Foodwatch-Aktivisten zeigen Plakate zur Verleihung des Goldenen Windbeutels an Alete | Bildquelle: dpa

Negativpreis "Goldener Windbeutel" "Alete lügt am dreistesten"

Stand: 28.11.2017 09:54 Uhr

Zu viel Zucker, zu wenig Nahrhaftes: Foodwatch verleiht dem Babykeks von Alete den "Goldenen Windbeutel" für die "dreisteste Werbelüge des Jahres". Alete nutze sein positives Image aus, um auf Kosten der Kleinsten Kasse zu machen. Das grenze an Körperverletzung.

Der Negativpreis "Goldener Windbeutel" für die "dreisteste Werbelüge des Jahres" geht in diesem Jahr wieder an Alete. Bei einer Online-Abstimmung der Verbraucherorganisation Foodwatch stimmten die mehr als 70.000 Teilnehmer mit großer Mehrheit für einen zuckrigen Babykeks des Herstellers.

Foodwatch kritisierte, Alete vermarkte das Produkt entgegen den Empfehlungen von Medizinern schon für Säuglinge ab dem achten Monat "zum Knabbernlernen", obwohl die Babykekse mit 25 Prozent Zuckeranteil sogar zuckriger seien als Leibniz Butterkekse und Karies förderten. "Alete nutzt sein positives Image bei Eltern aus, um auf Kosten der Kleinsten Kasse zu machen - das grenzt an Körperverletzung durch Irreführung", erklärte Sophie Unger von Foodwatch.

Alete Kinderkeks | Bildquelle: foodwatch
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Mit 25 Prozent Zuckeranteil enthält der Alete Babykeks sogar mehr Zucker als normale Butterkekse.

Foodwatch: Keks soll vom Markt genommen werden

Die Verbraucherorganisation forderte den Babynahrungshersteller auf, das Produkt vom Markt zu nehmen und sein Sortiment zu überarbeiten. Obwohl Ärzte und Ernährungsexperten von zugesetztem Zucker für Babys abrieten, habe Alete etwa 30 Prozent seiner Babyprodukte Zucker beigemischt.

Nach dem Start der Windbeutel-Wahl hatte Alete reagiert und Anfang November angekündigt, seine Kekse immerhin nicht länger auf der Packung als "babygerecht" zu bezeichnen. Alete will das Etikett überarbeiten und die Angabe entfernen. Das Unternehmen kündigte laut Foodwatch außerdem eine Rezepturänderung an. Den kristisierten Keks will Alete aber weiterhin vertreiben - mit einer Empfehlung für Säuglinge ab dem achten Lebensmonat. Unger sagte dazu, Babykekse nicht länger als "babygerecht" zu bezeichnen, die Zuckerkekse dennoch weiter für Babys zu empfehlen sei "absurd".

EU-Verordnung mangelhaft

Aber auch die EU-Verordnung hat laut Foodwatch Lücken bei Babynahrungsmitteln. Selbst Kekse mit einem Zuckergehalt von bis zu 34 Prozent dürften noch als empfehlenswerte Produkte für Säuglinge beworben werden. Alete nutze die rechtlichen Lücken besonders dreist aus, kritisierte die Foodwatch-Expertin. Dringend nötig seien bessere gesetzliche Vorgaben für Babylebensmittel.

Außer dem Babykeks waren für den "Goldenen Windbeutel" auch ein Protein-Drink der Firma Bauer, eine Ochsenschwanzsuppe ohne Ochsenschwanz von Continental Foods, ein Müsli von Kellogg's und ein Omega-3 Pflanzenöl von Unilever nominiert. Foodwatch vergibt den Negativpreis in diesem Jahr zum siebten Mal. Die Organisation will damit auf "die systematische, ganz legale Irreführung bei Lebensmitteln" hinweisen.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 28. November 2017 um 06:39 Uhr und die Tagesschau um 17:00 Uhr.

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