Produktionsstraße bei VW in Wolfsburg | Bildquelle: dpa

VW-Abgasaffäre in den USA Geld zurück oder neues Auto?

Stand: 07.01.2016 13:20 Uhr

Im Skandal um manipulierte Abgaswerte muss VW offenbar mehr als 115.000 Fahrzeuge in den USA zurückkaufen. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Inzwischen haben sich 50 VW-Mitarbeiter als Kronzeugen gemeldet. Sie wollen zum Abgas-Skandal aussagen.

Der Volkswagen-Konzern müht sich in der Aufarbeitung des Abgasskandals um einen Kompromiss mit den zuständigen Behörden in den USA. Allein mit Rückrufen geben sich die Aufseher aber offenbar nicht zufrieden. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" geht der VW- Konzern davon aus, dass in den USA mehr als 115.000 Diesel-Autos zurückgenommen werden müssen.

Kostengünstiger Rückruf offenbar kaum möglich

Demnach sollen die Besitzer den Kaufpreis erstattet oder deutlich vergünstigt neue Wagen bekommen. Auch bei den übrigen der insgesamt etwa 580.000 betroffenen Wagen in den USA dürfte ein rascher und kostengünstiger Rückruf - anders als in Deutschland - kaum möglich sein. Im Konzern rechne man mit größeren Umrüstungen, die hohe Materialkosten und lange Werkstatt-Zeiten erforderten, heißt es in dem Bericht.

VW-USA-Chef Michael Horn | Bildquelle: REUTERS
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US-VW-Chef Horn: Rückruf betroffener Fahrzeuge kompliziert.

VW in den USA wollte sich dazu bislang nicht äußern. Der US-Chef des Konzerns, Michael Horn, hatte im Oktober erklärt, der Rückruf sei kompliziert und könnte ein bis zwei Jahre dauern. VW hat bislang noch keine Einigung mit den US-Aufsehern darüber erzielt, wie die Betrugs-Software beseitigt werden kann, durch die die Abgasreinigung nur im Testmodus voll aktiviert wird.

Druck der US-Behörden

Am Mittwoch hatte die US-Umweltbehörde EPA mitgeteilt, dass sie mit den Ansätzen des VW-Konzerns zur geplanten Umrüstung der betroffenen Fahrzeuge nicht zufrieden ist. Rückruf-Diskussionen mit dem Unternehmen hätten "keinen akzeptablen Weg nach vorne ergeben". VW müsse so rasch wie möglich effektive, angemessene Lösungen entwickeln.

Ein VW-Passat in den USA | Bildquelle: AFP
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Der Passat in den USA: Dem Konzern drohen Kosten in Milliarden-Höhe.

Auf VW kommen in den Vereinigten Staaten Milliarden an Rechtskosten wegen des Skandals zu. Das US-Justizministerium verklagte VW im Namen der EPA wegen Verstoßes gegen das Luftreinhaltegesetz und fordert Geldstrafen, die sich auf bis zu 48 Milliarden Dollar summieren. Zudem wurden Hunderte von Sammelklagen privater Autobesitzer erhoben.

Mitarbeiter sollen zur Aufklärung beitragen

Nach Informationen des Rechercheverbundes von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" haben sich inzwischen knapp 50 VW-Mitarbeiter gemeldet. Sie haben zu den Manipulationen ausgesagt. Der Volkswagen-Vorstand hatte die Beschäftigten gebeten, sich an der Aufklärung des Abgas-Skandals zu beteiligen. Im Gegenzug will der Konzern keine Kündigungen oder Schadenersatzforderungen gegen die Angestellten aussprechen. Interne Ermittler hatten die Befragungen durchgeführt. Die Ergebnisse sollen nun geprüft werden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Januar 2016 um 09:30 Uhr.

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