Logo der Firma Flowtex (Archivbild) | Bildquelle: dpa

Prozessauftakt in der Schweiz "Big Mannie" und die Flowtex-Millionen

Stand: 05.10.2015 09:48 Uhr

Der Flowtex-Skandal war einer der größten Betrugsfälle in Deutschland. 15 Jahre später folgt nun das juristische Nachspiel in der Schweiz. Ex-Chef Schmider, genannt "Big Mannie", muss sich unter anderem wegen Geldwäsche verantworten.

Von Hans-Jürgen Maurus, ARD-Hörfunkstudio Zürich

Es ist der vielleicht größte Wirtschaftsprozess der Schweiz. Es geht um viel Geld, Diamanten, eine Luxusjacht, mehrere Chagalls und um die Frage, ob die fünf Angeklagten schuldig sind oder nicht. 21 Verhandlungstage sind angesetzt, die Akten füllen 140 Ordner.

Manfred Schmider | Bildquelle: dpa
galerie

Schmider saß in Deutschland sieben Jahre in Haft. Er lebt heute auf Mallorca.

Die Staatsanwaltschaft hat eine zweistellige Millionensumme beschlagnahmt und wirft dem ehemaligen Flowtex-Boss Manfred Schmider, Spitzname "Big Mannie", Veruntreuung, Geldwäscherei, Urkundenfälschung und Steuerbetrug vor. Sie fordert eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren. Mitangeklagt sind die Ex-Gattin Schmiders, zwei weitere Familienmitglieder und ein Rechtsanwalt. Die Verteidiger verlangten gleich zu Beginn die Abweisung mehrerer Forderungen der Anklage. Dabei geht es unter anderem um Schadenersatzansprüche an die Ex-Frau Schmieders.

Der Schweizer Flowtex-Skandal ist ein Nachspiel zu einem Prozess in Mannheim, bei dem Schmider 2003 zu rund elf Jahren Haft verurteilt wurde. Der Gesamtschaden wurde damals auf 2,6 Milliarden Euro geschätzt, doch ein Teil des Geldes blieb verschwunden.

alt Logo der Firma Flowtex (Archivbild) | Bildquelle: dpa

Der Flowtex-Skandal

Der Skandal um die Firma Flowtex ist einer der spektakulärsten Fälle von Wirtschaftskriminalität in Deutschland. Seit 15 Jahren beschäftigt er die Justiz. Im Mittelpunkt steht dabei der Ex-Chef von Flowtex, Manfred Schmider. Das Unternehmen aus der Nähe von Karlsruhe bot Spezialbohrgeräte an, die aber größtenteils nur auf dem Papier existierten. Banken und Leasinggesellschaften wurden systematisch betrogen. Der Schaden belief sich auf 2,6 Milliarden Euro.

Schmider wurde 2003 zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt, 2013 ein weiteres Mal zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung. Auch Manager, Familienangehörige, Anwälte und Mitwisser erhielten Haftstrafen. Der Wirtschaftsminister und die Justizministerin von Baden-Württemberg traten 2004 wegen der Affäre zurück.

Bei dem Prozess in der Schweiz geht es unter anderem um den Vorwurf der Geldwäsche und Veruntreuung. Schmider soll in Deutschland ergaunerte Vermögenswerte in mehrfacher Millionenhöhe in der Schweiz versteckt und der Insolvenzmasse von Flowtex entzogen haben.

Jagd auf die Millionen

Schmider hat seine Strafe in Deutschland abgesessen und ist seit 2007 wieder auf freiem Fuß, doch aufgrund eines Rechtshilfegesuchs wurden die Schweizer Behörden aktiv. Bei der Jagd auf Millionen wurde man bei mehreren Schweizer Banken fündig. Zudem hatte ein Finanzinstitut im Jahr 2009 der Schweizer Meldestelle für Geldwäsche über verdächtige Transaktionen berichtet.

Schmider und seine Ex-Gattin sind angeblich mittellos, doch wohnt die frühere Ehefrau in Küsnacht an der sogenannten Zürcher Goldküste. Manfred Schmider lebt auf Mallorca, seine Adresse ist unbekannt.

Neuer Flowtex-Prozess in der Schweiz
H.-J. Maurus, ARD Zürich
05.10.2015 09:54 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: