Google hilft Verlagen

Abschied von "First-Click-Free"

Stand: 02.10.2017 15:01 Uhr

Bislang mussten Verlage eine bestimmte Anzahl von Texten umsonst zur Verfügung stellen, um bei Google aufgelistet zu werden. Von diesem "First-Click-Free"-Prinzip hat sich der US-Konzern nun verabschiedet. Kostenfreie Artikel dürften damit seltener werden.

Google will Verlagen dabei helfen, im Internet mehr Geld mit Bezahlinhalten zu verdienen. Dafür verabschiedet sich Google von seiner sogenannten "First-Click-Free"-Richtlinie, nach der Medienhäuser zur Auflistung ihrer Artikel in der Suchmaschine bislang drei Artikel kostenlos zur Verfügung stellen müssen.

Stattdessen soll es nun ein Modell mit "flexiblen Leseproben" geben. Dabei sollen die Verlage selbst entscheiden, wie viele Artikel sie potenziellen Abonnenten kostenlos bereitstellen und ab wann sie ihre Inhalte hinter eine Bezahlschranke setzen.

"Gemeinsame Sache"

Google und die Medienhäuser stünden für eine "gemeinsame Sache", sagte Google-Vizechef Philipp Schindler. "Unsere Nutzer schätzen qualitativ hochwertigen Journalismus".

Bislang gebe es "positive" Reaktionen, sagte Google-Manager Richard Gingras - auch wenn noch unklar sei, wie viele Medien nun eine sofortige Bezahlschranke für ihre Inhalte einführen. Google selbst empfahl den Medienhäusern, monatlich etwa zehn Artikel kostenlos zur Verfügung zu stellen, um potenzielle Abonnenten zu überzeugen - bislang waren 90 Texte pro Monat das von Google vorgegebene Minimum.

Neue Abo-Modelle

Außerdem will Google den Verlagen bei der Entwicklung neuer Abo-Modelle und beim Erschließen neuer Zielgruppen unter die Arme greifen. "Unsere Absicht ist es, so großzügig wie möglich zu sein", erklärte Gingras.

Für Verlage stellen Abonnements laut Google eine "immer wichtigere Erlösquelle" dar.

Untersuchungen hätten zwar ergeben, dass immer mehr Menschen zum Abschluss eines solchen Abonnements bereit seien. Gleichwohl würden viele Nutzer "durch den manchmal umständlichen Vorgang bei der Anmeldung abgeschreckt", schrieb Gingras in einem Blogeintrag.

Zeitungsverleger erfreut

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) nahm den Vorstoß von Google positiv auf. Die Ankündigung des US-Internetriesens, jetzt mit den Verlagen an Modellen für kostenpflichtige Inhalte zu arbeiten, sei "erfreulich und ermutigend", sagte BDZV-Präsident Mathias Döpfner in Berlin.

BDZV-Präsident Döpfner begrüßt Googles Vorstoß, auch wenn die konkrete Umsetzung noch ausstehe und Details noch zu klären seien.

Das Verhältnis zwischen Google und einzelnen Verlagen war in der Vergangenheit immer wieder durch Spannungen und Konflikte geprägt. So versucht in Deutschland eine Gruppe von Verlagen über die Verwertungsgesellschaft VG Media den US-Konzern zu Zahlungen an die Inhalte-Anbieter zu zwingen.

Facebook & Google als Platzhirsche

Weltweit stellt die Transformation ins Digitalzeitalter viele Medienhäuser vor Probleme. Einer Schätzung des Marktforschungsinstitutes eMarketer zufolge streichen im Jahr 2017 allein die US-Konzerne Google und Facebook 63 Prozent der im Internet erzielten Werbeerlöse ein.