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Rekordbauzeit für Terminal in Indien
Für Berlin hat Neu-Delhi nur ein Lächeln übrig
In 37 Monaten einen Hauptstadtflughafen bauen? Neu-Delhi hat geschafft, wovon Berlin nur träumen kann. Das neue Terminal in der indischen Metropole gefällt Experten und Passagieren. Selbst für die Finanzierung der explodierten Baukosten wurde ein simpler Trick gefunden.
Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi
Der Werbefilm des Baukonsortiums verheißt eine Offenbarung und spricht von einem Wunderwerk der Ingenieurskunst. Terminal 3 des Indira-Gandhi-International-Airports in Neu-Delhi ist der größte öffentliche Bau Indiens. Die moderne Stahl- und Glaskonstruktion kann 34 Millionen Passagiere pro Jahr abfertigen und ist damit unter den Top 10 der Welt.
"Neue globale Maßstäbe"
Sogar der ansonsten eher nüchterne Premierminister Manmohan Singh war bei der Einweihung im Juli 2010 hörbar stolz. "Dieser Terminal setzt neue globale Maßstäbe," verkündete er. "Ein Flughafen ist oft die erste Visitenkarte eines Landes. Wir sind überglücklich, dass es uns gelungen ist, einen der größten Passagierterminals der Welt in einer Rekordzeit von nur 37 Monaten zu bauen."
Flughafenbau in Rekordzeit - Terminal 3 im indischen Neu Delhi
S. Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi
04.02.2013 12:48 Uhr
Der nach einer Kostenexplosion fast drei Milliarden Dollar teure Bau ist das Produkt einer öffentlich-privaten Partnerschaft. Hauptanteilseigner ist der indische Infrastruktur-Spezialist GMR mit 54 Prozent. Mit jeweils zehn Prozent sind Fraport aus Deutschland und der malaysische Flughafenbetreiber Malaysian Airports beteiligt. Die staatliche Flughafen-Behörde Indiens hält eine Sperrminorität von 26 Prozent.
Passagiere loben den indischen Hauptstadtflughafen als schnell und effektiv - vergleichbar mit Frankfurt oder London Heathrow. Bei den World Airport Awards 2012 hat der Indira-Gandhi-International-Airport in Delhi den Preis für den am stärksten verbesserten Flughafen bekommen.
Zwietracht bei der öffentlich-privaten Partnerschaft
Doch in der öffentlich-privaten Partnerschaft, die nicht nur für den Ausbau, sondern auch für den Betrieb verantwortlich ist, gibt es Risse. Nach Meinung des indischen Rechnungsprüfers soll der Staat dem Bau-Konsortium wertvolles Land weit unter Marktwert überlassen haben - zum Schaden des Volkes.
Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport wiederum will bis zum Sommer seine 10-prozentige Beteiligung am Flughafen Delhi verkaufen und sich aus dem Indiengeschäft zurückziehen. Fraport stößt sich am starken staatlichen Einfluss. Wie zum Beweis streicht die staatliche indische Flughafenbehörde in den nächsten drei Jahrzehnten den größten Teil des Gewinns ein, den der internationale Flughafen in Delhi abwirft.
Jeder Passagier zahlt für den Bau
An den Kosten für Terminal 3 werden vermutlich noch bis 2016 auch alle Passagiere beteiligt, die über Delhi fliegen. Für Inlandsflüge beträgt die sogenannte Flughafenentwicklungsgebühr derzeit rund drei Euro, für internationale Verbindungen rund acht Euro - zusätzlich zu den normalen Gebühren und Steuern.
Stand: 04.02.2013 11:40 Uhr
