Flughafen Köln-Bonn

"Schwere Vorwürfe gegen Geschäftsleitung"

Stand: 09.11.2017 18:56 Uhr

Rechnungen ohne erkennbare Leistungen, ungewöhnlich viele Mitarbeiter-Freistellungen: Ein vorläufiger Untersuchungsbericht für den Aufsichtsrat des Flughafens Köln-Bonn sieht Hinweise auf mögliche Pflichtverletzungen der Geschäftsführung. Diese bestreitet die Vorwürfe.

Von Georg Heil, WDR

In dem Untersuchungsbericht, der dem WDR vorliegt, sind Wirtschaftsprüfer und eine Rechtsanwaltskanzlei verschiedenen Vorwürfen gegen das Management nachgegangen. Ursprünglich hatte sich offenbar ein Whistleblower aus dem Unternehmen an den Aufsichtsrat gewandt.

Einer der Untersuchungsgegenstände des Berichtes waren die Geschäfte des Flughafens Köln-Bonn mit einer Cargofirma. Dort werden Aussagen der Innenrevision zitiert, nach denen der Flughafen dem Unternehmen zu viel Geld für angemietete Flächen gezahlt habe. Zudem habe er der Firma auch Rechnungen ohne vertragliche Grundlage beglichen - und ohne erkennbare Leistungen. Gleichzeitig habe der Flughafen dem Unternehmen vertraglich vereinbarte Leistungen des Flughafens nicht in Rechnung gestellt. Die Vorgänge in den Jahren 2015 bis 2017 sollen sich laut Revisionsbericht auf eine Summe von mehr als eine Million Euro zu Ungunsten des Flughafens belaufen.

Zahlungen trotz offener Forderungen?

Auch die Geschäfte des Flughafens mit einer weiteren Unternehmensgruppe untersuchten die Prüfer. Hier fanden sie Hinweise, dass der Geschäftsführer des Flughafens Köln-Bonn, Michael Garvens, entgegen der Empfehlung der Rechtsabteilung des Flughafens eine Zahlung an ein Unternehmen der Gruppe angewiesen habe, obwohl auch Forderungen gegenüber der Gruppe bestanden hätten - und einem Teil der Gruppe die Insolvenz gedroht habe. Dieses Unternehmen habe dem Flughafen auch eine Rechnung für die Nutzung eines Flugzeugs gestellt – hier sei unklar, "in welchem Umfang die Beanspruchung der Leistungen privat veranlasst war", heißt es im Bericht.

Als "äußerst ungewöhnlich" bezeichnen die Prüfer in ihrem Bericht auch die "hohe Zahl an (leitenden) Mitarbeitern bei der Flughafen Köln-Bonn GmbH, die laut Unterlagen offenbar freigestellt worden seien. In einem Fall sogar mehr als elf Jahre. Die Gründe für die Freistellungen seien bislang nicht zu klären gewesen heißt es im Prüfbericht. "Die äußerst ungewöhnlich hohe Zahl der Freistellungen und ihre Dauer könnten Indizien für schwerwiegende Pflichtverletzungen sein."

NRW hält 30 Prozent am Flughafen

Ein Anwalt, der die rechtlichen Interessen der Flughafen Köln-Bonn GmbH sowie des Flughafen-Geschäftsführers Garvens vertritt, erklärte gegenüber dem WDR zu allen Punkten aus dem Bericht: Sämtliche erhobenen bzw. angedeuteten Vorwürfe gegen Geschäftsführer Garvens, seine Pflichten verletzt zu haben, seien nicht zutreffend. Herrn Garvens sei keine Pflichtverletzung vorzuwerfen.

Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen, die rund 30 Prozent am Köln Bonner Flughafen hält, erklärte auf Anfrage, dass sie den Bericht noch nicht abschließend bewerten könne. Der Bericht soll morgen im Aufsichtsrat thematisiert werden. Am Dienstag hatte das Land NRW den Aufsichtsratsvorsitzenden, den ehemaligen Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig (SPD), dazu aufgefordert, sein Mandat niederzulegen. Bodewig soll den jetzt vorliegenden Untersuchungsbericht angeregt haben.

Wechsel an Spitze des Aufsichtsrats

Sein Nachfolger soll nun der ehemalige CDU-Politiker Friedrich Merz werden. Vertreter im Aufsichtsrat befürchten, dass durch den Wechsel an der Aufsichtsratsspitze die Aufklärung der Vorwürfe behindert oder verzögert werden könnte. Die Landesregierung betonte jedoch gegenüber dem WDR, dass sie die Aufklärung der Vorwürfe unterstütze. "Sofern es zu strafbaren Handlungen oder Unterlassungen gekommen sein sollte, sind die Strafverfolgungsbehörden zu informieren", so das Land.