Stromproduktion aus Gas nicht mehr rentabel Gaskraftwerk Irsching 5 soll zeitweise ruhen

Stand: 05.12.2012 14:43 Uhr

Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios wollen die Betreiber des bayerischen Gaskraftwerks Irsching 5 den Betrieb für mindestens zwei Jahre stilllegen. In einem Brief an den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer mit Kopie an Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, stellen die beteiligten Stadtwerke fest: "…(Gas-) Kraftwerke werden aufgrund der Preisbildung an der Börse durch zunehmende Einspeisung von erneuerbaren Energien aus dem Markt gedrängt."

"Stillegung aus ökonomischen Gründen"

Das Kraftwerk Irsching 5 ging 2010 ans Netz.
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Das Kraftwerk Irsching 5 ging 2010 ans Netz.

Weiter heißt es dort: "Für dieses Kraftwerk (Irsching 5) hat sich die wirtschaftliche Situation (...) derart verschlechtert, dass eine vorübergehende Stilllegung aus ökonomischen Gründen erforderlich ist." Der Brief liegt dem ARD-Hauptstadtstudio vor. Zuvor hatte der Energiekonzern E.ON aus Kostengründen die Gaskraftwerke Irsching 3 in Bayern und Staudinger 4 in Hessen vom Markt genommenen.

Jedes Einschalten des Kraftwerks koste Geld, heißt es aus dem Umfeld der Betreiber. Irsching 5 sei momentan nicht rentabel und in den roten Zahlen. Aufgrund der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien sei der Strom derzeit so billig, dass sich die Stromproduktion durch das Gaskraftwerk Irsching 5 nicht lohne. Erst wenn sich die politischen Rahmenbedingungen änderten, könne mit dem Kraftwerk wieder ein Gewinn erwirtschaftet werden. Die Bundesnetzagentur hat den Eingang des Briefs bestätigt und will nun mit den Absendern Gespräche führen. Irsching 5 gehört zu den effizientesten und modernsten Kraftwerken der Welt. Es wurde 2010 in Betrieb genommen. Neben E.ON betreiben N-Ergie (Nürnberg), Mainova (Frankfurt) und HSE (Darmstadt) das Kraftwerk.

"Schwierig für die Versorgungssicherheit"

Die Stilllegung macht Energieexperten Sorgen, weil damit die so genannten Kaltreserven für den Winter knapper werden. Die Kaltreserven sollen mögliche Engpässe in der kalten Jahreszeit ausgleichen. In dem Fall sollen Gaskraftwerke zusätzlichen Strom produzieren - notfalls könnten sie per Gesetz dazu gezwungen werden. Der Deutschland-Chef des Übertragungsnetzbetreibers Tennet, Martin Fuchs, betonte, es sei "für die Netzstabilität und Versorgungssicherheit schwierig, wenn im Süden weitere Kraftwerke vom Netz gehen". Vor kurzem hatte auch die Bundesnetzagentur die Situation der Netze als kritisch bezeichnet.

Dennoch verfügt Deutschland laut einer Tennet-Sprecherin nach den derzeitigen Berechnungen über einen ausreichenden Sicherheitspuffer gegen Engpässe. Insgesamt stünden allen Netzbetreibern zusammen rund 2500 Megawatt Reserve-Leistung durch konventionelle Kraftwerke zur Verfügung, die kurzfristig bei Netzschwankungen hochgefahren werden können. Für die kommenden Jahre prognostizieren Experten einen erhöhten Strombedarf vor allem in Süddeutschland, weil dort die meisten Atomkraftwerke abgeschaltet werden.

Stromerzeugung und -nachfrage in 2020
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Das Stromnetz in Deutschland ist in mehrere Regionen unterteilt, die sogenannten Übertragungsnetze, die in dieser Grafik grob schematisch dargestellt sind. Die dena-Netzstudie prognostiziert, in welchen Regionen künftig mehr Strom produziert als verbraucht wird (blaue Kreise) und in welchen dies umgekehrt ist (rote Kreise). Um diesen Strom zwischen den Regionen verteilen zu können, müssen neue Leitungen gebaut werden. Denn laut dena-Prognose gibt es an 70 Prozent der Regionengrenzen Engpässe im Stromleitungsnetz.

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