkauf, dürfe Google die Daten nicht nutzen, so das Unternehmen. Die Anforderungen der europäischen Datenschutz-Grundverordnung blieben gewahrt.

"Google könnte eine künftige Bank sein"

Google baut weiterhin eine Plattform auf, auf der unser ganzes Leben stattfindet. Gmail, Maps, Street View und YouTube - und jetzt auch noch Bankgeschäfte? "Am Ende könnte Google eine künftige Bank sein", glaubt Moormann. Bei den finanziellen Mitteln, über die der Internet-Konzern verfügt, sei vieles vorstellbar.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. Juni 2018 um 12:00 Uhr.

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