Ein oragefarbener Gigaliner steht auf einem Parkplatz. | Bildquelle: dpa

Bundesregierung Zoff um die Gigaliner

Stand: 02.01.2017 14:52 Uhr

Mehr als 25 Meter lang, bis zu 44 Tonnen schwer: Seit Jahresbeginn dürfen überlange Lastwagen - die Gigaliner - regulär auf bestimmten Straßen in Deutschland fahren. Doch nun gibt es in der Bundesregierung offenbar Zoff um das Thema.

Die Fahrt von überlangen Lastwagen auf Deutschlands Straßen sorgt für Streit in der Bundesregierung. Die Entscheidung von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt von der CSU, den Lang-Lkw in den Regelbetrieb gehen zu lassen, sei innerhalb der Bundesregierung nicht abgestimmt, sagte der Staatssekretär im SPD-geführten Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, der Deutschen Presse-Agentur.

Das sei eine schwerwiegende umwelt- und verkehrspolitische Fehlentscheidung, so Flasbarth: "Die Auswirkungen des Lang-Lkw, seine Umweltbelastungen wie auch die Auswirkungen auf den Schienenverkehr sind noch nicht ausreichend untersucht."

Drei von fünf Typen dürfen regulär auf die Straße

In Deutschland dürfen überlange Lastwagen seit Jahresbeginn regulär auf bestimmten Straßen fahren. Das Straßennetz, auf dem die Riesen-Laster unterwegs sind, ist derzeit fast 11.600 Kilometer lang. Die sogenannten Gigaliner können bis zu 25,25 Meter lang sein, das sind 6,5 Meter mehr als die bisher erlaubte Lkw-Länge.

Sie dürfen - wie herkömmliche Lkw auch - bis zu 44 Tonnen schwer sein. Für drei von fünf Gigaliner-Typen sind die Befristungen aufgehoben. Für die beiden anderen Typen wird die Versuchsphase verlängert. "Die Verlängerung des Probebetriebes um einen so langen Zeitraum wird dazu führen, dass in den nächsten Jahren 80.000 dieser Fahrzeuge auf deutschen Straßen eingesetzt werden", kritisierte Flasbarth.

"Damit werden durch das Verkehrsministerium Fakten geschaffen, die mit EU-Recht nicht vereinbar sind", sagt Flasbarth. In der Europäischen Union sei der Regelbetrieb für den Lang-Lkw mit Sattelauflieger nicht zugelassen. Zudem werde das Ziel der Bundesregierung, mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern, konterkariert: "Die Verkehrspolitik versagt seit Jahrzehnten im Klimaschutz."

Ein Lang-Lkw fährt auf der Autobahn bei Dachau. (Quelle: imago/Action Pictures) | Bildquelle: imago/Action Pictures
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Zwei Gigaliner-Fahrten sollen drei herkömmliche Lkw-Fahrten ersetzen.

Das Bundesverkehrsministerium widerspricht

Das Bundesverkehrsministerium widersprach der Darstellung Flasbarths: Die Auswirkungen der Gigaliner seien in einem großen Feldversuch über fünf Jahre untersucht worden. Das sei von der Bundesanstalt für Straßenwesen wissenschaftlich dokumentiert und transparent veröffentlicht worden. Dieser Bericht komme eindeutig zu dem Ergebnis, die Lang-Lkw zuzulassen, da zwei Fahrten mit einem Lang-Lkw drei Fahrten mit herkömmlichen Lastwagen ersetzen könnten.

Auch gegen den Vorwurf Flasbarths, der Vorgang sei innerhalb der Bundesregierung nicht abgestimmt worden, wehrt sich das Bundesverkehrsministerium: Das Bundesumweltministerium, dem Flasbarth als Staatssekretär angehört, sei mit der Ausnahmeverordnung grundsätzlich einverstanden gewesen. Es habe lediglich bei einem Typen Bedenken geäußert und sich dabei auch nicht auf die grundsätzliche Zulassung bezogen, sondern auf die Frage, ob die Zulassung für sieben Jahre erfolgen müsse.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Januar 2017 um 12:00 Uhr.

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