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30.05.2012

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Wirtschaft
BASF verlegt Genpflanzen-Tochter in die USA
Konzern kritisiert Gentechnik-Skepsis in Europa

BASF verlegt Genpflanzen-Tochter in die USA

Anbau von Genkartoffeln (Foto: dpa) [Bildunterschrift: Der Anbau von Genkartoffeln in Mecklenburg-Vorpommern löste 2010 große Proteste aus. ]
Das Ludwigshafener Chemie-Unternehmen BASF verlegt die Zentrale seiner Gentechnik-Sparte komplett in die USA. Begründet wird das mit der fehlenden Akzeptanz in Europa. Vorstandsmitglied Stefan Marcinowski sagte: "Wir sind davon überzeugt, dass die Pflanzenbiotechnologie eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts ist. Andererseits fehlt in weiten Teilen Europas immer noch die entsprechende Akzeptanz bei der Mehrheit der Verbraucher, Landwirte und Politiker." Daher sei es aus unternehmerischer Sicht nicht sinnvoll, weiter ausschließlich in Europa zu investieren.

BASF werde sich in Zukunft auf die "Wachstumsmärkte" in Asien, Nord- und Südamerika konzentrieren. Die Zulassungsverfahren für Genpflanzen, die noch in Europa laufen, sollen dennoch weitergeführt werden. Neue Produkte entwickeln will der Chemiekonzern dagegen nur noch für den internationalen Markt.

Unterschiedliche Reaktionen auf Abwanderung

Politik und Interessensverbände reagierten unterschiedlich auf die Ankündigung. "Die Entscheidung von BASF ist ein konsequenter Schritt angesichts der ausgebliebenen Entwicklung in der grünen Gentechnik in Europa", sagte ein Greenpeace-Experte für nachhaltige Landwirtschaft. Er deutete die Abwanderung von "Plant Science" als Erfolg.

Europapolitiker von CDU und FDP bedauern die Entscheidung dagegen. "Der Flickenteppich an nationalen Regelungen in diesem Bereich hat Europa zu einem unattraktiven Standort gemacht", erklärte der EU-Abgeordnete Werner Langen (CDU). Die FDP-Europaparlamentarierin Britta Reimers kritisierte: "Die europäische Angewohnheit, technologische Neuerungen nicht als Chance, sondern hauptsächlich als Bedrohung wahrzunehmen, rächt sich."

140 Stellen in Europa werden abgebaut

Die "BASF Plant Science" hat weltweit rund 840 Mitarbeiter - mehr als 200 davon arbeiten in Deutschland. Die bisherige Zentrale im rheinland-pfälzischen Limburgerhof wird fast vollständig geschlossen. Die meisten Mitarbeiter sollen mit dem Konzern nach Raleigh, North Carolina, ziehen. Auch der zweite deutsche Standort der "Plant Science" in Sachsen-Anhalt wird schließen. Für einige der 57 Mitarbeiter dort gibt es offenbar keine Perspektive im Konzern. Insgesamt will BASF 140 Stellen in Europa abbauen.

Kurt Bock, Vosrstandsvorsitzender des Chemiekonzerns BASF (Foto: dapd) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der Vorstandsvorsitzende von BASF, Bock, kritisiert das Zulassungsverfahren in Europa. ]
Der Chemiekonzern aus Ludwigshafen hatte Anfang 2010 die Marktzulassung für die Genkartoffel "Amflora" erhalten. Wenig später war sie erstmals kommerziell in Mecklenburg-Vorpommern gepflanzt worden. Gentechnik-Gegner hatten dagegen heftig protestiert.

Der Vorstandsvorsitzende von BASF, Kurt Bock, klagte vor wenigen Tagen auf einem Neujahrsempfang in Stuttgart: "Wir haben eine hohe Kompetenz und sind dabei, diese zu verspielen." Ein Genehmigungsverfahren in Brasilien sei jüngst in nur 18 Monaten abgeschlossen worden. Die EU-Kommission hatte "Amflora" nach dreizehnjähriger Prüfung zugelassen. BASF investierte zuletzt im Jahr 150 Millionen Euro in die Pflanzengentechnik.

Stand: 16.01.2012 17:36 Uhr
 

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