GDL-Chef Weselsky

Mehrtägiger Ausstand beendet GDL verspricht Streikpause

Stand: 10.05.2015 17:54 Uhr

Die GDL plant vorerst keine neuen Streiks. Land und Bahnkunden hätten eine Pause verdient, sagte Gewerkschaftschef Weselsky. Nach dem Ende des Ausstands gibt es aber weiterhin Behinderungen. Zudem wächst die Sorge vor Streiks der Kokurrenzgewerkschaft EVG.

Die Lokführergewerkschaft GDL plant nach den Worten ihres Chefs Claus Weselsky vorerst keine weiteren Bahnstreiks. "Das Land und die Bahnkunden haben jetzt eine Pause verdient - und die Bahn eine Nachdenkpause zum Reagieren", sagte Weselsky der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Zur voraussichtlichen Länge der Pause wollte der Gewerkschaftschef sich nicht äußern. Momentan gebe es jedoch keine Pläne für einen neuen Ausstand. Vermutungen, als nächste Eskalationsstufe bleibe der GDL nur noch der unbefristete Streik, wies Weselsky zurück. "Unbegrenzte Streiks sind das allerletzte Mittel, so weit sind wir noch lange nicht", sagte er der Zeitung.

Die Leitstelle der Bahn - hier wird der Ersatzfahrplan während des Streiks geplant.
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Die Leitstelle der Bahn - hier wurde der Ersatzfahrplan zusammengestellt.

Dagegen erwägt nun auch die viel größere Gewerkschaft EVG offenbar, den Personenverkehr lahmzulegen. Ihr Vorsitzender Alexander Kirchner sagte der Zeitung, es gebe noch zwei Verhandlungstermine im Mai, dann müsse ein Abschluss erreicht sein. "Wenn wir nicht vorankommen, schließen wir Streik nicht aus. Aber wir streiken nicht, nur weil andere streiken."

Höhe des Schadens für Bahn noch unbekannt

Nach dem Ende des Lokführerstreiks gab es nach Angaben der Bahn im Fernverkehr zunächst noch starke Einschränkungen. Auf den besonders stark nachgefragten Verbindungen setzte das Unternehmen zusätzlich zum noch geltenden Ersatzplan bis zu 50 weitere Züge ein. Die S-Bahnen in mehreren Großstädten fuhren am Nachmittag wieder planmäßig. Auch im Regionalverkehr fuhr ein Großteil der Züge wieder nach Plan. Spätestens zum Wochenbeginn soll im Personenverkehr wieder alles normal laufen.

Im Güterverkehr würden die Auswirkungen hingegen noch länger zu spüren sein, erklärte die Bahn. In den Rangierbahnhöfen hätten sich durch den langen Streik viele Güter angesammelt, diese Staus seien voraussichtlich erst Mitte der Woche aufgelöst. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag bezifferte die Streikschäden für die deutsche Wirtschaft auf rund eine halbe Milliarde Euro. Die Deutsche Bahn kann den für sie entstandenen Schaden einer Sprecherin zufolge noch nicht beziffern.

Streit um die Zuständigkeit

Der Tarifkonflikt zwischen Deutscher Bahn und GDL läuft bereits seit mehr als zehn Monaten. Der Ausstand hatte im Güterverkehr am Montag und im Personenverkehr am Dienstag begonnen. Es geht der GDL grundsätzlich um eigene Tarifverträge für das gesamte Zugpersonal. Während die Bahn nur die gleichen Bedingungen wie mit der größeren Konkurrenzgewerkschaft EVG akzeptieren will, um unterschiedliche Regelungen für eine Berufsgruppe zu verhindern, drängen die Lokführer auf Abweichungen etwa bei der Arbeitszeit.

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