Google Home | Bildquelle: picture alliance/AP Photo

Digitale Sprachassistenten Laut sprechen mit Lautsprechern

Stand: 08.08.2017 00:01 Uhr

Sie kennen Nachrichten, die Verkehrslage, das Wetter und gehorchen aufs Wort: digitale Sprachassistenten. Im Smartphone sind sie schon länger Standard. Nun sollen sie das vernetzte Heim vorantreiben. Jetzt kommt Google Home ins Haus.

Von Stephan Ebmeyer, SWR

"Ok, Google. Was sind die aktuellen Nachrichten?" Diese Frage kann das kleine blumenvasenartige Gerät mühelos beantworten, indem es etwa die Tagesschau in 100 Sekunden abspielt. Google Home lässt sich fast ausschließlich über Sprache steuern. Es gibt kein Display, nur eine Stummschalttaste und eine Touchoberfläche mit vier Leuchten.

Es ist immer aktiv, reagiert sofort auf Sprache, sobald jemand im Raum "Ok, Google ..." sagt - oder etwas, das ähnlich klingt. Auch wenn man mehrere Meter weit entfernt ist.

Von Echo bis HomePod

Dieses Konzept verfolgen mittlerweile sämtliche Tech-Riesen: Amazon hat als erstes den Markt mit Echo betreten. Das Prinzip ist ähnlich. Amazons Sprachassistentin heißt Alexa. Auch vom Funktionsumfang unterscheiden sich die Assistenten nur marginal, allerdings sind die Stimmen anders.

Auch Apple hat bereits ein ähnliches Gerät, den HomePod mit Siri angekündigt. Der HomePod soll allerdings mehr als doppelt so teuer wie die bereits erhältlichen Geräte werden.

Ein Amazon Echo steht in einem Geschäft in New York. | Bildquelle: REUTERS
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Amazon machte mit Echo den Anfang ...

Besucher der Entwicklerkonferenz WWDC 2017 betrachten den neuen HomePod | Bildquelle: dpa
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... bald wird Apple mit dem HomePod an den Start gehen.

Samsungs Assistentin hört auf den Namen Bixby. Bislang gibt es dafür noch keinen schlauen Lautsprecher. Microsoft arbeitet mit Harman Kardon zusammen. Ab Herbst soll Cortana dann auch dort und nicht nur auf Windows 10 Geräten mit Nutzern sprechen können - allerdings vorerst nur in den USA.

Klanglich darf man keine Wunder erwarten. Die bislang erhältlichen ca. 150 Euro teuren Lautsprecher klingen ordentlich. Wer jedoch HiFi-Qualität erwartet, wird enttäuscht sein.

Vieles geht, vieles aber auch nicht

Die Lautsprecher sollen nicht nur Musik spielen, Infos liefern, Erinnerungen und Kalender verwalten, sondern auch das vernetzte Heim steuern können. Laut Mercedes ist die in den USA mit Abstand meist genutzte Funktion: Den Motor des Autos in der Garage starten.

Google hat momentan einen Vorteil, denn wer ein Google-Konto intensiv nutzt, kann diese Daten sofort mit dem Lautsprecher und Google Assistant nutzen. Das wiederum kommt auf der anderen Seite dem Konzern zu Gute. Dieses Prinzip nutzen auch Apple und Microsoft. Amazon fehlen solche Daten und hat daher im Augenblick noch Defizite.

Doch längst nicht alles, was man den Geräten als Nutzer sagt oder sie fragt, wird auch verstanden. Das ist frustrierend. In den meisten Fällen erwarten die Assistenten ein bestimmtes Stichwort, einen bestimmten Befehl. Sonst geht gar nichts.

Ist das schon künstliche Intelligenz?

Das ist nicht gerade das, was man unter einer künstlichen Intelligenz versteht, die den Turing-Test besteht. Der Mathematiker Alan Turing hatte vorhergesagt, dass es bis zum Jahr 2000 möglich sein werde, dass der durchschnittliche Anwender nur mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit sagen könnte, ob es sich um einen Menschen oder eine Maschine handelt. Den Punkt, ab dem eine Maschine schlauer als ein Mensch ist und sich selbst verbessert, bezeichnet man als Singularität.

Der Informatiker Alassane Ndiaye vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz (DFKI) erklärt jedoch, dass Maschinen nur sehr, sehr langsam lernen. Die derzeitigen Assistenten seien eher so schlau wie ein Smartphone. Nicht schlauer. Möglicherweise werden die Geräte die Intelligenz des Menschen nicht übertreffen. "Die Singularität ist nicht unmöglich. Aber wir werden sie wahrscheinlich nicht mehr erleben", sagt der Wissenschaftler.

In der nahen Zukunft sieht er Systeme, die Rückfragen stellen, Hilfestellung geben - sie werden Dialogsysteme genannt. Denn momentan sind die Assistenten wie eine Einbahnstraße gebaut: Sie arbeiten nur auf Befehl. Es gibt kein Feedback, keine Benachrichtigungen. Die Geräte sprechen nie ungefragt.

Lautsprecher, die lauschen

Ohne die Cloud wären die Lautsprecher noch weniger intelligent. Denn so gut wie alle Funktionen benötigen eine Auswertung der Sprache über das Internet im Rechenzentrum des Anbieters - also nicht lokal auf dem Gerät. Das kritisiert der Datenschutzbeauftragte von Rheinland-Pfalz, Dieter Kugelmann.

Er weist außerdem darauf hin, dass die Geräte gut abgesichert sein müssen, um nicht gehackt und als Wanze missbraucht werden zu können. Und schließlich sammeln die Konzerne weitere, intime Daten: Nutzerprofile, Sprache, Stimmungen und so weiter. Zwar kann man etwa bei Amazon oder Google einsehen, welche Daten gesammelt wurden. Aber was genau mit diesen Daten passiert, bleibt unklar.

Renaissance des Radios

Lauschende Lautsprecher werden wohl für die meisten potenziellen Käufer ein absolutes No-Go bleiben. Doch die Tech-Konzerne drängen mit aller Macht in den Markt.

Amazon bietet etwa Live-Streams sämtlicher Fußball-Bundesliga Spiele an - mit eigener Redaktion. Ein Gegengewicht zur ARD-Radiokonferenz. Schließlich sind genau das die Anwendungen, die auf den schlauen Lautsprechern am besten funktionieren: Musik und das gute, alte Radio.

Über dieses Thema berichteten am 08. August 2017 WDR5 um 07:50 Uhr und tagesschau24 um 16:00 Uhr.

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