Logos von GM und Opel (Bildquelle: dpa)

Europageschäft soll belebt werden GM investiert Milliarden in Opel und Vauxhall

Stand: 10.04.2013 16:46 Uhr

Der US-Autokonzern General Motors nimmt bis 2016 vier Milliarden Euro in die Hand, um sein kränkelndes Europageschäft mit den beiden Marken Opel und Vauxhall auf Kurs zu bringen. Der Großteil der Summe solle in neue Modelle gesteckt werden, sagte Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. Er soll erreichen, dass Opel in den kommenden Jahren wieder schwarze Zahlen schreibt. Im vergangenen Jahr hatte das gesamte Europageschäft GM einen Betriebsverlust von satten 1,8 Milliarden Dollar eingebrockt, fast drei mal so viel wie im Jahr davor.

Mit den angekündigten Investitionen in 23 neue Modelle und 13 neue Motoren will GM in Europa die Wende einleiten. Den Anfang machen der Kleinwagen Adam, der kleine Geländewagen Mokka und das Cabriolet Cascada.

Zum Vergleich: Der längst enteilte Rivale Volkswagen steckt bis 2015 in Deutschland knapp 20 Milliarden Euro in neue Modelle, Produktionsverfahren und die Modernisierung seiner Fabriken, fünf Mal soviel wie GM für Opel bereitstellt. Alleine in Niedersachsen investiert VW in dem Drei-Jahres-Zeitraum elf Milliarden Euro.

GM investiert Milliarden - Bochum geht leer aus
M. Braun, DLF
10.04.2013 17:37 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

"Heute mehr denn je entscheidendes Element"

Konzernchef Dan Akerson erneuerte bei einem Besuch der gesamten GM-Führungsspitze in Rüsselsheim das Bekenntnis des Mutterkonzerns zur Tochter: GM brauche eine starke Präsenz in Europa, sowohl bei Design und Entwicklung als auch bei Fertigung und Verkauf: "Opel ist ein Schlüssel zu unserem Erfolg und genießt die volle Unterstützung des Mutterkonzerns."

Karl-Thomas Neumann, Volker Bouffier, Dan Akerson und Steve Girsky (von links) in der Rüsselsheimer Opel-Zentrale (Bildquelle: dpa)
galerie

Symbolischer Besuch: Karl-Thomas Neumann, Volker Bouffier, Dan Akerson und Steve Girsky (von links) in der Rüsselsheimer Opel-Zentrale

Opel-Aufsichtsratschef Steve Girsky sagte, Opel sei "heute mehr denn je ein entscheidendes Element für die Innovationskraft des gesamten Konzerns". Er verwies auf die wechselvolle Geschichte der seit 1929 zu dem US-Konzern gehörenden Tochter, die seit vielen Jahren rote Zahlen schreibt.

Mit ihrem Auftritt in Rüsselsheim will die GM-Spitze vor allem dafür sorgen, dass die immer wieder aufkeimenden Spekulationen über einen möglichen Verkauf von Opel aufhören, die der Marke in den vergangenen Jahren schwer geschadet haben.

Freude über "unmissverständliche Unterstützung"

Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug begrüßte die GM-Entscheidung. Vor einigen Jahren sei es noch kaum denkbar gewesen, eine solch "unmissverständliche Unterstützung" zu bekommen. Opel dürfe nicht langfristig "in dem Gefängnis von sechs Prozent Marktanteil" gefangen bleiben.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier sagte, es gebe begründete Hoffnung für Opel, wieder zu wachsen. Angesichts der Zusagen von GM sei das Land Hessen zwar "nicht euphorisch, aber sehr dankbar", sagte der CDU-Politiker weiter.

Sanieren statt verkaufen

Drohendes Aus für Werk im Ruhrgebiet. (Bildquelle: dpa)
galerie

Das Opel-Werk in Bochum steht vor dem Aus.

Opel schreibt seit Jahren rote Zahlen. GM macht deswegen Druck: Opel soll wieder profitabel werden und überschüssige Produktionskapazitäten abbauen. Die Schuldenkrise in der Eurozone hatte die Opel-Verkaufszahlen weiter belastet.

GM hatte Opel 2009 zunächst verkaufen wollen und sich um Bürgschaften bei mehreren Staaten in Europa bemüht, sich dann aber anders entschieden und saniert die Tochter nun unter eigener Regie. Dazu hatte sich das Management unlängst mit der IG Metall auf einen Sparplan verständigt, der die Verschiebung von Lohnerhöhungen vorsieht. Im Gegenzug erhielten die Werke in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach mehrjährige Produktionszusagen.

Die Autofabrik in Bochum mit über 3200 Beschäftigten soll dagegen bereits Ende 2014 dichtgemacht werden. Dort hatte die Belegschaft als einzige von Opel dem GM-Sanierungsplan nicht zugestimmt. Girsky sagte, er bedauere das Bochumer Votum: Das Angebot sei "fair und gut" gewesen - "aber wir akzeptieren die Entscheidung".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. April 2013 um 15:00 Uhr.

Darstellung: