Karpfen schnappen nach Luft. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Fischratgeber von Greenpeace Künftig nur noch Karpfen auf den Tisch

Stand: 20.01.2016 12:02 Uhr

Fisch gilt als gesund. Doch Greenpeace rät jetzt weitgehend zum Verzicht. Ausschließlich Karpfen sei uneingeschränkt zu empfehlen. Der Grund: die Überfischung der Meere. Branchenverbände kritisieren den Rat als "wirklichkeitsfremd".

Hochwertiges Eiweiß, Omega-3-Fettsäuren: Fisch sollte laut Ernährungsexperten mindestens einmal wöchentlich auf den Tisch. Doch das könnte künftig recht einseitig ausfallen, richtet man sich nach dem neuen Fischratgeber der Umweltorganisation Greenpeace. Der empfiehlt wegen der Überfischung der Meere bei allen Arten von Fisch auf Fang- und Zuchtmethoden zu achten und bestenfalls ganz darauf zu verzichten. Mit einer Ausnahme: Der Karpfen sei als einziger uneingeschränkt zum Verzehr geeignet.

Knapp 30 Prozent der Bestände überfischt

115 Fischarten hat Greenpeace in seinem neuen Ratgeber bewertet. Für nicht vertretbar hält die Umweltorganisation den Verzehr von Aal, Rotbarsch, Makrele, Seehecht und Alaska-Seelachs. Die Empfehlung an die Verbraucher fällt deutlich aus: "Essen Sie seltener oder im Idealfall gar keinen Fisch." Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO sind 28,8 Prozent der weltweiten Speisefischbestände überfischt oder erschöpft, bei 61,3 Prozent der Bestände droht eine Überfischung.

Fischindustrie spricht von Ideologie

Der Bundesverband der Fischindustrie kritisiert die Empfehlungen als ideologisch. Der Ratgeber ignoriere die Entwicklungen, die von der Fischindustrie und zum Teil von Greenpeace teilweise selbst angestoßen worden seien, sagte der Verbandsgeschäftsführer Matthias Keller. Der in Deutschland beliebte Alaska-Seelachs sei in drei von vier Fanggebieten nicht überfischt, im vierten sei die Situation wegen fehlender Daten unklar.

Laut der Branche wurden 2014 in Deutschland etwa 1,2 Millionen Tonnen Fisch konsumiert, das sind 14 Kilogramm pro Kopf. Weltweit liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei 19 Kilogramm. "Wir sind da noch ein Entwicklungland", so Keller.

Es gibt doch "vertretbare Ausnahmen"

Greenpeace spricht in seinem Ratgeber übrigens von "vertretbaren Ausnahmen". Darunter fallen Lachs aus vereinzelten Regionen und Thunfisch. Hering und Wels sind demnach "überwiegend vertretbar".

Welche Fische können noch bedenkenlos gegessen werden?
A. Schröder, DLF
20.01.2016 13:11 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 20. Januar 2016 um 11:47 Uhr im Deutschlandfunk.

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