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US-Firmenchef rügt Arbeitsmoral

Faule Franzosen - empörte Franzosen

Für den Wirtschaftsstandort Frankreich läuft es mies. Nun hat auch noch ein US-Firmenchef einen bösen Brief an die Regierung in Paris geschrieben. Die Botschaft: Als Investor muss man schön blöd sein, in Frankreich zu investieren. Zu hoch seien die Gehälter, zu wenig werde dafür gearbeitet. Faulheit - der Vorwurf empört die Franzosen.

Von Daniela Kahls, ARD-Hörfunkstudio Paris

Es ist ein explosiver Brief, der in Frankreich für Schlagzeilen und Aufregung sorgt. Der amerikanische Reifenhersteller Titan hat an den französischen Industrieminister geschrieben und dem eine ziemlich rüde Abfuhr erteilt. Arnaud Montebourg hatte dem großen Reifenhersteller aus den USA nämlich vorgeschlagen, doch in die angeschlagene Reifenfabrik von Goodyear in Amiens zu investieren. Die steht nämlich vor dem Aus. 1200 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. 

Arbeiter der Reifenfabrik Goodyear in Amiens.
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Arbeiter der Reifenfabrik Goodyear in Amiens.

Doch statt höflich abzulehnen, kam von Titan-Chef Maurice M. Taylor nur Spott und Häme zurück. Er schrieb unter anderem: "Sie wollen, dass Titan eine Diskussion beginnt? Für wie blöd halten Sie uns eigentlich? Behalten Sie Ihre Möchtegern-Arbeiter nur für sich!"

Die Arbeiter von Goodyear bekämen nämlich vergleichsweise hohe Löhne und würden nur drei Stunden am Tag arbeiten, schrieb der gewünschte Investor. Das hätte er vor Ort in Amiens gesehen und man hätte ihm gesagt, dass das in Frankreich eben so sei. 

"Wir sind richtig sauer"

Die Vorwürfe des US-Managers bringen die Arbeiter von Goodyear mächtig auf die Barrikaden: "Was macht der denn in seinem Privatjet anderes, als sich über die Leute lustig zu machen und sie zu beleidigen? Darauf muss man doch reagieren und wenn die Regierung es nicht tut, dann mache ich es. Mister Taylor, die Angestellten von Goodyear sind richtig sauer und ich auch", empört sich lautstark der Gewerkschafter Mikael Wamen.

Faule Franzosen - nur drei Stunden Arbeit am Tag?
D. Kahls, ARD Paris
20.02.2013 15:42 Uhr

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Der zuständige Minister Arnaud Montebourg, an den der Amerikaner seinen vor Häme tropfenden Brief adressiert hatte, verkniff sich - offenbar ziemlich sauer - jeden inhaltlichen Kommentar. Er sagte lediglich: "Darauf will ich im Interesse Frankreichs jetzt nicht reagieren." Zu sehr würde er da wohl Gefahr laufen, sich ebenfalls im Ton zu vergreifen. Regierungssprecherin Najad Vallaut-Belkacem immerhin bemühte sich ein wenig, die Ehre der französischen Arbeiter zu retten. "Ich möchte Mister Taylor nur daran erinnern, dass amerikanische Investoren europaweit in Frankreich am meisten investieren. Das wird ja wohl einen guten Grund haben."

Hat der Klartext sprechende Amerikaner recht?

Die Diskussion über die Arbeitsmoral in Frankreich ist im Moment ohnehin ein heißes Eisen. In Zeiten, in denen Zehntausende Industriearbeitsplätze verloren gehen, wird die 35 Stunden-Woche und der frühe Renteneintritt in Frankreich immer mehr in Frage gestellt. Und ein Gewerkschafter von Goodyear musste sogar einräumen, dass der Klartext sprechende Amerikaner mit seiner Einschätzung zum Teil sogar recht habe. Mache Arbeiter würden wirklich nur drei Stunden arbeiten. "Ja, in manchen Abteilungen wird nur drei Stunden gearbeitet. Aber die sind eben unterbeschäftigt durch Entscheidungen aus der Direktion. Was sollen die Arbeiter da machen?", fragt der Gewerkschafter.

Die angeschlagene Fabrik von Goodyear mag ein Sonderfall sein. Doch auch insgesamt arbeiten die Franzosen deutlich weniger als andere Europäer. Vor allem der 35-Stunden-Woche haben die Franzosen es zu verdanken, dass sie im Jahr 225 Stunden weniger arbeiten als die Deutschen.

Stand: 20.02.2013 16:28 Uhr

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