Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD, M) unterhält sich am 07.01.2016 in Havanna (Kuba) mit einem Journalisten vor einem Gemälde des kubanischen Revolutionsführers Che Guevara (1928-1967).  | Bildquelle: dpa

Abschluss von Gabriels Kuba-Reise Wandel im Schneckentempo

Stand: 08.01.2016 11:38 Uhr

Während seiner Kuba-Reise preist Bundeswirtschaftsminister Gabriel das Potenzial des Karibikstaates als Handelspartner. Doch allzu oft wird der ökonomische Pioniergeist noch durch die Strukturen der Staatswirtschaft gebremst.

Angela Ulrich, RBB, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Havanna

Jan Ehlers sprüht vor Begeisterung. Der blondgelockte Berliner will Kubas Startup-Szene Atem einhauchen, sie fit machen für den Wandel im Land und für Wettbewerb. Und zwar per Inkubator - was nichts zu tun hat mit Krankenhausgerät, erklärt Ehlers: "Ein Inkubator ist ein Brutkasten für Unternehmen. Wir haben den hier gegründet, damit kubanische Personen von der Uni Havanna ein Unternehmen gründen können."

Kreativraum für Havanna

Die Erfinder in spe sind kubanische Studenten und Professoren. Im Humboldt-Uni Projekt bekommen sie für hundert Tage einen Kreativraum mit freiem Internet und Computern zur Verfügung gestellt - eine Seltenheit in Havanna. Was dabei herauskommt, erläutert Ehlers so: "Eine Gruppe versucht, eine App zu entwickeln, die offline funktioniert, um den Nahverkehr von Havanna zu organisieren. Jemand anderes macht aerial inspection. Das heißt, mit einer Drohne werden Aufnahmen von Solarfeldern oder Ölpipelines gemacht, um da Fehler und Probleme zu erkennen." Geschäftsideen, die für den kubanischen Markt erfolgversprechend sein sollen.

"Partner statt Besserwisser"

Genau solche Projekte will Sigmar Gabriel zwischen deutschen und kubanischen Partnern voranbringen. Und zwar auf Augenhöhe, sagt er: "Wir kommen dabei nicht als Besserwisser nach Kuba, sondern als Partner." Gabriel unterschreibt in Havanna eine Vereinbarung über ein künftiges Verbindungsbüro für die deutsche Wirtschaft. Ob es je kommt, ist offen. Die Berliner Humboldt Uni nutzt dagegen alte Kontakte aus DDR-Zeiten zu ihrem Pendant in Havanna.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD, l) und der kubanische Außenwirtschaftsminister Rodrigo Malmierca tauschen am 07.01.2016 in Havanna (Kuba) am Rande eines deutsch-kubanischen Unternehmertreffens eine Absichtserklärung zur Eröffnung eines deutschen Handelsbüros in Havanna aus | Bildquelle: dpa
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Gabriel und Außenwirtschaftsminister Malmierca: Absichtserklärung für deutsches Handelsbüro in Havanna

Jan Ehlers, der Betreuer des noch jungen Erfinderlabors, hat schon einen Interessenten unter den mitreisenden Unternehmern von Gabriels Delegation gefunden: Friedbert Pflüger, früher CDU-Staatssekretär, heute Berater mittelständischer Unternehmen. Einer seiner Kunden, der Solarspeicher baut, könnte sich für die kubanischen Projekte interessieren: "Eigentlich eine gute Idee. Da müssen wir mal mit ihren Professoren und Studenten besprechen, ob man die nicht zusammenbringen könnte."

Bürokratische Hemmnisse der Staatswirtschaft

Bisher stehen dem häufig noch bürokratische Hemmnisse der kubanischen Staatswirtschaft im Wege. Denn so klar das Land um wirtschaftliche Impulse wirbt, die politische Öffnung geht allenfalls im Schneckentempo voran. Und Vorsicht: Wenn Länder wie Deutschland nicht aktiv werden, drohe der Ausverkauf Kubas in Richtung USA, warnt Ex-Politiker Pflüger: "Das, was Deutschland wirklich leisten kann, ist eine strategische Beratung der Spitzen der kubanischen Regierung, wie man die notwendige wirtschaftliche Transformation so gestaltet, ohne dass Kuba wieder, wie bereits in den 50er Jahren, eine Art Kolonie der Vereinigten Staaten von Amerika wird."

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) steht am 07.01.2016 in Havanna am Platz der Revolution neben einem Bild auf dem Innenministerium von Che Guevara. Auf dem Programm des SPD-Chefs stehen Treffen mit kubanischen Regierungsmitgliedern. | Bildquelle: dpa
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Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel am Platz der Revolution

"Wunderbare Aussicht"

Gabriel trifft unterdessen einen Regierungsvertreter in Havanna nach dem anderen. Am letzten Tag könnte noch Präsident Raúl Castro dazukommen. Dabei ist der Vizekanzler auch als SPD-Chef unterwegs, im Museum zu Ehren des Nationalhelden Kubas, José Marti. Das über hundert Meter hoch aufragende Marti-Monument auf dem Revolutionsplatz in Havanna erspart sich Gabriel. "Sie müssen wiederkommen", wirbt der Museumsführer, "wir haben von oben eine wunderbare Aussicht."

Aber: der Aufzug ist seit langem kaputt.

Sigmar Gabriel wirbt für neuen Wirtschaftspartner Kuba
A. Ulrich RBB, ARD Berlin
08.01.2016 09:35 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 08. Januar 2016 um 11:26 Uhr auf NDR Info.

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