Präsentation eines Google Pixel | Bildquelle: AFP

Präsentation des Pixel 2 Google setzt auf künstliche Intelligenz

Stand: 05.10.2017 05:33 Uhr

Mit dem Pixel 2 hat Google nicht einfach nur ein neues Smartphone präsentiert. Deutlich wird: Der Konzern setzt in diversen Produkten auf künstliche Intelligenz. Eine Kampfansage an die Konkurrenten.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Zwei Dinge wurden bei der Veranstaltung von Google deutlich: Das Suchmaschinen-Unternehmen meint es mit seiner Hardware-Sparte ernst. Es will fester Bestandteil unserer Haushalte werden, und dazu braucht es mehr als nur ein Smartphone.

Die zweite wesentliche Neuerung: Google treibt das Thema künstliche Intelligenz voran wie kein anderes Unternehmen auf der Welt. Man sei sich mit diesem Ansatz sehr sicher, sagt Google-Chef Sundar Pichai. Man begreife sich als führende Kraft auf diesem Gebiet.

Überall künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz steckt in allen Geräten, die Google in San Francisco vorstellte. Vom Lautsprecher über die Mini-Kamera bis hin zum Notebook. Im Zentrum stehen jedoch die beiden neuen Smartphones. Ihr Name: Pixel 2 beziehungsweise Pixel 2 XL, das einen großen 6-Zoll-Bildschirm hat. Anders als Apple setzt Google weiter auf einen Fingerdrucksensor statt einer Gesichtserkennung, außerdem verzichtet man auf kabelloses Laden. Das ist mit der Schnellladefunktion auch nicht wirklich nötig.

Ansonsten handelt es sich bei den beiden neuen Telefonen um grundsolide Smartphones, die technisch gesehen zum Spitzenfeld gehören - gemeinsam mit dem Samsung Galaxy Note 8 oder dem Apple iPhone X.

Doch Google ist das mittlerweile gar nicht mehr so wichtig. Stattdessen setzt das Unternehmen bewusst auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz, sagt Hardware-Chef Mario Queiroz. Man verzichte bewusst auf Doppelkameras, weil sie nicht nötig seien. Stattdessen setze man auf eine Technologie, die jedes Pixel quasi verdoppele. Daraus berechne man dann die Tiefenschärfe eines Bildes. "So funktioniert unser Porträtmodus. Gute Fotos macht man nicht ausschließlich mit guter Hardware, sondern mit Software und künstlicher Intelligenz. Das ist unser Ansatz."

Per Druck zum Assistenten

Dennoch gibt es auch die ein oder andere Funktion, die vermutlich bald von anderen Herstellern übernommen werden könnte: Die Pixel-Telefone lassen sich drücken, um den Google Assistenten zu aktivieren. Dabei hat man das Gefühl, dass das Aluminium-Gehäuse nachgibt - das ist aber nur ein Effekt, der von kleinen Motoren erzeugt wird.

Als wirkliche Innovation kann man sicherlich die neuen, rund 160 Euro teuren Ohrhörer bezeichnen, sagt der deutschstämmige Tech-Blogger Frederic Lardinois von techcrunch.com: "Sie funktionieren als Übersetzer. Ich kann mich mit jemandem unterhalten, und ich bekomme die Übersetzung direkt im Kopfhörer überliefert. Für 160 Dollar sind sie ein bisschen teuer. Aber interessant sind sie auf jeden Fall."

Auch ein neues Notebook und neue Lautsprecher

Doch die neuen Smartphones sind nur ein Teil der Hardware-Offensive von Google. Das Unternehmen zeigte nicht nur ein neues 12,3-Zoll-Notebook, auf dem das Betriebssystem Chrome OS läuft. Das Besondere des Computers: Er ist Tablet, Notebook, kann Android-Apps ausführen, aber auch als Schaltzentrale von Google Home fungieren.

Wie angekündigt zeigte Google auch seine beiden neuen Lautsprecher: Google Max soll vor allem dem Luxus-Hersteller Sonos Konkurrenz bereiten. Er passt seinen Klang individuell an den Raum an  Der gleichnamige Mini-Lautsprecher zielt auf Amazon und seinen Echo-Dot-Lautsprecher ab.

Bei beiden Geräten spielt wieder künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle: Denn die Lautsprecher geben Kommandos an alle möglichen Geräte im Haushalt weiter - von der Lampe, über die Video-Türklingel bis hin zur Heizung. Außerdem lernen sie aus dem Verhaltensmuster des jeweiligen Nutzers.

Hardware-Chef Mario Queiroz sagt dazu: "Wir entwickeln ganz bewusst Geräte in verschiedenen Disziplinen, weil wir hier gute Hardware mit künstlicher Intelligenz verbinden wollen. Wir orientieren uns dabei jeweils am Anwendungsfall."

alt Marcus Schuler

Analyse

Kein Unternehmen setzt derzeit so fest auf das Thema "Künstliche Intelligenz" wie Google. Anders als bei seiner Suchmaschine gilt hier ein anderes Geschäftsmodell. Der Kunde bezahlt für Lautsprecher, Telefon oder Kamera. Im Gegenzug liefert ihm das Unternehmen Informationen aus seiner direkten Umgebung: Welche Termine stehen an? Wann muss die Heizung zu Hause hochgefahren werden? Welche Lebensmittel müssen noch im Supermarkt gekauft werden?

Google hat längst erkannt, worauf die Welt der Apple-Fans immer wieder vergeblich wartet: Es gibt schlicht kein "One more thing" mehr - die Innovationen auf den Smartphones sind ausgereizt. Punkt.

In Mountain View setzt man auf künstliche Intelligenz - Algorithmen lernen aus dem Nutzerverhalten, trennen Wichtiges von Unwichtigem. Mit seiner Schaltzentrale "Home" will das Unternehmen einem das Leben leichter machen. Anders als Apple stellt es sich damit viel breiter auf und macht sich nicht abhängig von Smartphones. Google drängt ins Wohnzimmer, es steuert und regelt, es misst und unterstützt.

Klar ist: Apple hat ein Problem.

Google stellt neue Pixel-Smartphones vor
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
05.10.2017 05:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 am 04. Oktober 2017 um 06:38 Uhr.

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