Stromanbieter meldet Insolvenz an Flexstrom ist zahlungsunfähig

Stand: 12.04.2013 16:28 Uhr

Fahnen wehen in Berlin vor dem Firmensitz des Strom-Anbieters Flexstrom. (Bildquelle: dpa)
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Flexstrom begründet die Insolvenz mit der schlechten Zahlungsmoral der Kunden.

Das Berliner Energieunternehmen Flexstrom ist zahlungsunfähig. Das Unternehmen meldete nach eigenen Angaben Insolvenz an. Der Energieanbieter, der mehr als 500.000 Kunden versorgte, begründete seine Finanzprobleme vor allem mit der "schlechten Zahlungsmoral zahlreicher Stromkunden". Die Zahlungsrückstände der Kunden summierten sich auf 100 Millionen Euro.

Man sei "profitabel, aber nicht mehr liquide", erklärte die Geschäftsführung: Noch 2012 seien gut 20 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet worden.

Harte Vorwürfe wegen "schädigender" Berichterstattung

Nach der "schädigenden Berichterstattung vereinzelter Medien" zahle nur ein Teil der Kunden seine Rechnungen pünktlich. Mit rund 100 Millionen Euro seien Kunden im Rückstand. Zudem hätten Lieferanten die Berichterstattung zum Anlass genommen, "rechtswidrige Forderungen aufzustellen". Obwohl das Unternehmen seit 2009 profitabel arbeite, seien ihm wegen der Berichterstattung einzelner Medien externe Finanzierungen verwehrt worden, so ein weiterer Vorwurf. Dabei geht es offensichtlich um Berichte im "Handelsblatt", das über angebliche Finanzprobleme bei Flexstrom berichtet hatte. Flexstrom ging mehrfach gerichtlich gegen "Handelsblatt"-Berichte vor.

Der harte Winter stelle eine zusätzliche Belastung dar, erklärte das Unternehmen. Kunden zahlten nur ihre normalen Abschläge. Gleichzeitig müsse Flexstrom mehr Energie einkaufen. Dafür sei Flexstrom mit seinen Tochterunternehmen "selbst notgedrungen mit einem Millionenbetrag in Vorleistung" gegangen. Der Insolvenzantrag von Flexstrom betrifft auch die Tochtergesellschaften OptimalGrün und Löwenzahn Energie. Das Geschäft der Gas-Tochterfirma FlexGas werde hingegen von einem Investor weitergeführt.

Flexstrom-Pleite: Kundengelder weitgehend verloren
J. Frewel, ARD Berlin
12.04.2013 20:05 Uhr

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Örtliche Grundversorger übernehmen Lieferungen

In einem Insolvenzfall übernehme der örtliche Grundversorger die Kundenbelieferung mit Strom, erläuterte Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst. Dieser müsse natürlich unabhängig von der vorherigen Geschäftsbeziehung mit Flexstrom bezahlt werden. Abschlags- und Vorauszahlungen an Flexstrom gehen in die Insolvenzmasse. Im Insolvenzverfahren müssen die Kunden dann ihre Forderungen geltend machen.

Die 2003 gegründete Flexstrom ist ein mittelständisches Familienunternehmen, das zu keinem der großen Stromkonzerne gehört. 2011 setzte Flexstrom 355 Millionen Euro um, der Betriebsgewinn klettere um 62 Prozent auf 11,2 Millionen Euro.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. April 2013 um 20:00 Uhr.

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