Google-Chef Pichai hält auf der Entwicklerkonferenz I/O 2018 in Mountain View in Kalifornien eine Rede. | Bildquelle: AFP

Google-Entwicklerkonferenz Räuspern einprogrammiert

Stand: 09.05.2018 16:51 Uhr

Computerstimmen sind leicht zu erkennen. Bislang. Google hat nun ein System entwickelt, dessen Stimme täuschend echt klingt - und sogar einen Anruf im Frisörsalon meistert.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Es hat etwas Gruseliges und Faszinierendes zugleich: Google lässt seinen Home-Assistentin in einem Frisörgeschäft anrufen, um einen Termin zu vereinbaren. Die Stimme ist vom Computer gemacht und von der menschlichen nicht mehr zu unterscheiden:

Computer: "Hallo, ich rufe im Auftrag an und möchte einen Frisörtermin vereinbaren. Ich bräuchte - ähm - einen Termin am 3. Mai."

Angestellte im Frisögeschäft: "Kleinen Augenblick."

Computer: "Mmh."

Angestellte im Frisörgeschäft: "Welche Uhrzeit würde passen?"

Computer: "12 Uhr mittags"

Angerufene merkt nichts

Sogar das "Ähm" und "Mmh" sind computergeneriert. Die Frau im Frisörladen merkt nicht, dass sie hier eigentlich mit einem Computer redet. "Duplex" nennt das Unternehmen die neue Technologie. Wann sie auf den Markt kommt, wollte Google-Chef Sundar Pichai noch nicht verraten.

Fröhlich und ausgelassen - so sieht sich das größte Suchmaschinenunternehmen der Welt selbst. Das ist zugleich die Botschaft der diesjährigen Entwicklerkonferenz, kurz i/o. Und sie zeigt das Dilemma des Konzerns. Konkurrent und Nachbar Facebook stand vor wenigen Wochen im Zentrum eines riesigen Datenskandals.

Google, das mit dem Erfassen von Daten sein Geld verdient, weil es damit seinen Nutzern zielgerichtete Werbung vorsetzen kann, tut so, als habe es diesen Datenskandal nicht gegeben, als sei man davon unberührt. Nur ein Mal in seiner Rede betont Google Chef Pichai, wie wichtig der verantwortungsvolle Umgang mit neuen Technologien wie KI - Künstliche Intelligenz - sei: "Diesen Weg müssen wir vorsichtig und verantwortungsvoll gehen."

Wie kein anderes Unternehmen baut Google auf Künstliche Intelligenz: Schwarz-Weiß-Fotos werden automatisch und korrekt eingefärbt. Das Smartphone schickt einen sofort in die richtige Richtung, weil die Kamera die umliegenden Gebäude erkennt. Sätze in E-Mails werden automatisch vervollständigt, weil KI mutmaßt, wie der Satz zu Ende geht. Das Thema Datenschutz oder Privatsphäre kam in der Rede von Pichai so gut wie nicht vor.

Experte rät zu Gelassenheit

"Oh, oh, die Dinge ändern sich, wir müssen das kontrollieren." Mit ironischem Unterton sagt das Jeff Jarvis. Der Journalistik-Professor aus New York wurde durch sein Buch "Was würde Google tun?" weltweit berühmt.

Jarvis plädiert für einen gelassenen Umgang mit neuen Technologien, wie sie Google mit Duplex heute vorgestellt hat: "Vor zehn Jahren hätte ich mir selbstfahrende Autos nicht vorstellen können. Oder Roboter, die beim Zahnarzt anrufen und einen Termin für mich ausmachen. Lass sie uns doch erst einmal anfangen und dann die neue Technologie beobachten und daraus lernen."

Jarvis fragt, welchen Schaden Künstliche Intelligenz bislang angerichtet habe: "Die Ironie besteht doch darin, wenn man Tech-Unternehmen reguliert, werden sie mächtiger. Als in Europa das Recht auf Vergessen für das Internet eingeführt wurde, hat man Google vorgehalten, es speichere zu viele Daten. Aber wer sollte entscheiden, was gelöscht wird? Google. Wer hat damit mehr Macht bekommen? Google. Das Problem besteht doch darin, dass wir als Gesellschaft nicht wissen, wo wir technologisch stehen."

Das scheint dafür Google zu wissen. In Mountain View zeigt es einen Videoclip, wie die Computerstimme des Home-Assistenten Kinder lobt, weil sie sich mit ihm unterhalten haben: "Du bist sehr höflich", sagt die Stimme und das Kind antwortet: "Ich weiß."

Google i/o Entwickler-Konferenz
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
09.05.2018 14:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5aktuell am 09. Mai 2018 um 11:38 Uhr.

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