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Vor Entscheidung über "FTD"
Mittendrin im Zeitungssterben?
Die "Financial Times Deutschland" steht nach eigenen Angaben vor dem Aus. Was der Aufsichtsrat von Gruner + Jahr zur Zukunft der Zeitung und anderer Magazine beschlossen hat, ist noch nicht bekannt. Die Probleme fallen in eine Zeit, in der in der Branche sowieso schon viel Aufregung herrscht.
Von Astrid Corall, NDR
Die "Frankfurter Rundschau" - insolvent. Das Boulevardblatt "Nürnberger Abendzeitung" - eingestellt. Die "Financial Times Deutschland" - steht vor dem Aus. Aus der deutschen Printbranche kommen derzeit wenige gute Nachrichten. Mittendrin im Zeitungssterben sei man, meint der Zeitungsforscher Horst Röper. Auch einige Regionalzeitungen hätten schon einzelne ihrer Lokalausgaben aufgegeben.
Röper sieht vor allem zwei Probleme: Zum einen sei da der massive Einbruch auf dem Werbemarkt im Jahr 2001. Seitdem habe sich dieser nicht verändert. "Und zum zweiten der immer noch anhaltende Auflagenverlust, vor allem bei jüngeren Lesern - deshalb ist bei allen Zeitungen in Deutschland die Auflage schwindsüchtig", meint er.
Aus für Financial Times Deutschland
tagesthemen 22:25 Uhr, 21.11.2012, Julie Kurz, NDR
"Wir werden den Tod vieler kleinerer Zeitungen erleben"
Nicht allen Verlagen sei es gelungen, sich angesichts dieser Situation neu aufzustellen, urteilt Röper. Auch redaktionell haben sie aus seiner Sicht Fehler gemacht. Vor allem habe man es nicht verstanden, junge Leser zu binden. "Der zweite Fehler in Zeiten geringerer Einnahmen war sicherlich: Viele Zeitungen sind nicht mehr so leistungsfähig, weil sie Tausende von journalistischen Arbeitsplätzen abgebaut haben, auch das zieht sich bundesweit durch", sagt der Zeitungsforscher.
Auch der Hamburger Journalistikprofessor Volker Lilienthal sieht es als Problem an, dass Verlage Arbeitsplätze als Folge der Medienkrise abbauten. Zwar habe sich der Journalismus in den vergangenen Jahrzehnten verbessert, ist er überzeugt. Aber wenn es weniger Mitarbeiter gebe, könne die Qualität leiden - und es falle schwerer, unabhängig und innovativ zu berichten. Und Lilienthal glaubt: "Wir werden binnen zehn Jahren den Tod vieler kleinerer Zeitungen erleben - das ist meine Prognose."
Kommt jetzt das große Zeitungssterben?
21.11.2012 12:20 Uhr
Das Internet nicht ernst genommen?
Das Internet ist für die Verlage Konkurrenz und Chance zugleich. Längst bieten sie ihre Zeitungen mal mehr mal weniger gelungen auf elektronischem Wege an. Die allermeisten Verleger in Deutschland meinten bisher, Internet sei eine "Zusatzbühne", aber man müsse sie nicht wirklich ernst nehmen, kritisiert Lilienthal: "Das ist natürlich eine große Selbsttäuschung gewesen." Das Problem sei auch, dass das Publikum gewohnt sei, das Allermeiste im Internet gratis zu bekommen - "und da nochmal das Ruder rumzureißen, das wird sehr, sehr schwer", meint er.
Für Artikel im Internet sollten die Leser Geld zahlen - diese Meinung vertreten einige, zuletzt Springer-Vorstandschef Matthias Döpfner. Und auch Experten wie Lilienthal und Röper meinen, dass guter Journalismus etwas kosten müsse. Zeitungsforscher Röper bringt aber auch noch andere Möglichkeiten ins Spiel: "Die Frage ist: Sind wir nicht bereit, einen Obulus zu leisten - mit öffentlichen Mitteln oder über Stiftungen, die Millionen bereitstellen -, um den Journalismus lukrativ und aktiv zu halten."
Stephan Weichert (Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation) zur Financial Times
tagesschau24 13:30 Uhr, 21.11.2012
Stand: 21.11.2012 15:43 Uhr
